Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 25 (19.6.1883)
- Date
- 1883-06-19
- Page
- Seite 411 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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411 mit ebensoviel Hingebung wie Energie. Man bot ihm wie- ( derholt den Titel als Maire an, aber er wollte unter den! obwaltenden Umständen zwar die Functionen aber nicht den 1 Titel annehmen. Er war es, der z. B. durch eine Spende von 3 8,000 Frcs., welche die Stadt nicht aufbringen konnte, j die Schöpfung eines Lyceums möglich machte. Im Jahre 1 1840 wurde er auch in die Handelskammer gewählt, in der er mehrere Mal als Bicepräsident fungirte. Nicht minder wurde er 1861, als die Bank von Frankreich eine sukkursale in Bayonne gründete, in den Berwaltungsrath gerufen. Seine Verdienste waren so hervorragend, daß er schon 1851, ohne sich darum beworben zu haben, Ritter der Ehrenlegion wurde, und zwar auf Vorschlag des Ministers des öffentlichen Unterrichts. Neben diesen öffentlichen Aemtern war sein Leben mit Werken der Wohlthätigkeit ausgefüllt und bethätigre er als Präsident des israelitischen Consistoriums seine treue Anhänglichkeit an die väterliche Religion im segensreichsten Wirken für diese. Bei seiner Bestattung trugen die höchsten Autoritäten der Provinz die Zipfel des Sargtuches. Die Großrabbiner von Bayonne und Bordeaux und der Rabbiner von Toulouse folgten dem Sarge. Vierzig Schüler des Lyceums bildeten Spalier, alle Behörden des Departements waren vertreten. Am Grabe sprachen der Großrabbiner von Bayonne, der Bicepräsident des Consistoriums, der Adjunct des Maire's in deffen Vertretung, der Direetor der Bank, der Großrabbiner von Bordeaux und Andere. Die Familie Furtado, dem Namen nach jetzt erloschen, wird in der Geschichte des französischen Iudenthums niemals vergeffen werden.') Historische Notiz. In den einem auf der hiesigen Großh. Hofbibtiothek sich befindenden Cod. man. entnommenen und von mir edirten i:nn nnn (Judenverfolgungen während des ersten Kreu^zuges , heißt es gleich im Eingänge: nt? by ic*d '.ct: arrtPNi by U'yz'O' „Sie (die Kreuzzngler) hefteten das Zeichen des Kreuzes an ihre Kleider und setzten Hüte (Helme) auf." Was wollte der Autor mit diesen Hüten oder Helmen bemerken? Ich dachte mir, er habe damit sagen wollen, sie hätten sich ein militärisches Ansehen gegeben. Allein da in der Geschichte der Kreuzzüge nirgends weiter diese Bemerkung vorkommt, sondern nur erzählt wird, sie hätten sich das Zeichen des Kreuzes an ihre rechte Schulter geheftet, so blieb mir dieselbe räthselhaft. Da stieß ich auf eine Stelle in Neander, Allg. Gesch. der christl. Religion u. Kirche Bd. V. S. 166, welche hinlänglichen Aufschluß darüber bietet. Sie 1) Ein schönes Portrait von Abraham Furtado, dem Präsidenten der jüdischen Notablenversammlung, findet man in der von Perthold Auerbach und N. Frankfurter herausgegebenen (Stuttgart 1834^ „Gallerte der ausgezeichneten Israeliten aller Jahrhunderte." Red. lautet: „Bei der allgemeinen aufgeregten Stimmung konnte man leicht Wunderbares wahrzunehmen glauben, und das Borgeben von Wundern, welche für den heiligen Zweck vollbracht worden wären, konnte leicht Eingang finden und zu einem sogenannten frommen Betrug benutzt werden. Es traten Männer und Frauen aus dem Volke auf, welche Vorgaben, daß ihnen durch ein Wunder ein Kreuzeszeichen ausgeprägt worden. Biele brannten sich mit einem glühenden Eisen ein Kreuzeszeichen ein, sei es, um ihren Eifer für die heilige Sache dadurch zu bewähren, oder aus Eitelkeit. Im Anfang dieser Bewegung fand sich in Frankreich ein Abt, welchem es an Mitteln für die Theilnahme an dem Zuge fehlte. Um diese zu erlangen, heftete er sich nicht auf die gewöhnliche Weise das Kreuzeszeichen an, sondern auf eine künstliche Art prägte er seiner Stirne ein solches auf, und sagte nachher unter dem Volke: es sei ihm von einem Engel in einer Vision dieses Zeichen aufgedrückt worden. Dieses Vorgeben fand bei dem Volke leicht Glauben." Es ist mir nun außer Zweifel, daß es in dem Manuscript ursprünglich geheißen hat orvtrs-a oiy-p „sie prägten sie (die Kreuzeszeichen) ihren Köpfen ein'', und daß durch ein Versehen des Copisten das -ip mit dem r: verwechselt worden und daher der Jrrthum entstanden war. Darmstadt. Mannheimer. Vermischtes. Der geheimnißvolle Rabbi. Wir haben berichtet, daß hier ein fremder jüdischer „Gelehrter" mit Hinterlaffung eines Boarvermögens von 16,000 fl. gestorben ist, ohne daß man wußte, wer dessen Erben sind. Wie wir nun erfahren, ist diese Erbschafts-Angelegenheit inzwischen schon geordnet worden. Der Verstorbene hieß Isaak Maier Epstein, stammte aus der Provinz Posen und war schon frühzeitig mit seinen Eltern nach Jerusalem ausgewandert. Später erlernte er die Photographie, die ihm ein kleines Nebeneinkommen abwarf. Bor Kurzem kam er wieder nach Europa, um seine Anverwandten zu besuchen, die ihn dann reichlich beschenkt entließen. Auf der Rückreise nach Jerusalem ereilte ihn jedoch in Wien der Tod. Seine Mutter und sein Bruder, die in Jerusalem leben, wurden vom hiesigen Depositenamte aufgefordert, ihre Erbschaft beheben zu laffen. Ein curioses Histörchen aus den „Fliegenden Blättern".; In einem kleinen russischen Städtchen befinden sich zwei alte! Häuser, die einander gerade gegenüber an der Hauptstraße j stehen. In beiden sind Kaufläden. Der eine trägt die Firma! Moses Kohn, der andere die Firma Moses Levy. Beide j handeln mit Kleidern, alten Meubeln und Gegenständen allerArt.!Giebt Kohn seine Waare billig, so giebt sie Levy noch billiger