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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-07-10 · Heft 28 (10.7.1883) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 28 (10.7.1883)
Date
1883-07-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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^Alkgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Lu-rvig Philippson in Bonn. GXpeöiLion: Leipzig, Woßptcrh 18 In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an Dr. 2. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlaashandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 47. Jahrgang. Leipzig, den 10. Juli 1883. JVfo. 28. Inhalt. Leitende Artikel: In den Angelegenheiten der russischen Juden. IV. — Die französische Presse über den Tißa-Eßlarer Proceß. — Die Schlußverhandlung im Tißa-Eßlarer Proceß. II. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin. Hechingen. Schmiedeberg. — Oesterreich-Ungarn: Prag, Pest, Essegg, Aus Galizien. — Schweiz: St. Gallen. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Vermischtes. £citc/nDc Bonn, 4. Juli. 3b dm Angelegenheiten -er russischen Juden. IV. Wenn in Rußland auf Fortschritte in Recht und Humanität wenig zu rechnen ist, so müssen wir aus die materiellen Interessen vertrauen, deren gebieterischen Forderungen auch der schlechteste Wille sich nicht ganz zu entziehen vermag. Auch in unserer Zeit herrschen noch Vorurtheile, welche die antike und die mittelalterliche Welt erfüllt hatten. Und was an Vorurtheil schon überwunden schien, das macht sich gegenwärtig mit vieler Unverschämtheit wieder geltend. So wird von großen Klassen, von Aristokraten der Geburt, des Standes und des Geistes, wie von breiteren, unteren Volksschichten der Handel, die Kausmannsschaft als ein Uebel, als wenig ehrenhaft, als Parasiten der Gesellschaft betrachtet, und die neuesten Socialpolitiker haben dessen kein Hehl. Und doch ist der Handel das unentbehrliche Mittelglied zwischen Production und Consumtion. Der Consument kann nicht zum Producenten lausen, um jedes einzelne Bedürsniß zu befriedigen, und die Production, sowohl die landwirthschastliche wie die industrielle, wird lahm gelegt, sobald der Handel nicht Absatzquellen für sie nach nahen und entfernten Gegenden aufsucht. Namentlich ist dies in so ungeheuren Landstrichen der Fall wie in Rußland, wo der Kaufmann! und Händler die Erzeugnisse von Ort zu Ort aussammeln muß, um sie in großen Quantitäten abzusetzen. Es ist daher [ nichts mehr wider alle Vernunft, als die unaufhörlichen Schmähungen auf die russischen Juden, weil von ihnen ein beträchtlicher Procentsatz dem Handelsstande angehört. Die Austreibungen, Plünderungen und Beschränkungen der Juden fallen daher dem russischen Volke nicht minder als den Juden selbst zum Schaden aus. Hierfür sprachen schon viele Thatsachen, denen wir heute eine neue hinzufügen können. Eine Correspondenz der Voss. Ztg. aus Petersburg vom 22. Juni lautet folgendermaßen: „Bald nach den fluchwürdigen Judenverfolgungen in Kiew, Jelisawetgrad u. s. w. u. s. w. zeigte sich ein entschiedener Stillstand in einigen Handelszweigen und eine mehr und mehr um sich greifende Stockung in einigen anderen, da die commercielle Thätigkeit der Juden, die in Folge ihrer großen Rührigkeit sehr belebend auf die inneren Handelsbeziehungen gewirkt hatten, mit einem Male wie abgeschnitten war. Die Moskauer Kaufmannschaft wies damals in einer Denkschrift an den Minister auf die Geimeinschädlichkeit der Ausschreitungen des Pöbels hin. Jetzt; erschallen ähnliche Klagen aus den Fischereibezirken der Wolga und des Kaspischen Meeres. So schreibt der „Astrach. Listok": „In Folge der Grausamkeiten gegen die Juden liegt das! früher so ausgedehnte Fischereiwesen vollständig darnieder. Die Juden waren früher die Hauptkäufer auf unseren Fischmärkten; kauften sie allein doch jährlich für 8—10 Millionen Rubel und zwar gegen baar. Ihrer Gewandtheit und Emsigkeit verdankte der Fischhandel einen früher unbekannten Aufschwung; denn sie vermittelten den Vertrieb unseres Fischreichthums bis in die entferntesten Gegenden des Reichs. In Folge des fast gänzlichen Verschwindens der Juden und 28 l-, i

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