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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-09-04 · Heft 36 (4.9.1883) · p. Seite 591

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 36 (4.9.1883)
Date
1883-09-04
Page
Seite 591 (sequence 13)
Language
German
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591 nehmen wir zur Vervollständigung noch eine Stelle, welche eine bemerkenswerthe Parallele zwischen den Aussagen des falschen Zeugen Moritz Scharf und jener falschen Zeugin Marie Therese Gueret erkennen läßt. Ein seltsamer Zufall will es, daß diese beiden Kinder ganz genau dasselbe Alter von 13 Jahren und 9 Monaten hatten, als sie ihre Aussagen abgaben. (Aus den gerichtlichen Feststellungen ergab sich, daß Moritz Scharf im August 186:5 geboren war; die Esther Solymossi verschwand im April 1882.) „Am 19. Nonoch jemand anders gesehen, den sie aber nicht gekannt, welcher dem auf der Erde liegenden Menschen Fußtritte gegeben. Die Frau Philipps habe an der Seite dieses Unbekannten auf den Knieen gesessen, in der rechten Hand eine kupferne Lampe gehalten und den auf der Erde liegenden Menschen betrachtet, der nicht das geringste Zeichen mehr von sich gegeben und dessen Gesicht ganz voller Blut gewesen sei. Einige Minuten nachher habe der alte Philipps gesagt: Fort, fort! Nun sei die Frau Philipps aufgestanden, und vember 1808", so heißt es in dem angeführten Buche, „ge-! auch sie, die Angeberin, sei ganz zitternd, sodaß sie kaum schieht nun die hier, bloß mit Auslassung der gewöhnlichen Formalien, wörtlich folgende Anzeige von den Guerets bei der hiesigen Polizei: Der Douanier Jean Baptist Gueret, begleitet von seiner Frau Marie Jeanne Depiereux, seiner Tochter Marie Therese und der Näherin Barbara Kurth, gehen zu den Polizeicommissarien der dritten und vierten Section der Stadt Köln, den Herren Orban und Schöning, welchen Gueret erklärt, daß er's für seine Pflicht halte, ihnen anzuzeigen, daß Abends am 10. November, da er den Posten bei der Trankgasse gehabt, ein Meuchelmord im Hause des Schlächters Philipps einen Schritt thun können, zurückgegangen. Nachdem sie sich in ihre Kammer eingeschlossen, habe sie augenblicklich gehört, daß einer nach der Hinterthür gegangen, worauf sie einen Stuhl ans Fenster gesetzt, um zu sehen, wer hinausgingc; und da habe sie einen Unbekannten, mit einem Sack auf dem Rücken, hinausgehen sehen, dem der alte Philipps, mit einer kupfernen Lampe in der Hand, gefolgt sei, welcher die Thür geöffnet und den Unbekannten mit dem Sack hinausgelassen habe, worauf er wieder hineingegangen sei, und sie habe nachher nichts weiter gehört. Am folgenden Morgen sei der alte Philipps in ihre Kammer gekommen und habe sie gein der Salzgasse, bei welchem er damals gewohnt, an der fragt: ob sie gut geschlafen habe, welches sie mit Ja beaut- Person eines Unbekannten verübt worden, worüber seine Frau,! »ortet, worauf er weiter gefragt, ob sie in der Nacht nichts seine Tochter und die Näherin Barbara Kurth nähere Aufklärung geben könnten. Bon diesen erzählte nun die Tochter des Gueret, Marie Therese, 13 Jahre und 9 Monate alt: Sie sei am 10. November, Abends um 7 Uhr, allein auf ihrer Kammer, ihre Mutter nach Neuß verreiset und ihr Bater am Rhein im Dienst gewesen, da sei die Frau Philipps vor ihre Kammergesehen oder gehört habe und ob ihre Mutter oder ihr Bater nicht wiedergekommen wären, worauf sie mit Nein geantwortet habe. Er sei nun mit den Worten weggegangen: So ist's gut! Am dritten Tage nachher habe Philipps dieselben Fragen an sie gethan, und sie habe ihm wieder geantwortet, daß sie weder etwas gesehen noch gehört habe. Die Angeberin fügte noch hinzu, daß sie ihrer Mutter, wie diese am Morgen zuthür gekommen, habe diese geöffnet, den Schlüssel abgezogen rückgekommen, gleich das alles erzählt habe; diese habe aber und mit den Worten auf den Tisch gelegt: Ihr sollt nicht gesagt, sie möchte sich wohl getäuscht haben, es könne eine mehr herausgehen. Sie hätte nicht gewußt, was das be-! Geiß oder ein Hammel sein, den man geschlachtet habe. Sie deuten solle, und sich hingesetzt, um in einem Buche zu lesen, habe aber ihrer Mutter geantwortet, eine Geiß oder ein sei auch kurz nachher zu Bett gegangen. Wie sie cinge- Hammel hätten doch keinen Menschenkopf? Ihre Mutter habe schlafen, sei sie plötzlich durch einen Schrei aufgeschreckt wor-: nun zu ihr gesagt, sie solle ihrem Vater nichts davon sagen." den. wovon sie nicht gewußt, was es wäre. Sie habe gleich Es folgen nun die Aussagen der übrigen angeblichen den Rock übergezogen und sei hinausgegangen, um zuzusehen,! Zeugen, welche eine Reihe bestätigender Umstände für die ob etwa ihre Mutter oder ihr Vater au die Thür geklopft Angaben der ersten Zeugin beibringen. habe. Bei der Oeffnung der Hinterthür habe sie niemand Eine weitere Parallele liegt in dem Verhalten der Staatsim Hofe gesehen, aber eine Helle, die aus dem Keller ge-! anwaltschaft in den beiden Eingangs genannten Prozessen kommen, bemerkt, und sie habe sich ganz leise nach dem Regensarg hin genähert, um zu sehen, was im Keller vorgehe. Sie habe sich mit dem Bauch auf die Erde gelegt und vor. Wie in Nyiregyhaza der Staatsanwalt seine Aufgabe nicht darin sah, ein Urtheil gegen die Angeklagten zu erwirken, sondern seine Thätigkeit mehr auf die Entlastung der an der Mauer einen Menschen gesehen, der mit auf dem seiner Ansicht nach fälschlich Bezichtigten richtete, so geschah Bauche zusammengebundenen Händen auf dem Rücken auf ein Gleiches in der Gerichtsverhandlung zu Aachen, wo der der Erde gelegen, sich noch etwas gerührt und Seufzer aus- Prozeß gegen Philipps geführt wurde: „Nach geendigtem gestoßen. Der alte Philipps habe sich an der rechten Seite Zeugenverhör" — so heißt es in der erwähnten Quelle — an eine Tonne gelehnt und in der linken Hand ein Messer „erhob sich der kaiserliche Generalprokurator und stellte in ganz voll Blut gehabt; und an der andern Seite habe sie einem lichtvollen Vortrage das der Familie Philipps ange

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