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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-10-30 · Heft 44 (30.10.1883) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 44 (30.10.1883)
Date
1883-10-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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j "Allgemeine Zeilung des Iudenlhmns. Ein imparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. KZepeöitrorr: «LerpZig, Woßptcrh 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Di-. 2. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichsalls an letztere einzusenden. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig S Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. 47. Jahrgang. Leipzig, den 30. October 1883. ^ö. 44. Inhalt. Leitende Artikel: Die Stadtverordneten-Wahlen in Berlin. — Eine abermalige Warnung. — „Der Prozeß von Tißa-Eßlar als culturhistorische Erscheinung". — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Rostock, Hamburg, Bielefeld. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Prag, Szegedin. — Italien: Aus Mittelitalien. — Rußland: Petersburg. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Erinnerungen an Ludwig Traube. £ciic-txDe €Xztiüef. Bonn, 25. October. Die Stadtverordneten - Wahlen in Lrrliu. Zeit behauptete, die „Metropole der deutschen Intelligenz" zu sein, Berlin, wo bereits am Ende des vorigen Jahrhunderts die Juden eine geachtete und in gesellschaftlicher Beziehung hervorragende Stellung einnahmen und mit den Kreisen der Wiffenschaft und Kunst im lebendigsten Verkehr standen, Berlin ist der Boden, aus welchem in Deutschland Die Neuwahlen für die Berliner Stadtverordneten-Verder Antisemitismus hervorgeschoffen und eine Zeitlang eine sammlung am 18., 19. und 20. Oktober haben uns wegen Gefahr drohende Höhe und Stärke erreicht hatte. Wie es des Kampfes, der zur Vorbereitung derselben stattgefunden 1 sich auch in der That verhalten mag, selbst Rußland und ein nicht geringes Jnteresie abgewonnen, so daß wir die Re- Ungarn wiederholten und wiederholen noch heute die Besultate derselben zu besprechen genöthigt sind. Wir brauchen hauptung, daß der Antisemitismus eine von Berlin aus imnicht erst zu sagen, daß auf unserem speziellen Gebiete1 portirte Waare sei. Um so mehr sind wir verpflichtet, die Stadtverordneten-Wahlen uns völlig unberührt lassen, daß Zustände in Berlin aus diesem Gesichtspunkt im Auge zu es uns gleichgültig sein kann, ob in irgend einem Rathhause j behalten und möglichst zu beobachten, wie es daselbst um conservative, nationalliberale oder fortschrittliche Stadtverordj die antisemitische Agitation stehe. Es waren in Berlin nete sitzen, wenn sie nur die wahren Interessen ihrer Ge-! für die gedachten Wahlen drei Parteien in den Kampf gemeinde zu verstehen und zu handhaben wissen. Anders steht treten: die Fortschrittspartei, die bis jetzt die ungeheuere es aber, wenn in einer Wahlbewegung eine antisemitische Partei auftritt und mit allen möglichen Mitteln agitirt, und noch mehr, wenn die sogenannten Conservativen, die jedoch nichts weiter sind, als Reaktionäre, die vom revolutionären Geiste ergriffen sind, sich offen mit diesen Antisemiten verbinden und identificiren. Es ist dann viel weniger Gegenstand unseres Interesses, ob einer oder mehrere Juden zu Stadtverordneten gewählt werden oder nicht, als vielmehr, wie weit der Antisemitismus in der wählenden Bürgerschaft Boden und Verbreitung gefunden. Dies ist es, was uns für die Berliner Neuwahlen eine spannende Theilnahme einflößt. Die Hauptstadt des Deutschen Reiches, die seit langer Mehrheit in der Stadtverordneten-Bersammlung gebildet und dieses Berhältniß aufrecht zu erhalten hatte; die Arbeiterpartei, welche mehrere Kandidaten aus ihrem Kreise in di.- Versammlung bringen wollte; und die sogenannte Bürger- Partei, welche die Fortschrittler möglichst zu verdrängen beabsichtigte. Diese letztere bekannte sich als „conservativ-antisemitisch", hat ihr Haupt in Stöcker und ihre vorzüglichsten Organe in Prof. Wagner und Dr. Jrmer. Allerdings dürfen wir nicht annehmen, daß diese Partei wirklich alle Conservativen Berlins einschließt; berichtet doch selbst die „Köln. Ztg." aus Berlin vom 20. Oktober: „Auch viele Cvnservative stimmten gegen die Liste der „Deutschen Bürgerpartei", 44 ■

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