Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1883)
- Date
- 1883-05-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Iudenlhums. Ein mMrttiischcs Organ für alles jüdische Interesse. I Diese Zeitung erscheint wöchentlich. I Preis vierteljährig » Marl. Abonne- I ment in Deutschland (Postzeitungsliste J Rr. 92) und Oesterreich bei allen Post- I äintern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipplon in Bonn. Kzepeöitiorr: Leipzig, Woßptcrh 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr. L. Phrlippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlaashandlung. Beilagen (Gebühr X2 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 47. Jahrgang. Leipzig, den 22. Mai 1883. 21. Inhalt. Leitende Artikel: Die Religion und die Wissenschaft im Judcnthume. Ein Bortrag des Professors Adolf Franck in Paris. — Die Ansichten des Judenthums über Martyrium. Bon M. Mannheimer in Darmstadt. — Literarischer Wochenbericht. — Heitnugsnach richte«: Deutschland: Bonn. Berlin. Leipzig, Chemnitz, Straßburg i. E. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. Prag, Ryiregyhaza. — Frankreich: Paris. — Rußland: Petersburg. — Rumänien: Bukarest. — Tunesien: Kair'uan. — Feuilleto«: Die S. S. Warbura Stiftung in Altona. üeii eutificf. Bonn, 16. Mai. Die Religion und die Wissenschaft im Iudeuthume. Ein Bortrag des Professors Adolf Franck in Paris. Ein Veteran der französischen Philosophie, ein warmer Bekenner des Judenthums und darum ein um so eifrigerer Vertheidiger des Spiritualismus, Herr Adolf Franck, Pros, der Philosophie an der Pariser Universität, Mitglied äs 1'Iristitut fran$ais, hat in Der General-Versammlung des „Vereins für Jüdische Studien" zu Paris vom 30. November 1882 einen Bortrag über das Judenthum gehalten, den wir mit Weglassung einiger Einleitungsworte in getreuer Uebersetzuug wiedergeben. Auch auf dem Gebiete der jüdischen Theologie hat sich Franck bereits vor 40 Jahren einen wohlverdienten Ruf erworben durch seine 1843 (bei Hachette in Paris) erschienene Schrift: „La Kabbale ou la Philosophie religieuse des Hebreuxu, welche von Jellinek (Leipzig, 1844) übersetzt worden. Wenn auch der Rahmen eines solchen Vortrags den großen Gegenstand nur in Umriffen zu behandeln gestattet, so begegnen uns in ihm doch viele kernige und beherzigenswerthe Gedanken, die aus dem Munde eines so hochzuverehrenden Greises eine erhöhte Bedeutung gewinnen. Ja, die schmählichen Angriffe haben in den Bekennern des Judenthums das Bewußtsein zu neuer Stärke geweckt! Bemerken wollen wir noch zum Berständniß einer Stelle, daß Franck Präsident des Vereins „Freunde des Friedens" ist. Der Redner sagte: Der Gegenstand dieses Vortrags wurde durch die Meinung veranlaßt, welcher man seit einiger Zeit in gewiffen Revues begegnet, selbst in solchen, welche sich an den aufgeklärtesten Theil des Publikums wendet, und in mehreren Tagesblättern. Es wird gesagt, daß das jüdische Volk (dies sind fast wörtlich die Ausdrücke, deren man sich bedient),') nachdem es in der Welt eine außergewöhnliche, unerklärliche, übernatürliche Rolle gespielt hat, jetzt vielleicht im Begriffe ist, sie durch die Macht des Geldes sich unterthänig zu machen. Das zeigt denn doch eine seltsame Unwissenheit von dem, was wir sind, wie von dem, was wir gewesen sind. Zunächst, es giebt kein jüdisches Volk mehr. Es giebt eine jüdische Gemeinschaft, die sich einer Race eng anschließt, deren Mitglieder, zerstreut in den Staaten beider Welttheile, sich überall, ohne auf ihren Glauben und ihre Tradition zu verzichten, mit den Nationen verschmolzen, die sie in ihrem Schoße ausgenommen haben, indem sie ihnen die Rechte des! Bürgerthums und der Menschlichkeit zuerkannten. In allen! Ländern, welche die Gerechtigkeit und auch die Vernunft be- > seffen haben, sie derart zu behandeln, sind sie vom wärmsten! Patriotismus beseelt, Franzosen in Frankreich, Engländer in! England, Italiener in Italien, und trotz der Anstrengungen | einer pedantischen und brutalen Partei, welche den Racenhaß wieder erwecken wollte, Deutsche, sogar sehr Deutsche in Deutschland. Wie sollten diese verschiedenen Nationalitäten sich verständigen, um die Unterjochung der Welt durch die! Macht des Geldes gemeinschaftlich zu überlegen und auszu -° jn Siehe besonders die Revue des Deux Mondes, in der Lie- | ferung des 15. Rovemb. 1882, S. 287- 21