Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-09-18 · Heft 38 (18.9.1883) · p. Seite 614

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 38 (18.9.1883)
Date
1883-09-18
Page
Seite 614 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227486--41120-3309569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

614 für immer eingetreten glaubte. Aus dieser Sicherheit sind i In der unmittelbaren Nähe Tapolczas, dessen antisemitische wir erwacht. Aber um so mehr muffen wir unsere Kräfte, j Petition im Frühjahre die Veranlassung zu den heftigen Deden Kampf vollends zu bestehen, sammeln und stählen, und > batten im Abgeordnetenhause war, liegt Badacsony, wo ein desto lebhafter muß in uns die Zuversicht leben, daß Wahrj Ball znm Besten der Frau Solymossi vorbereitet wird, und heit und Recht den Sieg erlangen — ja, je niedriger und an dem Arrangement dieser antisemitischen Demonstration beschändlicher unsere Gegner verfahren, zu je schmachvolleren theiligen sich, wie Wiener Blätter melden, die Damen der und verbrecherischeren Mitteln sie greifen, je mehr sie sich als Feinde von Gesetz und Ordnung offenbaren, je mehr sie der 'Anarchie und socialistischen Revolution Vorarbeiten, desto sicherer können wir sein, daß solche Zustände ihr Ende erreichen müffen und daß die Regierungen und die Gesellschaftsorgane gezwungen werden, unsere Gegner niederzuschlagen. Die Erceffe in Ungarn. ii. Pest, 2. September. Trotz Standrcchtes und militärischer Macht will es in den aufrührerischen Komitaten nicht ruhig werden. Zu Raub und Mord hat sich nun die Brandstiftung gesellt. Der Schrecken zieht sich von Ort zu Ort und erstreckt sich bereits über mehrere Komitate. Die Meuterer von Söjtör haben Wort gehalten: am 30. v. M. gegen Mitternacht erschien eine aus mehr als 400 Mann bestehende Bande und plünderte Alles was jüdisches Eigenthum. Die Unholde verwüsteten Alles, was zum Forttragen unbequem war. Sämmtliche zwanzig jüdische Familien Söjtörs haben sich geflüchtet. Hier und in mehreren Orten zündeten die antisemitischen Wühler die Judenhäuser an; in Szepetk, wo maffenhaft Getreide verbrannt wurde, sind die Juden dem Feuertode nur mühsam entronnen. Die Gemeinde Bezered ist total niedergebrannt. Der in Szilvagy wohnende Jude wurde am Hellen lichten Tage ausgeplündert; der Ortsrichter, der dazwischen trat, wurde niedergeschlagen. In Szent Peter haben vorgestern Nachts Bauern den jüdischen Kaufmann Müller, Vater von sechs Kindern, total Familie des Herrn Justizminister Pauler, deffen Gattin, Tochter, Schwiegervater und Schwiegertochter? Kann es da Wunder nehmen, daß die Agitation in allen Theilen des Gebietes der Stephanskrone, selbst in Kroatien und Slavonien eifrig uud geradezu mit Verschwendung von Geldmitteln betrieben wird? Aus Kroatien zurückgekehrte Geschäftsreisende brachten von dort antisemitische Preßerzeugniffe in großer Anzahl, welche ihnen von dortigen Committenten eingehändigt worden. Diese Preßerzeugniffe in ungarisch-deutscher Sprache kamen ausnahmslos aus Ungarn. Aus Neugradiska wird gemeldet: In unserem sonst so friedlichen Orte nimmt die Gährung einen bedenklichen Charakter an, da von jenseits der Drau kommende antisemitische Hetzer an der Arbeit sind, um eine Judenhetze zu arrangiren. Bei der Wachsamkeit der Behörden dürfte ihnen jedoch das nicht gelingen, obwohl sich bedenkliche Merkmale dieser Bewegung bereits gezeigt haben. In Es sek haben einige ungarische Gesellen am Tempel einige Fensterscheiben eingeschlagen. Es giebt dort schon seit längerer Zeit eine kleine antisemitische Partei, dieselbe rekrutirt sich jedoch bis auf einige belanglose Individuen lediglich aus Nichteingeborenen. Aus Groß-Kanizsa wird dem „P.Lloyd" vom 31. v. M. geschrieben: Aus allen umliegenden Dörfern flüchten die jüdischen Bewohner und auch christliche Grundbesitzer schaarenweise hierher; die Gährung auf dem flachen Lande ist andauernd und hat die Verkündigung des Standrechtes auf den nichts zu verlierenden Pöbel keinen sichtlichen Eindruck gemacht; die Bauern werden von Agitatoren, die sich aus Handwerksgehilfen und besitzlosen Dorflumpen rekrntiren, in furchtbarer Weise terrorisirt, die bester situirten Bauern kommen schaarenweise hierher und klagen, daß man ihnen droht, falls ausgeraubt und dann in gräßlicher Weise ermordet. In sie sich den Plünderern nicht anschlicßen, den rothen Hahn Zala-Kopany wurden sämmtliche Juden ausgeraubt; Militär ist dahin abgegangen. In Iglo und Käs mark waren vorgestern antisemitische Tumulte, welche sich im Fenstereinschlagen manifcftirten. Das unterwegs befindliche Militär aus Balaffa - Gyarmat erhielt Contreordre, weil auch dort die Aufregung eine sehr große ist und die Bande öffentlich droht, daß es bald losgehen werde. Nach Losoncz und Neusohl ist Militär dirigirt, da sich in beiden Orten beunruhigende Symptome zeigten. Aus Sümeg, Fürje, Praga, Szanto und anderen Orten langen alarmirende Berichte an. Nach Tapolcza wurde Militär dirigirt; dort aufs Dach zu setzen. Der Handel stockt hier gänzlich; der heutige Gctrcide-Wochenmarkt war nahezu gar nicht befahren, denn die Juden kaufen vorderhand nichts und die hiesige Filiale der Oestcrreichisch - Ungarischen Bank verweigert die Escomptirung von Zala-Egerßeger Rimessen. Die unthätige und lässige Haltung der leitenden Persönlichkeiten der Kanizsaer Judengemeinde, eine der intelligentesten und größten Ungarns, begegnet vielfachem Tadel, auch wird gegen die leitenden Persönlichkeiten der christlichen Intelligenz der Vorwurf der Unthätigkeit erhoben. Nicht tröstlicher ist ein Schreiben aus Keßthely, dasist der eigentliche Herd der das Land überziehenden Agitation, j selbe lautet: Die Verhältnisse hier sind geradezu unertäglich.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.