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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-06-19 · Heft 25 (19.6.1883) · p. Seite 400

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 25 (19.6.1883)
Date
1883-06-19
Page
Seite 400 (sequence 2)
Language
German
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400 Persönlichkeit wird selbstverständlich meist nur^ vom Parteigenug völlig ungerechtfertigt waren, gegen ihn erfloß, bald standpunkte aus beurtheilt, wozu, wenn sie eine sehr hervorunerträglich, und so preist er aus vollem Herzen das Ge- - ragende und einflußreiche Stellung einnahm, das Getriebe schick, das ihn aus diesem Joch befreite, nachdem er seine des Neides und der Jntrigue hinzukommt. Es ist daher! Pflicht gegen das Vaterland, soweit er es nur immer vernicht zu verwundern, daß Crämieux als Staatsmann sehr! mochte, erfüllt hatte. — Die Mittheilungen, welche uns die schief beurtheilt worden und Anklagen und Vorwürfe erfuhr, vorliegende Schrift verschafft, sind geschichtlich wichtig nur die er kaum veranlaßt hatte. Um so willkommener ist uns i für die letzten Monate vor der Februar - Revolution und für eine unparteiische Darlegung über die Vorgänge 1848, mit I einige Momente dieser letzteren; die übrigen find mehr chader Hoffnung, daß eine ähnliche Veröffentlichung über seine j rakteristische Notizen. Man wird sich erinnern, daß in Frank- Thätigkeit 1870 und 71 gegeben werde, wenn Dokumente reich unter dem Julikönigthum das aktive Wahlrecht nach dafür vorhanden sind. Wir sagen „unparteiische Darlegung" und zwar gerade deshalb, weil unser Buch nur Reden und in jener Zeit geschriebene Briefe Crvmieux' enthält, also factische Zeugnisse seiner Stimmungen, Absichten und Wirksamkeit giebt. Das Urtheil kann sich nun Jedermann und die parteilose Geschichte bilden. Allerdings die Briefe sind nicht allein von ihm, sondern auch von seiner Frau an die nächsten Verwandten und Freunde gerichtet. Aber dieses Eheeinem hohen Census nur ca. 200,000 Wählern zustand, was natürlich eine immer mehr wachsende Unzufriedenheit hervorrief, noch dazu da in einem verhältnißmäßig so kleinem Kreise die Corruption ein leichtes Spiel hatte. Nach einer umfaffenden Wahlreform erhob sich der allgemeine Ruf, unterstützt von den Deputirten der Linken, zu der auch Crömieux in hervorragender Weise gehörte. Unglücklicherweise stemmte sich der König Louis Philipp mit seinem reaktionären Minipaar lebte in einer so musterhaften Intimität, daß, was die sterium Guizot jeder Concession entgegen, und hielt die Ge- Gattin schreibt, auch als das eigenste Wort des Gatten angenpartei für unbedeutend, da er die Mehrheit der Kammer gesehen werden kann, ja muß; denn häufig fängt Cr<-mieux I für sich hatte. Da die Septembergesetze öffentliche Bersammden Brief an, wird unterbrochen, seine Gattin setzt ihn fort, i lungen nicht zuließen, gerieth man auf den Gedanken, „Re- bis Cr«mieux wieder eintritt und das Schreiben vollendet.! form-Bankette" zu arrangiren, wobei natürlich das Banket Damit har er hinlänglich bewiesen, daß er vollständig ein-! die Nebensache, die großen Reden die Hauptsache bildeten, verstanden war mit dem, was seine Frau niedergeschrieben > Gegenwärtig, wo in den meisten constitutionellen Staaten hatte. Gehen wir nun etwas auf den Inhalt der Schrift ein.! das allgemeine Wahlrecht Grundgesetz geworden, wird man Die politische Laufbahn Cremieux' hat, abgesehen von dieses Verlangen nach einer Wahlreform als völlig gerechtfertigt ansehen müffen. Crsmieux war einer der Hauptredner auf den Reformbankelten. Wir haben hier seine Rede vom 21. November 1847 in Compiegne, vom 1. Dezember in Saint - Germain, vom 19. Dezember in Samtes, vom 28. Dezember in Rouen, seine große Rede endlich vom 7. Februar in der Kammer zur Vertheidigung der Reformbankette. Alle diese Reden sind von einer außergewöhnlichen Beredsamkeit , von ebenso vielem Schwung und patriotischer Begeisterung, wie von beißendem Spott, mit welchem die Fehlgriffe und Verblendung des Ministeriums Guizot, das bereits sieben Jahre am Ruder war, überschüttet werden. Sie bezeugen aber auch, daß die Führer der Bewegung sehr fern davon waren, und Cr^mieux ganz besonders, an eine Revolution zu denken; Alle machten Halt vor dem Throne Ludwig Philipps und wollten nichts als ein freisinniges Miniseiner langen Thätigkeit als Deputirter und Senator, das Eigenthümliche, daß er immer von den Wellen einer großen Volksbewegung zur Höhe der Theilnahme an der augenblicklichen höchsten Staatsgewalt erhoben wurde, daß er jedoch, sobald diese Bewegung aufgehört hatte, und die Regierung in die Bahn einer regelmäßigen Institution zurückgekehrt war, in seine frühere Stellung zurücktrat: so 1848 und 1871. Es beweist dies, daß er mehr Volksmann als Staatsmann gewesen. Schon drei Monate nach der Februar-Revolution, als die provisorische Regierung vor der, durck die nunmehrige Nationalversammlung erwählten Executiv-Commission zurücktrat, gab Cr^mieux auch das Portefeuille als Justizminister wieder ab, und nicht minder kehrte er als Mitglied der Bertheidigungsregierung 1871 vor der Dictatur Gambetta's in das Privatleben zurück. Zugleich aber wird hierdurch bezeugt, daß Cr^mieux von keinem Ehrgeiz erfüllt, kein polisterium und die Wahl- und parlamentarische Reform. Hier tischer Streber war, der nach nichts als Macht und Ruhm ringt und sich von diesen Motiven leiten läßt. Seine von Patriotismus und humanen Idealen glühende Seele widerten die Jntriguen und die Bersalität Derer an, die sich mit allen Mitteln in der Gewalt halten wollten, und als Justizminister ward ihm der Andrang der Stellensucher und der Haß, der aus jeder Verweigerung ihrer Anforderungen, da diese oft beginnen nun die Briefe Cr4mieux und seiner Frau an die Freunde, die fast Tag zu Tag von dem weiteren Verlaufe der Dinge unterrichtet werden. Sie sind höchst interessant, ohne gerade viele neue Aufschlüsse zu bringen. Man weiß, wie das Verbot des Reformbankets, das in Paris abgehalten werden sollte, die Volksbewegung hervorrief, der König vor dieser Guizot und dann Mol6 aufgab und Thiers

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