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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-11-27 · Heft 48 (27.11.1883) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 48 (27.11.1883)
Date
1883-11-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i i Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein mpartciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Pr. SS) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipp son tu Bonn. Gzepeöitiorr: Leipzig, Woßptcrh 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr.L.PHrlippson in Bonn direct, in allen übrigen an die BerlagShandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 47. Jahrgang. Leipzig, den 27. November 1883. Ml 48. Inhalt. Leitende Artikel: Tie Religionskämvfe. — Ter Lordmayor von London. — An dem Neustettiner Synagogenbrand-Proceß. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Leipzig, Kiel. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Zala-Egerszeg, Bon der Theiß, Agram. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Vermischtes: Der Adams-Pike auf Ceylon. — Aus Rußland. — Alexander v. Humboldt und die Antisemiten. T+CWCWVC €\?tißc€. Bonn, 21. November. Die Religiouskampfe. setzte es nirgends dem Andrängen einer für die Völker neuen Weltanschauung einen starken Widerstand entgegen und sank rühmlos in das Grab. Eine kleine Schaar Jünger war aus Jerusalem ausgezogen und eroberte in wenigen Jahrhunderten das ganze Abendland. Ein Mann war an der Spitze eines kriegerischen Stammes ausgetreten und seine Es ist eine merkwürdige Beobachtung, die sich aus der Nachfolger unterwarfen in 50 Jahren das Morgenland von Geschichte ergiebt, nämlich: daß alle positiven Religionen den Ufern des Indus bis an den Ebro. Ganz anders die durch schwere, erschütternde Kämpfe um und gegen sie an positiven Religionen, das Judenthum mit seinen 34, das Kraft und Stärke stets gewonnen haben und einflußreicher Christenthunl mit seinen 18, der Islam mit seinen 12 Jahr- und wirkungsvoller aus ihnen hervorgingen, während in Hunderten. Wir wollen nur einige Momente hervorheben. Zeiten der Ruhe und des Friedens ihr innerer und äußerer Keinen furchtbarern Gegner hatte die katholische Kirche als Bestand sich lockert unter der Einwirkung der Philosophie den Arianismus, der sie mit Vernichtung bedrohte, da sie und Wissenschaft, der politischen, socialen und gewerblichen selbst noch schwach und wenig organisirt war. Aber gerade Interessen, der materiellen Genüsse und Zerstreuungen. Es aus diesem aus blutigen Schlachtfeldern ausgekämpften Streite ist, als ob diese mächtig aufragenden Stämme mit ihrem ging sie zu voller Herrschaft über das Abendland hervor. Laubwerk und ihren Kronen bei dem Wüthen des Sturmes, Die Kreuzzüge, in welchen Christenthum und Islam mit im Kampfe gegen die Elemente ihre Wurzeln nur tiefer und einander rangen, stärkten den letzteren so nachhaltig, daß er weiter in den Erdboden senken und so dem Unwetter, das nicht allein die Vorposten des Christenthums im Morzensie bedroht und umzustürzen sucht, nur um so kräftiger widerj lande und später selbst in Griechenland überwand, sondern stehen, mögen immerhin dabei einige abgestorbene Reiser oder I auch in seinem Innern die rationalistischen Sekten untergar Aeste zu Boden fallen. Die Geschichte bietet uns für diese These ein reiches Material von Beispielen. Das Heidenthum ist untergegangen. Lange schon in den höheren Schichten der Gesellschaft verwittert und zersetzt, von geistreichen Schriftstellern mit Spott und Hohn übergossen, niemals durch die Bildung energischer Sekten gestützt, da es für solche gar keinen Stoff bot, und jede Nation und jeder Stand unangefochten den Göttergestalten ihrer Phantasie folgen konnte, drückte und seiner starren Orthodoxie die unangefochtene Geltung verschaffte. Aber aus denselben Kreuzzügen ging auch die römische Kirche siegreich hervor, entwickelte ihre Organisation in steigenden Maßen, machte die Scholastik zu ihrer Magd und erwarb fast auch die politische Weltherrschaft. Wenn die Reformation einen Theil der ihr unterworfenen Welt von ihr losriß, so hatten doch die hierauf entstandenen schweren Kämpfe zur Folge, daß sie innerlich wieder er- 48

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