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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-10-30 · Heft 130 (30.10.1838) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 130 (30.10.1838)
Date
1838-10-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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tt MlWmeme No. is«. Zeitung des Zudenthums. Ein lmpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse (Mit Kd'nigl. Sächsischer allergnädigfter Conceffion.) Leipzig, den 30. October 1838. Zeitungsnachrichten. Roeskilde, 9. Oktober. Nachdem sich unsere Standeversammlung in der fünften und sechsten Sitzung mit einer die Geschäftsordnung betreffenden Frage und andern untergeordneten Gegenständen beschäftigt hatte, trug der Deputate Drewsen in der siebenten Sitzung vom 2. Okt. einen Antrag vor, „daß den Bekennern des mosaischen Glaubens Wählbarkeit für die Ständeversammlungen zugestanden werde/' Zuerst stellte er seinen Antrag mit kurzen Worten als eine Forderung der Gerechtigkeit dar und fuhr dann fort: „Ebenso sehr sodert eine richtige Politik die Aussührung meines Vorschlags. Die Politik ist stets die beste, welche allen Staatsbürgern gleiches Recht und gleiche. Billigkeit widerfahren laßt, und nicht einen Theit derselben dadurch kränkt, daß sie diese als unwürdig bezeichnet, an den Landesangelegenheiten Theit zu nehmen, und ihnen gleichsam zurust: Ihr seid nur geduldet, ihr habt kein Recht, irgend etwas zu fodern; den Schandfleck, welcher aus den Zeiten der Finsterniß und der Barbarei her auf euch hastet, mögen wir nicht ganz abwaschen l Jede Regierung handelt politisch richtig, wenn sie die ganze Masse des Volks an sich bindet, indem sie Allen gleiches Recht verleiht: dann wird sie sich in den Tagen der Noch und der Gefahr nicht vergebens an sie wenden, dann glüht die Vaterlandsliebe in jedem Herzen, und mit diesem Verbündeten verrichten die Regierungen Wunderwerke. Indem unsere Versammlung auf die völlige Emancipation der dänischen Mosaiken anträgt, erfüllen wir, was wir als Bürger unfern Mitbürgern schuldig sind, ja was wir uns selbst schuldig sind, wenn wir für aufgeklärte, vorurtheilsfreie und tolerante. Männer gehalten werden wollen, und sollten unsere Bestrebungen ihr Ziel verfehlen, d. h. sollte die Regierung auf unsere Petition nicht eingehen, so muß uns Mit - und Nachwelt das Zeugniß geben, daß die Spannung zwischen den verschiedenen Religionsbekennern im dänischen Volke, welche daraus hervorgehen möchte, nicht von unserer Versammlung ausgegangen, sondern daß sie im Gegentheit Alles gethan hat, um alle Bürger zu dem gemeinsamen Ziele, dem Wohle des Vaterlandes, zu vereinigen. Das dänische Volk verlangt, und sicher mit Recht, zu den gebildetsten Völkern Europas gezählt zu werden. Der Beschluß, den wir in dieser Sache fassen, wird mächtig einwirken auf das Urtheit, welches das Ausland über unsere Eulturstufe fallen wird. Frankreich, Belgien, Holland und Hessen haben den Juden gleiche Bürgerrechte mit den Christen zugestanden. Wenn dies noch nicht in England geschehen ist, so ist das nicht die Schuld des Unterhauses, welches mit großer Majorität die Emancipation der Juden votirte, sondern es liegt am Oberhause, demselben, welches auf alle Weise strebte, die Emancipation der Katholiken abzuwehren. Das Unterhaus aber ist der Wiederhall des aufgeklärten Theils des englischen Volks; das englische Volk ist also für dieJudenemancipation. Auch Nordamerika gibt allen Bürgern gleiche Rechte, ohne die mindeste Rücksicht auf die Religion zu nehmen. Als Toussaint-Louverture den Negern von St.- Domingo eine Regierungsform gab, hieß es in der Constitution: „Jeder, von welcher Religion er auch sei, soll gleichen Zutritt zu jedem Amte, zu jedem Ehrenposten haben, denn kein anderer Vorzug soll hier gelten als der, den Tugend und Verdienst verleiht." Diesen von einem Neger proclamirten, von Negern angenommenen Grundsatz wird, hoffe ich, die Versammlung zu dem ihrigen machen, indem sie erklärt, den edeln und talentvollen Mosaiken willig in ihre Mitte aufzunehmen. Zwar vermuthe ich, daß man einwenden wird, es sei die französische Revolution, die in Europa in fast allen den genannten Ländern den Juden die Gleichberechtigung mit den Christen verschafft habe, und daß auf St.-Domingo eine Revolution zum selben Ziele führte; aber ich frage dagegen: ist es räthlich, bei den Nationen die Meinung zu wecken oder zu befestigen, daß nur durch die größte Geißel des Menschengeschlechtes, daß nur durch eine Revolution, die oft eine ganze Generation zu Grunde richtet, gleiche Menschen- und Bürgerrechte zu erlangen sind?" In diesem Geiste war der ganze ziemlich ausführliche Antrag abgefaßt. Der königliche Commissar Oersted äußerte darauf, es sei gewiß sammtlichen Mitgliedern der Versammlung bekannt, daß derselbe Antrag, trotz dem Eifer, mit welchem er von vielen Mitgliedern unterstützt worden, in der viborger Standeversammlung mit 29 Stimmen gegen 21 verworfen worden sei. In diesem Ausfälle der Sache scheine ein Grund zu liegen, weshalb diese Versammlung besser thäte, nicht auf den Antrag einzugehen, denn wenn dieselbe hier auch die Stimmenmehrheit erhielte, so wäre dennoch nicht zu erwarten, daß Se. Majestät gegen den Wunsch der jütischen Provinziatstände einer solchen Petition Folge geben und solchergestalt der viborger Versammlung eine Klasse von eventuellen Mitgliedern aufnöthigen würde, die sie nicht wünschten und die der Gesetzgeber selbst nach reiflicher Erwägung Grund gefunden hätte auszuschließen. Die Sache selbst betreffend, wollte er nur einige Bemerkungen machen. Um

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