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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-08-14 · Heft 33 (14.8.1883) · p. Seite 528

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 33 (14.8.1883)
Date
1883-08-14
Page
Seite 528 (sequence 2)
Language
German
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528 geschasst; noch besaß sie im Staats- und Volksleben Kraft! allem Phrasenreichtbum, nicht wenig aber auch um die und Macht genug, um sich immer wieder geltend zu machen;! Macht gewisser Volksschichten nicht anzutasten, vernachlässigt noch war der Geist des Rechtes und der Humanität nicht j worden ist. Solche Vorgänge. wie dieser Prozeß sie aufdurch alle Schichten des Volkes gedrungen und Borurtheil gewiesen, dürften nicht wieder Vorkommen, wenn die Magyaren und Haß, wie sie aus dem Mittelalter überliefert worden,; noch ferner in die Reihe der civilifirten Nationen gezählt nahinen noch einen weiten Spielraum in den Geistern ein, > sein und die Herrschaft über die andern Nationalitäten des denen sich dann so leicht noch andere, dem Menschenherzen Landes behalten wollen. Ob die Ungarn dies ausführen natürliche Leidenschaften hinzugesellen. So erhob der Antiwerden oder nicht, interessirt uns nur vom allgemeinen polisemitismus sein häßliches Haupt. Er ist ein Ausfluß und; tischen und sozialen Gesichtspunkte. Als Juden bewährte sich ein Diener der Reaktion, die immer nach Hebeln sucht, die uns hier abermals, was wir so oft schon ausgesprochen, daß sie in der Volksseele wirksam anzusetzen vermöchte. Dies; der jüdische Stamm oft zum Prüfstein für die Nationen, zum erweist sich schon dadurch, daß es überall die Reaktion ist, Experimentirfeld bestimmt ist, in wieweit die Kultur das welche die antisemitischen Wühlereien unter ihre Flügel nahm.; Rechtsbewußtsein und die Humanität in diesen Nationen ge- Es beweist sich aber auch durch die Kundgebungen des Anti-! diehen oder zurückgeblieben sind. Es gehört dies mit zu scmitismus, der nach den mittelalterlichsten Mitteln greift, um! seine Ziele zu erreichen. Seine literarischen Produkte holen! nicht blos aus der jüngsten Vergangenheit, sondern auch aus i dem Mittelalter ihre Waffen hervor und wären diese längst verrostet. Die Brutalität, welche der eigentliche Antisemitismus im Schilde führt, hat sich in Pommern und Preußen, iu Rußland, in Rumänien und im Preßburger Comitat echt mittelalterlich in nackter Häßlichkeit erprobt. Und endlich grub man die Blutbeschuldigung aus dem Staube heraus und suchte sie durch mittelalterliche Jnquisitionsweisen zu einem gerichtlichen Erkenntniß zu bringen. Alle diese Versuche, scheiterten sic auch in ihren Zielen, weckten doch in zahllosen Geistern die eben eingeschlummerte Antipathie; ihre lügenhaften Verleumdungen ließen doch immer etwas hängen und brachten verkehrte Anschauungen hervor; in allen Ländern fanden sie eine Anzahl Anhänger, die zum Theil sich aus den antisemitischen Bestrebungen ein Brod oder ein Stück Popularität zu erwerben hofften. Dies ist die Krise, welche die Juden in jüngster Zeit durchzumacheu hatten und haben. Aber auf unsrer Seite stehen die moderne Kultur, das Recht und die Wahrhaftigkeit, stehen die geistigen und materiellen Interessen der Gesellschaft, stehen die großen staatlichen Institutionen, die Grundgesetze der Staaten und ihre Verfassungen. Auch diese Krise wird vorübergehen und nach vielen Seiten bin Klärung und Sicherung bringen. Oie -Zchlußverhandlung im Tika-Lklarer proceß. VII. Tie Europäische Presse bat wiederholt und nachdrücklich | die ungarische Regierung und Volksvertretung aufgefordert, nach Beendigung des Tißa Eßlarer Prozesses die tiefgehenden und schmachvollen Schäden zu heilen, welche an's Licht getreten sind, und endlich an eine Reform des inneren Staatstvesens zu gehen, die vor allem Großmachtsschwindel und unsrem weltgeschichtlichen Berufe; wir sind hierbei die Opfer; aber die Geschichte des Menschengeschlechts fordert für die Entwickelung desselben mannichfaltige Opfer und sie müssen gebracht werden! Aus den, in unsrem Berichte noch zurückstehenden Verhandlungen bis zum Schluffe der Beweisaufnahme bildete i die Frage die wichtigste: ob Moriz Scharf zu vereidigen sei oder nicht? d. h. ob seiner Aussage irgend welche Glaubwürdigkeit. also irgend welche Beweiskraft für das zu treffende : Urtheil einwohne oder nicht? Da die Entscheidung hierüber : der eigentliche Brennpunkt der ganzen Schlußverhandlung ist, weil eben Moriz Scharf der einzige wirkliche Belastungszeuge ist, so müssen wir hier diesen Theil der Verhandlung wieder geben. Staatsanwalt Szeyffert: Das Alter des Moriz Scharf ist nicht mit voller Bestimmtheit konstatirt, doch ist es gewiß, daß er sein sechzehntes Lebensjahr noch nicht erreicht hat, ja laut Aussage der Zeugin Maria Buchta hat er selbst noch nicht das fünfzehnte Lebensjahr vollendet, sein Alter ist somit auf 14 Jahre anzusetzen. In Folge dessen kann ich mit Rücksicht auf den auch im Strafprozesse maßgebenden £ 191 der C.-P.-O. die Zulassung des Zeugen zum Eide nicht beantragen. Ich kann jedoch die Beeidigung des Moriz Scharf auch aus anderen Gründen nicht beantragen. Er hat hier Angesichts des Gerichtshofes nicht nur seinen Vater geschmäht, sondern auch seine Religion verleugnet und mit den Gebetrequisiten Spott getrieben, indem er eines derselben „einen Pferdestrang" nannte und hat damit zweifellose Beweise des vollständigen Mangels an sittlichem und religiösem Gefühle gegeben; dazu kommt noch, daß die Aussagen Moriz Scharf's gelegentlich der Lokalaugenscheinnahme in Eßlar bezüglich sehr wichtiger Umstände vollständig abweichen von den Depositionen, die er bezüglich des angeblich verübten Mordes hier, in diesem Saale, abgegeben. Ich bitte den | hohen Gerichtshof, von der Beeidigung des Moriz Scharf j Umgang zu nehmen.

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