Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1883)
- Date
- 1883-11-06
- Page
- Seite 734 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227493--41247-3309709- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
734 In dem Aufruf der Schauspieler liegt das Zugeständ niß, daß die Schauspielkunst ohne die Unterstützung der i Juden sich nur kümmerlich fortfristen kann; indem aber der! Aufruf die Juden auch daran erinnert, daß mit den Bürgerrechten auch Bürgerpflichten verbunden sind und es des ungarischen Juden erste Bürgerpflicht ist, das nationale Schauspiel zu fördern, so enthalt er auch die leise Mahnung, durch ihr Erscheinen im Theater und ihre Unterstützung der edlen Schauspielkunst ihren Patriotismus zu bekunden, umsonst . . . Agram, 22. October. Unsere Leser werden sich aus 9fr. 35 des l. Jahrg. erinnern, daß in Essek ein Zeuge sich weigerte, vor einem Richter jüdischer Religion den Eid abzulegen, daß er deshalb in der ersten Instanz mit einer Geldstrafe belegt worden, die aber in zweiter Instanz aufgehoben wurde, indem dem Zeugen das Recht zugestanden Rumänien. Bukarest, 21. Oktober. (Orig.-Korr.) Aus Vorschlag des Ministeriums des Innern wurde der Wunderrabbi von Dorohoi des Landes verwiesen. Bei dem gewaltigen Unfuge, welchen die sogenannten Wunderrabbi an vielen Orten der Moldau zum Nachtheile ihrer abergläubischen Religionsverwandten treiben, wäre nur zu wünschen, wenn es die Regierung nicht bei diesem einzelnen Falle bewenden ließe, sondern überhaupt den auf Unkosten ihrer Glaubensgenossen sich bereichernden Wunderrabbi einfür allemal das Handwerk legen wollte. Galatz, im Oktober. (Privalmitth.) Am 16. und 17. September fand Hierselbst eine General-Bersammlung des i Central-Comitvs „zur Erleichterung der Auswanderung der ward, zu verlangen, den Eid vor einem Richter katholischen j Israeliten aus Rumänienstatt und es liegen jetzt die ge- Bekenntniffes abzulegen. Der Oberrabbiner Dr. Samuel. druckten, ausführlichen Protokolle vor, welche des sehr Jn- Spitzer zu Essek veröffentlichte damals eine Broschüre, interessanten viel enthalten. Aus dem abgestatteten Berichte welcher er die Motive der zweiten Instanz wiederlegte. Jetzt!des Generalsekretärs Sam. Pineles erweist sich die Wahrwird nun telegraphisch mitgetheilt, daß die Septemviraltafel heit des alten Spruches, daß guter Wille und begeisterter als höchste Instanz entschieden hat, daß der Eid ohne Eifer noch lange nicht hinreichen, einen günstigen praktischen Rücksicht auf legen sei. die Confession des Richters abzu- Großbritannien. London, 25. Moses Montefiore allen Seiten, aus Erfolg zu erzielen. Wir erkennen die rühmenswerthen Anstrengungen der Männer des Centralcomitös an. Aber die | Mittel und Wege, die sie verwendeten, waren ungeeignet und j Alles ward in so tumultuöser Weise angefangen, daß ein gutes! Ziel zu erreichen von vornherein zweifelhaft war. Auch dieses Beispiel muß endlich zur Belehrung und Warnung dienen; dann wäre die Sache nicht zu theuer erkauft. Das Schlimme aber ist, wenn ein Unternehmen, das der reiflichsten Erwägung und Prüfung und eines langsamen Fortschrittes von einem kleinen Anfang zu immer größerer Ausdehnung bedarf, auf den augenblicklichen Enthusiasmus der Menge und würdig zu feiern. So haben die englischen Freimaurerlogen! die momentane Bereitwilligkeit zu Opfern hin begonnen wird, beschloffen, an jenem Tage eine öffentliche Kundgebung ihrer z Die allgemeine Erwartung hofft dann auf eine schnelle Aus- Theilnahme zu veranstalten.! sührung in großen Zügen, und daran scheitet auch der ge- London, 25. Oktober. Tie Gesellschaft zur Erforschung; sundeste Plan. So auch hier. Das Centraleomit«, welches Palästinas hat soeben eine Expedition zur Untersuchung der! ein beschränktes Terrain im ehemaligen Galiläa erworben geologischen Verhältnisse zwischen dem Todten Meere und | hatte und daselbst die Colonie Samarin genannt — der dem Golf von Akaba ausgesandt. Die Expedition, an deren i Name Samarien war stets ominös für das Zudenthum — Spitze der Direktor des geologischen Ausnahmeamtes für Ir-1 gründen wollte, wurde fast mit Gewalt von den Untercomiland, Professor Hüll, steht, hat London bereits am Sonn-! t<-s gezwungen, viele Hunderte von Auswanderern ohne Ausabend verlassen und begiebt sich vorerst über Kairo nach > wähl hinsichtlich ihrer Arbeitsfähigkeit und Arbeitslust, Män- Oktober. Am gestrigen Tage feierte Sir 1 seinen 99. Geburtstag und erhielt von allen Ständen und Confessionen Ehrenbezeugungen, welche die hohe Verehrung bekundeten, die der ehrwürdige Greis genießt. Uebrigens trifft man schon jetzt Vorbereitungen, um seinen nächsten, seinen 100. Geburtstag Suez, wo derselben von Seite der ägyptischen Regierung eine militärische Escorte beigegeben werden wird. Trotz des rein wissenschaftlichen Charakters der Expedition glaubt man doch, daß die Ergebnisse ihrer Forschungen für das Prvject eines Schiffahrtskanals zwischen dem Mittelländischen und Rothen Meer, für welches sich der Herzog von Sutherland und andere einflußreiche Personen interessiren, von Wichtigkeit sein werden. ner, Frauen, Greise und Kinder, nach Syrien zu transportiren. Mit großen Opfern wurde die Erlaubniß, in Caiffa zu landen, erkauft. In diesem Umstande lag bereits die Gewißheit, daß das Unternehmen im Großen scheitern würde. Ebenso griff man in den Agenten fehl, welche sich die Autorität über die Emigranten nicht zu bewahren verstanden und bis heute noch keine Generalrechnung abgelegt haben. Der Erfolg war, daß man Hals über Kopf etwa 50 Familien