Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 36 (4.9.1883)
- Date
- 1883-09-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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"Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein nnvarttiischks Organ für alles jüdische Jutcrcffe. s Diese Zeitung erscheint wöchentlich. I Preis vierteljährig 3 Marl. Abounei ment in Deutschland (Postzeitungsliste 9fr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in Bonn. KZepeöiLiorr: Leipzig, Woßpkcth 18. In redartionellen Angelegenheiten I wende man sich an Dr. L. Philippson in! Bonn direct, in allen übrigen an die BerlagShandlung. Beilagen (Gebühr > 12 M.) sind gleichfalls an letztere ein- I zusenden.! 47. Jahrguug. Leipzig, den 4. September 1883. ^ö. 36. Inhalt. Leitende Artikel: Für die Opfer von Tißa-Eßlar. — Zur Frage der Colonisation. II. — Ludwig Kossuth über die anti' semitische Agitation. — Zeituugsuachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn, Posen. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Nyiregyhaza. Prag. Kaschau, Tirnau. — Großbritannien, London. — Rußland: Petersburg, Jekaterinoslow. — Cypern. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Pest: Literarische Notizen. — London: Literarische Notizen. — Feuilleton: Ein Seitenstück zum Tißa-Eßlarer Proccß. HeiiC'nc'e CUfißct. Bonn, 29. August. Für die Opfer von Tißa-Eßlar. P. in B., M. 16. — D. Meyer's Söhne in Suhl, M. 15. — W. Löwenstein in Lübbecke i. W., M. 6. — Ungenannter in Nienburg a. d. Weser, M. 20. — Vogelschweger in Gernsbach, M. 10. — M. P. Fanchan in Abertillery (England), 1 L. St. -- M. 20,35. — M. Fine in Maesteg (England) 10 Sh. 10 M. Zusammen: M. 97,35. Nachdem die Freisprechung jener, von der antisemitischen Bande angeklagten und verfolgten jüdischen Männer feierlich erfolgt ist, müssen wir uns fragen, wie sind die unglücklichen Opfer eines fanatischen Haffes und einer mittelalterlichen Untersuchung für ihre schweren Leiden und Verluste zu entschädigen? Fünfzehn Monate haben sie im Kerker geschmachtet, Entbehrungen und Mißhandlungen aller Art haben sie ertragen , Schmach und Beschimpfung find auf sie gehäuft worden, ihr Gewerbe ist ihnen verloren gegangen, dem Einen hat man sein Häuschen zerstört nnd seine Mobilien weggeschleppt, den Tempel der kleinen Gemeinde hat man zertrümmert, ihre Heiligthümer zerriffen und umhergestreut — wer giebt ihnen Ersatz? wer Entschädigung? wer baut ihnen ihre vernichtete Existenz wieder auf . . . Niemand anders vermag dies, als die Sympathie und die Wohlthätigkcit derer, die an solchem Geschicke einen warmen Antheil nehmen und die Verpflichtung fühlen, ein Scherflein zu spenden, um diese tiefgebeugten Menschen wieder aufzurichten. Wir erklären uns bereit, Gaben für diese unglücklichen Opfer entgegenzunehmen, darüber in dieser Zeitung zu quittiren, und den Ertrag derselben auf dem sichersten Wege an ihre Bestimmung zu fördern. Wir halten es für überflüssig, noch ein Wort der Empfehlung hinzuzusügen. Die Redaktion. Jur Frage der Colonisation. ii. Wir haben bereits mehrere Berichte aus der Colonie „Bethlehem Inda" in Dakota mitgetheilt, aus welchen der günstige Aussichten eröffnende Zustand dieser Colonie hervorgeht. Der Leiter derselben, Herr Sakolovsky, sandte uns einen ausführlichen Artikel „Colonisation der Juden", ein Blatt aus der Geschichte des Judenthums, aus welchem wir jedoch nur die wichtigeren und besonders interessirenden Stellen wiedergeben werden. Der Berfaffer desselben klagt zunächst darüber, daß die Hilfscomitvs unter den „russischen Flüchtlingen" keinen Unterschied gemacht, sie vielmehr als gleichartige „Hilfsbedürftige" betrachteten und behandelten. Und doch seien unter denselben sehr verschiedenartige Elemente vorhanden gewesen, die, beachtet, zu ganz anderen Zielen geführt werden konnten. Es haben sich unter ihnen nicht bloß solche befunden, welche vor dem Schrecken und der Plünderung über die Grenzen geflohen, sondern auch ein überaus tüchtiger Theil der russisch-jüdischen Jugend, der mit vollem Bewußtsein und für eine bestimmte Idee begeistert, nämlich für die der Colonisation, Rußland verlassen habe. 36