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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-08-07 · Heft 32 (7.8.1883) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 32 (7.8.1883)
Date
1883-08-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iu-enlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. I Preis vierteljährig 3 Merk. Abonnei ment in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. SL) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. KzepeöiLiorr: Leipzig, Htoßpeah 18! In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. L. Philippson in 1 | Bonn direct, in allen übrigen an die! I Verlagshandlung. Beilagen (Gebühr > > l2M.) sind gleichfalls an letztere ein- I j zusenden.! 47. Jahrgang Leipzig, den 7. August 1883. Xo. 32. Inhalt. Leitende Artikel: Für die Opfer von Tißa-Eßlar. — Aus der russisch jüdischen Kolonie Bethlehem Judah. — Aus Ruß land. — Die Schlußverhandlung im Tißa-Eßlarer Proceß. Vl. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Bonn. Hamburg. Kassel. — Oesterreich-Ungarn: Prag. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: London. — Bulgarien: Sophia. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Der Carmel. GUti'ßef’. Bonn, 1. August. Für die Opfer von Tißa-Eßlar. In diesem Augenblicke ist das Uriheil des Gerichtshofes zu Nyiregyhaza noch nicht erftoffen. Aber daß derselbe dem Moriz Scharf, dem einzigen Belastungszeugen für die erdachte Mordgeschichte, die Vereidigung abgesprochen, ihn also als einen unglaubwürdigen Zeugen bezeichnet hat, genügt, um den Urtheilsspruch des Gerichtes voraussehen zu lassen. Im Uebrigen ist dieses Uriheil, diese Freisprechung der schuldlos Eingekerkerten und die Brandmarkung der ganzen antisemitischen Jntrigue bereits von dem Forum der ganzen civilisirten Welt ergangen. Der gordische Knoten, den Bosheit, Haß und Ränkesucht geschürzt hatten, ist nicht durch das Schwert zerscbnitlen, sondern durch die Oeffentlichkeit, die Wissenschaft, das staatliche Gewissen, vertreten durch den Staatsanwalt, und durch die ausdauernde und unisichtige Vertheidigung nach allen seinen dunkeln Fäden aufgelöst worden. So lange die Gerichtsverhandlungen währten, hielten wir zurück, um zuvor das gerichtliche Urtheil abzuwarten. Jetzt aber müssen wir uns fragen, wie sind die unglücklichen Opfer eines fanatischen Hasses und einer mittelalterlichen Untersuchung für ihre schweren Leiden und Verluste zu entschädigen? Fünfzehn Monate haben sie im Kerker geschmachtet. Entbehrungen und Mißhandlungen aller Art haben sie ertragen, Schmach und Beschimpfung sind auf sie gehäuft worden, ihr Gewerbe ist ihnen verloren gegangen, dem Einen hat man sein Häuschen zerstört und seine Mobilien weggeschleppt, den Tempel der kleinen Gemeinde hat man zertrümmert, ihre Heiligthümer zerrissen und umhergeftreut — wer giebt ihnen Ersatz? wer Entschädigung? wer baut ihnen ihre vernichtete Existenz wieder auf . . . Niemand anders vermag dies, als die Sympathie und die Wohlthätigkeit derer, die an solchem Geschicke einen warmen Antheil nehmen und die Verpflichtung fühlen, ein Scherflein zu spenden, um diese tiefgebeugten Menschen wieder auszurichten. Sicherlich wird sich in der Nähe des Unglücksplatzes ein Comitv aus vertrauenswürdigen Männern bilden, um diese Angelegenheit in die richtigen Wege zu leiten. Unterdeß erklären wir uns bereit. Gaben für diese unglücklichen Opfer entgegenzunehmen, darüber in dieser Zeitung zu quittiren, und den Ertrag derselben auf dem sichersten Wege an ihre Bestimmung zu fördern. Wir halten cs für überflüssig, noch ein Wort der Empfehlung hinzuzusügen. Die Redaktion. i! Aus -er russisch jüdischen Colonie Lethlehem-Iu-ah/> | Bethlehem-Judah, 16. Juni 1883. Nachdem wir Ihnen das Entstehen der Colonie „Bethlehem- Judah" mittheilten, erlauben wir uns jetzt Einiges über deren Entwickelung und Fortschritte zu berichten. Seit dem 10. April sind wir hauptsächlich mit dem Brechen des Landes *) Mount Vernou, Dakota. 32

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