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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-10-09 · Heft 41 (9.10.1883) · p. Seite 673

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 41 (9.10.1883)
Date
1883-10-09
Page
Seite 673 (sequence 15)
Language
German
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673 werthen trachteten. Schullehrer und Theologen waren es jetzt vorzugsweise, welche mit Schauspielen biblischen Stoffes die Schuljugend und das Volk sür die Sache der Reformation zu begeistern und die Bekämpfung des Papstthums zu fördern suchten. Unter den Schauspieldichtungen des Hans Sachs, der ja außerdem alle Stoffe der Mythe, der alten Geschichte, der mittelalterlichen Sage und der italienischen Novellenliteratur behandelte, ganz abgesehen von seinen etwa siebenzig Fastnachtsspielen, zähle ich allein gegen vierzig Schauspiele nach Stoffen aus dem alten Testament. Die meisten von den anderen zahlreichen Dichtern, welche jetzt die Schaubühne ver» sorgten, beschränkten sich in ihren Darstellungen fast ausschließlich auf die Stoffe des alten Testamentes. So wurde denn auch nach Luther's Bibelübersetzung das Alte Testament die eigentliche und unerschöpfliche Quelle, aus welcher von Jahr zu Jahr in gesteigertem Maße alle deutschen Lande mit Schauspieldichtungen überschwemmt wurden. Indem ich von diesen Schauspielen hier eine Uebersicht gebe, nach den Stoffen geordnet, soll daraus vor Allem erkannt werden, welche Stoffe des alten Testamentes die größte Popularität genossen und am häustgsten behandelt wurden. Bon Wichtigkeit ist cs dabei, zu constatiren, daß es ein sogenanntes „Buch-Drama", das nur bestimmt war, gelesen zu werden, noch nicht gab. Fast alle Stücke des 16. Jahrhunderts, die ich kenne, und bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts, sind nachweislich aufgeführt worden und wurden erst nach den erfolgten Aufführungen durch den Druck weiter verbreitet. Tie Ausführungen geschahen allerdings nur in Schulen (die lateinischen Stücke auf Universitäten) oderauf öffentlichem Markte durch Handwerker oder „ehrsame Bürger". Und sowie cs noch keine eigentliche Schauspielkunst und keinen Schauspielerstand gab, so hatten auch die meisten Verfasser dieser Tendenzstücke noch keine Ahnung von dramatischem Bau und von dramatischer Charakteristik. Die gelehrteren Dichter suchten allerdings von den alten Classikern zu profitiren, aber man brachte es doch, mit ein paar vereinzelten Ausnahmen, darin nicht weiter, als zur Nachahmung von Äußerlichkeiten. Bon der Geschichte Daniel's, seiner Auflehnung gegen den Götzen Baal und seiner Errettung aus der Löwengrube, sind mir vier Schauspiele aus dem 16. Jahrhundert bekannt. Das erste ist von Sixt Birck (auch unter dem latinisirten! Namen Xystus Betulejus oder Betulius), einem aus Augsj bürg gebürtiger Schullehrer, der seine Thätigkeit für's Schau- ' spiel in Basel begann, dann aber, nach Augsburg zurückgekehrt,! sie in Augsburg eifrig fortsetzte, nnd seine Stücke dort von seinen j Schülern öffentlich aufführen ließ. Sein Schauspiel Daniel erschien zuerst 1535 unter dem Titel: „Eine herrliche Tragödie wider die Abgötterei aus dem Propheten Daniel" u. s. w. und wurde in Basel „durch eine junge Bürgerschaft" öffentlich gespielt. Ihm folgte mit dem nämlichen Stoffe 1544 der sächsische Dichter Johann Chriseus, deffen Stück den Titel „Hofteufel" führt, weil hier der Teufel als der böse Rathgeber und Leiter der Jntrigue figurirt. Eine dritte Dramatisirung des Daniel wurde in dem folgenden Jahre in Freiburg in der Schweiz aufgeführt und war auf zwei Tage eingerichtet. Auch uuter den Hans Sachse'schen Stücken biblischen Stoffes befindet sich ein Daniel. Die Geschichte von „Jsaac und Rebecca" kenne ich in sieben Dramatisirungen: Von Hans Tirols, aus dem Thüringischen Kahla (1539), von Peter Prätorius (Wittenberg 1559), von Brunner in Steiermark, Georg Pondo in Berlin, Calagius in Liegnitz, Schön in Freistadt, und endlich von dem hochberühmten lateinischen Dichter Schwabens Nicodemus Frischlin. Die Schauspiele Frischlin's waren von ihm sämmtlich, mit Ausnahme eines einzigen, lateinisch geschrieben, und sowohl in Tübingen wie am Stuttgarter Hofe und in Straßburg aufgeführt. Aber sein Bruder Jacob, Schullehrer in Waiblingen, hat die meisten auch in deuffche Verse gebracht! und ließ sie an seinem Wohnort von den Schülern aufführen.! (Schluß folgt.) Anzeigen. Ty» opyowerden mit 20 Ff. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet and müssen für die nächst* UlPd wC folgende Wochennnmmer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Expedition von Rudolf Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin etc. zu adressiren. Isr. Töchler-Pensionat von Frau Agathe Reith. Gute Referenden, vorzügliche Schulen in der Nähe, gewissenhafte Pflege, fl!. 14070] _Berlin, Krausevilk-Sir. 0 parterre. Zur höheren Ausbildung finden Israelitische junge Mädchen — auch schulpflichtige Kinder — freundliche Aufnahme in dem Pensionate der (6. 12493] Frau Alma Silber manu, geprüfte Lehrerin, Berlin, Neue Schönhauserstraße 2. Pensionat und höhere Töchterschule von Geschw. Soberuheim, Bingen a. Rh. Beste Referenzen. Mäßige Bedingungen. Eintritt kann jederzeit stattfinden. [F. 11195]! Handels-Institut und Pensionat! 1. Ranges in Brüssel (Belgien), gegründet im Jahre 1863, 168—170 Chaussee d’Etterbeck, dem Park Leopold gegenüber, geleitet von Prof. L. Kahn. [11237]

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