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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-10-22 · Heft 43 (22.10.1883) · p. Seite 701

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 43 (22.10.1883)
Date
1883-10-22
Page
Seite 701 (sequence 11)
Language
German
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701 Jeuilleton. und zeigt uns, wie viel uns noch an jedem gegebenen Tage zu thun übrig bleibt. Sie beginnt ihren Lauf, wenn wir am frühen Morgen das Zelt abbrechen, und bleibt während Wir entnehmen der 45. Lieferung des Prachtwerkes der ersten Stunden unseres Kamelrittes uns dicht zur Seite. Eine Wüstenwauderung auf dem Weg von Suez zum Siuai. „Palästina in Bild und Wort", herausgegeben von Ebers und Guthe (Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart 1863) die folgende Wüstenwanderung, die hinter Suez beginnt. Ebers hat eine solche früher selbst durchgemacht und in feiner Schrift „Bon Gosen nach dem Sinai" beschrieben. Wir haben also hier die Zeichnung der vollen Wirklichkeit vor uns, kein Phantastegebilde. Vorher begründete Ebers, unsrer Meinung nach mit so vielem Rechte, wie in dieser Frage überhaupt möglich ist, daß der Durchzug der Israeliten durch das Schilsmcer unweit Suez stattgefunden und daß, so wunderbar dieser Durchzug war, doch nichts Widernatürliches dagegen an» geführt werden kann. „Endlich brechen wir aus und die Wüstenreise beginnt. Dann sehen wir sie eine ziemlich lange Weile gar nicht mehr, denn wir sind vermummt und dürfen nicht aufblicken in die Fülle des blendenden Glanzlichtes, das von ihr ausströmt; aber wir merken wohl, wo sie dort hoch über uns einherschreitet, denn wir fühlen, wie ihr Flammenschwert unseren Scheitel berührt. Kein Wort wird gesprochen, aber unsre Araber murren und die Kamele ächzen; unsre Haut glüht, und statt irgend einer Aussicht genießen wir nichts als den Anblick des Webemusters an unserem arabischen Kopftnche, welches wir, um nicht geblendet zu werden, wie eine Gardine vor das Gesicht gezogen haben. Die Zeit rückt vor, und die Schultern fangen an, uns zu schmerzen; die Araber murren immer, unsre Kamele ächzen und ächzen, und immer Die Spur, der wir folgen, hält sich in der Nähe des Meereswieder sehen wir nichts als das Gewebe unseres Kopftuches users, welches rechts von uns bald grün wie ein Schweizer- und da, wo es offen steht, blendendes Licht. Aber die siegsee, bald blau wie in den ligurischen Buchten schimmert und reiche Zeit schreitet weiter, die sinkende Sonne hat endlich glänzt. Zu unserer Linken liegt das Tafelland des südlichen Theiles der großen wüsten Hochebene „et-Thi“ und mehr als eine Höhcnkette, welche mit ihm in Zusammenhang steht. Die Bibel erzählt, daß die Juden drei Tage in der Wüste wanderten, da und auch wir das Himmelsgewölbe durchmessen und ihre Strahlen treffen nur noch leise unseren rechten Arm. Unser langgezogenes Schattenbild fällt vor uns aus den Sand hin und weist genau in die Richtung, wo Persien liegt. Jetzt ist es wieder ste kein Wasser fanden (Mos. II. 15, 22), gestattet, der Sonne ins Antlitz zn schauen, denn ihre strahwerden Elim (Wadi Rarandel) nicht unter lende Pracht ist nun verschleiert, die flammende Gluth hat drei Tagen erreichen. Während dieses Theiles der Reise sieht sich in liebliches Rosenroth verwandelt und das zarte, wallende alles einander gleich, was das Auge erblickt. Neues giebt Wölkchen, welches am Morgen vor ihr entfloh, wogt sich es nirgends zu schauen. Während dieses langsamen Rittes (nicht mehr als 4,4 Kilometer die Stunde) sieht man einige Reisende lesen, bis sie die brennende Sonne das Buch zu schließen zwingt, andere sich gelangweilt mühsam des Schlummers erwehren. Was uns betrifft, so haben wir uns bei wieder vor ihr Angesicht. Dabei erröthet es zwar, aber es kommt doch hcrbei und bleibt ihr von nun ab zur Seite. Und jetzt beginnt die Zeit unserer Erholung, nun gehört uns die Welt um uns her wirklich an, und wir schlagen unser Zelt da aus, wo es uns eben beliebt. Kein lebendes Wesen diesem stillen Ritt recht ungestört mancherlei Betrachtungen versucht es, uns den Platz, welchen wir wählten, streitig zu hingegeben und dann wieder Ausschau gehalten und uns von machen. Wir sind am Ziel, und nun berührt ein Araber unserem arabischen Begleiter die Berge, welche man aus der die Brust unseres Kameles und läßt dabei einen sonderbar Ferne erblickte, und die spärlichen Wüstengewächse am Wege gurgelnden Laut vernehmen. Das Thier versteht denselben bei Namen nennen lasten. So sind wir der Langeweile glücksogleich, gehorcht ihm und läßt sich langsam unter uns niclich entgangen. Nur in der Mittagszeit war es oft schwer, der, bis sein Körper den Boden berührt und wir mit wahrem den frohen Muth zu bewahren und das Reisen auch dann Bergnügen aus dem Sattel steigen. eine Lust zu nennen. Vielleicht interessirt es den Leser, zu erfahren, wie solch' ein Wandertag in der Wüste vom Morgen bis zum Abend verrinnt, und so möge er es denn auch erfahren! Manchmal wird die Einförmigkeit der Wanderung durch Araber unterbrochen, welche uns entgegenkommen. Ihr Ziel pflegt Suez oder Kairo zu sein. Dann giebt es einen kleinen Halt, und die Leute schwatzen ein wenig mit ihren Ter Erdboden unter uns bleibt sich überall gleich, und Stammesgenossen. Bisweilen stoßen wir auch aus ein kleiso kann man nichts Besteres thun, als die Augen zum Himmel, in der physischen Bedeutung des Wortes, zu erheben. nes Beduinenlager. Es besteht in ein paar dunkelfarbigen, schwarz und braun gestreiften Zelten. Der Stoff, welchen Man blickt zur Sonne hinaus, denn sie ist unser Zeitmesser sie zum Ausbau dieser leicht beweglichen Wohnungen ver-

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