Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-10-09 · Heft 41 (9.10.1883) · p. Seite 660

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 41 (9.10.1883)
Date
1883-10-09
Page
Seite 660 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227489--41169-3309621
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

-',60 Getriebe der materiellen Interessen, des Erwerbes, des Ge- Verlangen nach religiöser Belehrung und Befriedigung wieder uusses die religiöse Ueberzeugung fast ganz hinweggeschwemmt, j vorhanden. Der gegenwärtige Jude hat keine irgend welche Eie ist ihnen gleichgiltig geworden; sie legen keinen Werth Entschuldigung für sich. Seine individuelle Freiheit ist unmehr auf sie; sie halten sie nicht mehr für das wichtigste,! beschränkt, sein Gottesdienst ist geläutert und erhebend, seine heiligste, ideellste Element des Lebens, und so sehen sie Bibel ist ihm in Text und Uebertragung in wünschenswergleichgiltig dem Schwinden derselben in sich, aus ihrer Familie/thester Weise in die Hand gegeben, eine reiche jüdische Liteans ihren Kindern zu. Es giebt so Vieles, was sie interesstrt i ratur kann sein philosophisches Denken, sein Verlangen nach und zerstreut, daß sie kein Bedürfniß nach religiösen An-! geschichtlicher Kenntniß, Phantasie und Herz befriedigen, schauungcn, nach der Beschäftigung des Geistes mit ihnen, Mehr als je gilt für ihn das Prophetenwort: „Suchet den empfinden, und dieser aus dem Wege gehen, oder wenn es Ewigen, da er zu finden, rufet ihn, da er nahe ist!" (Jesich bei seltenen Gelegenheiten nicht thun läßt, sich derselben so schnell wie möglich wieder entziehen. Noch einen anderen Theil giebt cs, in welchen der Geist des Unglaubens, des Materialismus, des beschränkten Hangens am Sinnlichwahrnehmbaren , wie er sich in unserer Zeit herausgebildet und verbreitet hat, eingedrungen ist und sie jeder religiösen Uebersajas 55, 6.) Für die Opfer in Tißa-Eßlar. Unsere Sammlung betrug bis jetzt M. 304,35, und haben wir diese nach Pest gesandt, wo sie gegen Quittung zengung nicht bloß fremd, sondern sogar feindlich gesinnt! zur Vertheilung kommen. Einer der zuverlässigsten Männer macht. Sie rühmen sich dessen als einer Freiheit des Geistes, j oon ^Seft schreibt uns: .,Den Opfern des Tißa-Eßlarer Prosie sind stolz, die Meinungen und Gefühle ihrer Väter, ihrer > zesses ist ein schlimmes Loos bereitet. Es ist ihnen das Vorvordern, einer viertausendjährigen Geschichte abgeschüttclt! nicht geworden, was sie verdienten. Die Paar Hundert zu haben, und wundern sich täglich, daß die große Mehrheit Gulden, die sie erhielten, waren von ihren Familien schon der Menschen nach dieser ihrer Freiheit kein Verlangen hat lim Voraus aufgezehrt, und die meisten von ihnen find in und sie von sich stößt. Nun wollen wir nicht sagen, daß! Elend. Erst dieser Tage war einer von ihnen bei mir und diese Religionslosigkeit bei den Juden mehr Platz gegriffen habe, als bei den übrigen Zeitgenossen. Wer die Thatsachen unbefangen prüft, wird sich oft genug vom Gegentheil überzeugt finden. Wenn uns eine nicht geringe Zahl von Personen und Fällen aufstößt, die für den angcwachsenen religiöser: Jndiffcrentismus zeugen, so begegnen uns doch wiederum zapllose und merkwürdige Thatsachen, welche die Glaubenstreuc und Opferwilligkeit der Juden noch heute beweisen, theils in Werken des Friedens, im Aufbau cultueller und wohlthätigcr Werke, in der Ueberwindung vielfältiger Verlockungen, thcils wie sie den Stürmen widerstehen, welche Voruriheil und Haß immer von Neuem gegen sie erheben und answühlen. Za, sie beweisen dann immer wieder: „Glaubet und Ihr bleibet!" Denn cs ist mit den Menschen so: in den Tiefen der Seele schlummert die religiöse Ueberzcugung und Kraft selbst in denen, welche im Gleichmaß der Tage für dieselbe abgestorben scheinen. Sie schlummert und erwacht wieder, wenn die Gelegenheit kommt, wenn der Anprall der Wellen auf sie stürmt. Fragt man aber nun: wie gelangen wir wieder zu einer festen religiösen Ueberzeugung? so lautet die einfache Antwort: wollet cs, und ihr könnt es. Wenn nur erst wieder die Ansicht in Euch gellend geworden, daß der Einzelne wie die Gesammthcit halllos und das ganze Leben gehaltlos ist ohne den religiösen Aufschwung des Geistes, ohne das tiefsinnige religiöse Empfinden, ohne den unerschütterlichen Gottglauben — dann ist das religiöse Bedürfniß wieder geweckt, und das klagte über seine Noth; es war einer, der vor dem Prozesse in guten Umständen war." Diese wenigen Worte genügen. Wir nehmen auch fernerhin Beiträge entgegen. Die Redaction. Eine Lun-gebung -er Ungarn in Amerika. Eleveland, 2. September. Mehrere amerikanisch-ungarische Vereine haben folgende Kundgebung veröffentlicht: „Tie Unterzeichneten ungarischen Vereine in Cleveland, Ohio, Vereinigte Staaten, Nordamerika, erachten es als ihre schmerzliche Pflicht und Schuldigkeit, angesichts der barbarischen Exceffe gegen Eigenthum und Leben der in Ungarn lebenden Juden, feierlichst und nachdrücklichst ihre Entrüstung, ihren Protest im Namen der Civilisation und Aufklärung unseres dem Ende zueilenden Jahrhunderts vor aller Welt auszudrücken. In Erwägung, daß wir durch die Presse und das Kabel hinreichend unterrichtet worden sind über alle jene traurigen Vorkommnisse und Excesse in der Hcimath, welche sozusagen an die finstersten Zeiten des mittelalterlichen Fanatismus erinnern; in Erwägung, daß wir, wenn auch in Glaubenssachcn vollständig unabhängig, doch unser Mitgefühl mit den in Ungarn lebenden und leidenden Juden unmöglich verbergen oder unterdrücken können oder wollen;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.