Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1883)
- Date
- 1883-10-15
- Page
- Seite 682 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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682 nähme in einem höheren Grade erweckt. Wir wandern hier zuerst durch das alte Philistea, ehemals von einem kriegerischen Stamme bewohnt, der unseren Vätern so viel zu schassen machte, den von den Grenzen Judäas abzuwehren so vieles Blut Israel kostete. Wir besuchen die Stätten und kargen Ueberreste jener Städte, welche die Philister stark gemacht hatten: Ekron und Gath, Asdod und Askalon und Gaza. Bon hier aus treten wir wieder in das eigentliche Gebiet Israels, in das südliche Judäa ein und gelangen nach Hebron, welchem in Wort wie in Bild eine ausgedehnte Aufmerksamkeit zugewandt ist. Das todte Meer, die Umgebung von Enjedie, die Fellachen Südpalästinas, diese Ueberreste alter cananitischer Bevölkerung fesseln unfern Blick und dann scheiden wir vom Südland von Juda und überschreiten die Grenze der Wüste. Hier ist es zunächst das Land Edom mit den gewaltigen Felsenruinen von Petra, das uns empfängt und von wo aus wir zum Golf von Akaba gelangen. Die Herausgeber des Werkes geleiten uns nun von Suez nach dem Sinai, lassen uns die „Wüstenwanderung" bestehen und geben uns Aufschluß über die Naturbeschassenheit des peträischen Arabien. Die Oertlichkeiten, an die sich der Name Moses knüpft, beschließen die 45. Lieferung. Wir werden aus diesem reichen Material einige interessante Stücke in den nächsten Nummern unseres Feuilletons bringen. — Deutschland. Berlin, 5. Oktober. (Privatmittheilung.) Es wird diesmal den Agitatoren der Kampf um die Stadtverordnetenwahlen sehr schwer gemacht, indem der Wahltermin frühzeitig öffentlich angezeigt und doch auf eine verhältnißmäßig späte Zeit anberaumt ist. Wir haben deshalb bereits eine genauere Schilderung der diesmaligen Parteien geben können. Bemerkenswerth ist dabei, wie außer Stöcker alle früheren antisemitischen Agitatoren von der Bühne verschwunden sind. Kein Henrici, kein Förster, kein v. Liebermann und wie sie alle hießen, kommt jetzt noch zum Borschein. Noch ein anderer wüthiger Antisemit tritt ab, der in Versammlungen, namentlich auch theologischen, die Schmähungen auf Judenthum und Juden in einer bis an die Grenzlinie des Wahnwitzes reichenden Weise häufte. Es heißt darüber in den hiesigen Blättern: „Pastor de le Roi, der bisherige Prediger der hiesigen Judenmissionsgesellschaft, nahm gestern Abend in der Kapelle des Domkandidatenstifts von seiner Missionsgemeinde in feierlichem Gottesdienste Abschied. Er scheidet jetzt aus seinem Amte, weil die Gesellschaft mit seinem Auftreten in öffentlichen Volksversammlungen nicht glaubt einverstanden sein zu können, er selbst aber sich durch das Verbot der Wirksamkeit nach dieser Richtung hin in seinen Pflichten beschränkt fühlt. Pastor de le Roi wird aus dem Dienste der Mission austreten und eine Psarrstelle in Fürstenberg a. O. übernehmen." Nun, Herr de le Roi mag in Fürstenberg a. O. sei es auf der Kanzel, sei es in Volksversammlungen und den für diese bestimmten Kneipen sein antisemitisches Müthchen kühlen; niemand wird ihn darin stören. — Statt dieser früheren Genossen Stöckers sind es jetzt Prof. Adolph Wagner und ein gewisser Dr. Jrmer, welche dem Herrn Hofprediger Heeressolge leisten. Man sieht, der Name Wagner ist für den Antisemitismus ominös, denn der Geheime Justizrath Wagener war der Vorläufer, Richard Wagner der Vater und Prof. A. Wagner ist der Nachzügler des Antisemitismus. Dr. Jrmer besucht sehr gern die Versammlungen der Arbeiterpartei, um diese möglichst zu der conservativ - antisemitischen „Bürgerpartei" hinüberzuziehen. Er fällt aber jedesmal hiermit ab. So auch in einer Wähler-Versammlung am 1. Oktober, in welcher die Arbeiterpartei den Juden Paul Singer als ihren Candidaten designirte. Aufgefordert vom Vorsitzenden hielt Dr. Inner eine Rede, in welcher er unter Anderem sagte: „Sie machen uns ferner den Borwurf, daß wir religiöse Klassengegensätze zu schaffen versuchen. (Unruhe. Rufe: Stöcker!) Während der Unterbrechung ruft Redner: Wir werden Sie nicht überzeugen und Sie uns auch nicht. (Rufe: Wir doch!) Sie halten sich an Theorien, wir an Praxis. Es handelt sich eben darum, wie man religiöse Dogmen auffaßt. Es hat zu vielen Unzuträglichkeiten geführt, daß die Juden die Uebermacht haben. Wenn wir einen Boden finden könnten, um unter gegenseitiger Achtung des Gegners kämpfen zu können, dann würde schon viel erreicht sein. Ich habe niemals einen Gegner persönlich angegriffen und ohne Beweis auch keine politische Partei (Rufe: Stöcker). Dr. Jrmer: Ich heiße nicht Stöcker, sondern Jrmer. Wenn uns Straßmann eine Cloake und Loewe Gaukler nennt, dann müssen doch alle ehrlichen Menschen anerkennen, daß nicht wir die Hetzer sind, (verstärkte Zurufe: Stöcker!) Wenn Sie dazu beitragen könnten, die Kluft, welche uns trennt, zu verringern, so würde uns das angenehm sein." Herr Görcki entgegnet, daß die Arbeiter es Niemandem verwehren können, Sympathie für ihr Programm zu hegen. Jedenfalls könne Herr Dr. Jrmer das Bewußtsein mit nach Hause nehmen, daß di e Arbeiter die Gegner nicht nur einladen, sondern auch sprechen lassen. Solche Scenen, wie im „Sanssouci", kämen in Arbeiterversammlungen nicht vor. Er sei kein Freund Loewe's,