Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 27 (3.7.1883)
- Date
- 1883-07-03
- Page
- Seite 432 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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432 fallen! Seitdem sie unter Ew. Kais. Majestät Schutz vor gebracht als - die ungarische Justiz! Denn giebt es maffenhaster Mißhandlung gerettet find, erfloffen zu den bis-! wohl noch einen civilisirten Staat, in welchem eine Unterherigen Beschränkungen noch provisorische Maßregeln und suchung in rein tendenziösem Sinne, von einem nach dem Instructionen, durch welche Tausende brodlos, Tausende hei- Gesetze hierzu unbefähigten Richter, mit Verletzung vieler maths- und obdachlos dem höchsten Elend preisgegeben wichtiger Bestimmungen des Strafgesetzbuches geführt wird, worden. Aus vielen Städten und Landstrichen, wo sie wie hier geschehen? einen civilisirten Staat, in welchem die schon seit Jahrzehnten wohnten, wurden sie vertrieben; es Anklage auf absichtlich vollbrachten Mord, nicht vor Geschwo wurde ihnen untersagt, Grund und Boden zu erwerben, zu renen, nicht vor einem Straf-Senat, sondern vor einem Dreipachten, zu bearbeiten; viele Erwerbszweige, denen sie gesetz-! männer-Gerichte erhoben und entschieden wird? einen civililich oblagen, wurden ihnen verboten, aus öffentlichen Dienstzweigen, z. B. dem gesammten Eisenbahndienst, wurden sie ohne Unterschied entlasten, und was das Schlimmste, durch diese Ausnahmegesetze erschienen sie dem Volke als rechtslos und vogelfrei, als Gegenstände gerechtfertigten Haffes, und es ist vorauszusehen, daß dies bei erster Gelegenheit sich ihnen in furchtbarer Weise fühlbar machen wird. firten Staat, in welchem dem Publikum eine directe Theilnahme an den Verhandlungen, Lärmen und Schreien, Jnfultiren der Bertheidiger, der Zeugen, ja des öffentlichen Anklägers, des Staatsanwaltes selbst gestattet wird, und hinter den Stühlen der Richter ein Haufe Damen Platz nimmt, welche die erschütterndsten Scenen mit Kichern und Lachen begleiten? Und dergleichen empörende Momente noch mehr. O. Kaiser!. Majestät, Sie sind der Vater, der Schutz-jDa können wir wohl sagen, daß hier die ungarische Justiz Herr, die irdische Vorsehung aller Ihrer, Allerhöchstdemselben vor den Augen der ganzen civilisirten Welt sich in einer von Gott anvertrauten Unterthonen! Zu Ew. Maj. schauen! Weise darstellt, welche der ganzen Nation und den leitenden sie auf aus jeder Noth und Bedrängniß — warum sollte Führern derselben zur Schmach gereicht und auf Zustände dies der, Gott und dem Kaiser stets getreue uralte < hindeutet, die der Barbarei sehr ähnlich sind. Was wir Stamm der Hebräer nicht thun? nicht Hilfe und Rettung eben gesagt, ist nicht etwa unser Ausspruch, oder der ausvon Ew. Kaiser!. Majestät erhoffen? Als Alexander H. der ländischer, den Ungarn abholder Zeitungen, sondern ungarischer Befreier den Thron bestieg, sprach Er das große, unsterbliche ( Blätter selbst, z. B. des der Regierung nahestehenden „ Pester Wort: Gerechtigkeit und Gnade für alle meine Unterthanen! Lloyd". Er sagt z. B. in seiner Nummer vom 22 Juni: Und der Verklärte hat dieses Wort gehalten! Kaiserl. Maj., aus tief bewegtem Herzen flehen Alle, die diesem Stamme augehören in allen Ländern der Erde: Gnade und Gerechtigkeit für unsre Brüder unter Ew. Maj. glorreichem Zepter! Gewähren Sie ihnen die Rechte, die allen Unterthanen Ew. Maj. zustehen, und Sie haben mit Einem Worte drei Millionen getreuester Unterthanen zu nützlichen und mit Seele und Blut ergebenen Mitgliedern der Gesellschaft erhoben! Ohne dieses segensreiche Erlösungswort werden sie rettungslos untergehen! Gott segne, schütze und beglücke Ew. Kais. Maj. für und für! Ew. Kais. Maj. unterthänigster Dr. Ludwig Philippsvn. So weit unsre Information reicht, ist dieses Schriftstück an die Commission für die Angelegenheiten der Juden überwiesen worden. Die Schlnßverhandluug im Tißa-Eßlarer proceß. i. Die ungarischen Antisemiten, die offenbaren und die geheimen, haben geglaubt und beabsichtigt, in Nyiregyhaza das Judenthum auf die Anklagebank zu bringen; aber sie haben sich getäuscht: sie haben nichts auf die Anklagebank „Alle Berichte über den Gang der Verhandlung in Nyiregyhaza stimmen darin überein, daß die überwiegende Mehrheit des im Verhandlungssaale anwesenden Publikums sich in der zügellosesten und brutalsten Weise benimmt. Mißliebige Aussagen werden mit Zischen und Lärmen ausgenommen; Staatsanwalt und Bertheidiger werden durch Zurufe und Insulten unterbrochen; die Zeugen werden in der rücksichtslosesten Weise haranguirt, das Auditorium betheiligt sich direct an den Verhandlungen und der Präsident hat nicht die Autorität, diese unerhörten Ausschreitungen niederzuhalten und die Würde des Gerichts und die Freiheit der Berathungen zu wahren. Außerhalb des Saales ist die Bewegung eine womöglich noch schlimmere; auf den Straßen soll ein förmlicher Zeugenschacher stattfinden, die Einen werden intimidirt, die Anderen gehetzt, wieder Andere ermuthigt, kurz: wenn von all den Mittheilungen, die von durchaus unbefangener und zuverlässiger Seite hierher gelangen, auch nur ein kleiner Theil wahr ist. so gewinnt man den Eindruck, daß in Nyiregyhaza die allerprimitivfte Ordnung und Freiheit der Berathung der Anarchie und dem i Terrorismus gewichen find." Ja, in der Rede des Staatsanwaltes selbst werden wir den Vorwürfen begegnen', welche der Untersuchung gemacht werden müssen. Es ist uns hier nicht möglich, eine ausführliche Schil-