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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-11-27 · Heft 48 (27.11.1883) · p. Seite 782

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 48 (27.11.1883)
Date
1883-11-27
Page
Seite 782 (sequence 12)
Language
German
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782 Jsaac vorgefallen fein mag, um einen gegentheiligen Beschluß zu zeitigen. Wir erachten jedoch den letzten Entschluß als endgültig und wollen die Schwierigkeiten der Stellung Euer Lordschast nicht durch ein weiteres Drängen in diese Angelegenheit vermehren. Wir müssen jedoch mit allem Nachdruck gegen diese anscheinend ungerechte Behandlung eines Mannes protestiren, der auf die Einladung eines englischen Comitvs hin nach London kommt, der nicht nur die Achtung seiner Amtsbrüder, sondern auch die Verehrung der Mehrheit wahrer Christen in Deutschland genießt, der als ein Mitglied des deutschen Reichstags und des preußischen Landtags das Vertrauen seiner Wähler besitzt und der außerdem den Posten eines Hofpredigers des Kaisers von Deutschland bekleidet. Wir verharren Euer Lordschaft ergebenste Diener im Namen des Pastor Stöcker-Comitös: R. Rauch, C. H. Feldmann." (Dieses Schreiben macht den Unterzeichnern keine große Ehre. Denn erstens beantworten sie das Motiv, welches den Lordmayor zu seinem Entschlüsse geführt, und das er in seinem Schreiben klar und offen ausgesprochen hat, daß nämlich Stöcker das Haupt der deutschen Antisemiten sei, gar nicht, und haben somit kein Recht, zu behaupten, daß der Lordmayor „Unrichtigkeiten" geäußert habe. Und dann möchten wir wissen, wer den beiden Herren das Recht gegeben, im Namen „der Mehrheit der wahren Christen in Deutschland" zu behaupten, daß Stöcker der Gegenstand ihrer „Verehrung" j sei. In dem Ausdruck „wahre Christen" steckt schon wieder I die Inquisition und der geistliche Hochmuth.) Stöcker hat zwei Borträge in London gehalten, den ersten am 13. bei der „Luther-Erinnerungsfeier" in der Exeter Hall. Es waren einige tausend Personen gegenwärtig, die den Redner theils mit Beifallstheils mit Mißfallsbezeugungen empfingen. Doch verlief die Rede bei ruhiger Haltung der Versammlung. Stöcker behauptete in seiner Rede: „Er sei als Niemandes Feind und als Freund aller guten Menschen gekommen!!!" Nach einer Correspondenz der „Köln. Ztg." ist er in seinem Vortrage ganz besonders gegen das Papstthum und die Ultramontanen losgefahren, was auf die Freundschaft der Conservativen und Ultramontanen im mit religiösen Fragen zu thun haben!" Als der Präsident darauf fragte, ob sie nicht einen der bedeutendsten christlichen Redner hören wollten, schrie man: „Hinaus, schmeißt ihn hinaus!" Stöcker begann unter großem Tumult, erbezeichnete die Scene als entehrend für die Deutschen, umsomehr, als er am Dienstag vor 4000 ruhigen Zuhörern in Exeter Hall gesprochen habe. Er leugnete, daß er das Haupt des antisemitischen Comites sei, obgleich er seine Verbindung mit demselben zugab. (!!) Er sprach dann über die Lage der deutschen Arbeiter, welche ebenso schlimm sei wie die Lage der englischen Arbeiter, und verdammte die Drohungen der deutschen Socialisten. Als er dabei den Namen des Kaisers erwähnte, wurden sofort drei Hochrufe auf Kaiser Wilhelm ausgebracht, in welche Alle einstimmten, mit Ausnahme eines kleinen Häufleins von Socialisten, welche die Hüte auf den Köpfen behielten und das Hoch mit .... beantworteten. Stöcker erklärte nach diesem Ausdrucke nicht weiter sprechen zu können. Darauf entstand eine wüste Scene, die Socialisten bestiegen die Bänke mit wilden Gebärden und ein Hoch auf den Lordmayor ausbringend, sodaß des Präsidenten Stimme im Lärm unhörbar blieb! London, 15. November. Ueber den zweiten Stöcker- Abend am 14. Nov. lautet der ausführliche Bericht folgendermaßen: Der Bortrag des Hofpredigers Stöcker, welcher > gestern in der Memorial - Halle in Farringdon - Street stattfand, nahm, wie bereits kurz gemeldet, einen äußerst stürmischen Verlauf. Wie vorauszusehen war, fanden, trotz aller von dem Stöcker - Comit« gebrauchten Vorsichtsmaßregeln, zahlreiche, nicht nur den socialdemokratischen Kreisen angehörende Gegner des Herrn Hofpredigers ihren Weg in die Versammlung und die feindliche Stimmung gelangte schon zum Durchbruche, als der Hofprediger die Tribüne betrat. Die Beifallsrufe seiner Freunde hatten einen harten Kampf mit dem Gejohle und Gezische der gegnerischen Partei zu bestehen, und der Vorsitzende, Herr Rauch, vermochte erst nach geraumer Zeit die Versammlung zu eröffnen. Seine einleitenden Bemerkungen boten Beranlaffung zu wiederholten stürmischen Unterbrechungen. Er wies zuerst auf die vom deutschen Reichstage ein besonderes Streiflicht wirft. Ein > Lordmayor entzogene Bewilligung der Abhaltung des Meetings englisches Blatt spricht sein Urtheil dahin aus, daß Stöcker aller höheren Gaben und Eigenschaften entbehre, welche den! großen Redner ausmachen, daß er dagegen „ein treff£i<^er i handwerksmäßiger Plattform-Redner sei." Ganz anders verlief Stöcker's zweiter Vortrag in Memorial Hall am 14. d. vor einem ausschließlich deutschen Publikum. Wir heben diesen letzteren Punkt besonders hervor. Die „Köln. Ztg." berichtet darüber folgendermaßen: „Kaum hatte der Präsident die Versammlung mit einem Tadel gegen den Lordmayor eröffnet, als ein Hoch aus den Lordmayvr ausgebracht wurde. Einige Stimmen riefen: „Wir wollen nichts im Mansionhouse hin, was zu einer energischen Demonstration für den Lordmayor führte. Die Einführung Herrn Stöcker's wurde mit leidenschaftlichen Rufen: „'Raus mit ihm, 'raus, wir wollen nichts mit ihm zu schaffen haben :e.", ausgenommen und die Erklärung, daß das Meeting ausschließlich auf die Ansprache des Herrn Stöcker beschränkt bleiben solle, rief einen Sturm seitens der Socialdemokraten hervor, der wiederholt zu Thätlichkeiten auszuarten drohte. Der Tumult währte mehrere Minuten lang und in dem allgemeinen Gewirre und der allseitig zum Durchbruche gelangenden Leidenschaftlichkeit bewahrte nur ein Mann seine

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