Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1883)
- Date
- 1883-04-10
- Page
- [Seite] (sequence 18)
- Language
- German
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Der tatsächliche Ausfall der Wahl ist somit der: Dr. Wedell ist als einziger Haupt-Candidat durchgekommen, vr. Gronemann und vr. Goldschmidt als Neben- Candidaten aller Parteien. Letzterem.Herrn hat die jetzige Gronemann'sche Partei insinuirt, die Wedell'sche Partei allein habe ihn als Neben-Candidaten aufgestellt, weshalb er sich natürlich in einem gedruckten Schreiben für vr. Gronemann erklärt. Der arme, betrogene Herr vr. Goldschmidt'. Nicht die Wedell'sche, sondern die Ehrenfeld'sche Partei hat, wie jedes Kind hier ihm hätte verrathen können, noch im letzten Augenblicke unmittelbar vor der Wahlstunde ihre Stimmzettel Umdrucken lassen und — Herrn Dr. Goldschmidt ihrerseits lediglich auf Grund der Wahltaktik ebenfalls als Neben-Candidaten proclamirt. vr. Goldschmidt ist ein Opfer des Gesetzes, das 3 Candidaten verlangt, ein Opfer, dargebracht von beiden Parteien, wie Herr vr. Gronemann es sich gefallen lasten mußte, als Opfer aller 3 Parteien als Ncben-Candidat mit 350 Stimmen „Bolksrabbiner" zu werden. Jeder Wähler wird fomit aus dieser wahren Darstellung ersehen, daß vr. Gronemann trotz oder gerade wegen seiner auf den ersten Blick durch ihre imposante Anzahl verwirrenden 350 Stimmen nur Neben-Candidat war, während vr. Wedell als einziger Haupt-Candidat durchkam. Soweit sachlich! Persönlich ist zu bemerken, daß die Familie Meyer sowie die Wedell'sche Partei die maßlosen gegen sie geschleuderten Beleidigungen und Verdächtigungen weit von sich weist. Ausdrücke wie „unerhörteste Mittel", „Simonie", „Wahl durch Macht des Geldes" rc. sind aber nicht geeignet, durch Zeitungsantworten gesühnt zu werden. Dafür wird sich hoffentlich ein pastenderer Ort und ein competenteres Forum finden. Man kann wahrlich von der Wedell'fchen Partei auch nicht verlangen, daß sie den Gegnern auf das Gebiet ungeziemender Auslastungen folge. Es giebt eben Dinge im Leben, gegen die der ordentliche Mann wehrlos ist. Man kann es aber bei solchen Gelegenheiten dem Urtheile aller Redlichdenkenden überlasten, welcher Werth Verdächtigungen und Insinuationen beizumesten ist, die geflissentlich und wider besteres Wisten vermittelst der Presse oder geheimen Klatsches verbreitet werden. Zudem wird jeder anständige Mensch es bedauern, daß selbst die Ehrfurcht vor den über allen Parteien stehenden seligen vr. Meyer in gröbster Weise verletzt wird. Die Art und Weise, wie die Berfaster des Wahlaufrufs die Manen des seligen vr. Meyer zu Ungunsten seines Schwiegersohnes in die Debatte zu ziehen sich nicht entblöden, ist wahrhaft empörend. Die Verfaster des Wahlaufrufes müssen wirklich die Vertreter und Mitglieder der Bezirksgemeinden für — Bauern halten, wenn sie glauben, man ließe sich einreden, vr. Meyer hätte selber den vr. Gronemann seinem Schwiegersöhne vorgezogen. Ueber die Ansichten und das Verhalten des seligen vr. Meyer braucht man in den Bezirksgemeinden keine Belehrung von der Gronemann'schen Partei, vr. Meyer's Andenken steht hier so hoch und heilig, wie es bei den Führern und Reiseaposteln der Gronemann'schen Partei vielleicht nicht der Fall ist, und man sagt sich hier, daß der Verklärte den vr. Wedell nicht deshalb als seinen Nachfolger perhorresciren! würde — weil er sein Schwiegersohn ist. Bezeichnender Weise ist der eine dieser Führer ein bekannter ultraorthodoxer Heißsporn. Derselbe ist jetzt, was sehr zu denken giebt, enra- - girier Anhänger Gronemann's, — eine Anhänglichkeit, die , Herr vr. Gronemann sehr zu seinem Schaden empfinden dürfte. Wir vertrauen auf die einsichtsvolle Prüfung der Berhältniste durch die Bezirksgemeinden. Sie werden sich durch Märchen und böswillige Erfindungen nicht täuschen lasten und es nicht, wie gewisse neidische Agitatoren, als ein Unglück ansehen, daß ihr eventueller zukünftiger Landrabbiner einer respektablen Familie angehört. Für vr. Wedell selbst wird aber nichts übrig bleiben, als wie sein seliger Schwiegervater es stets gethan, — denn Anfeindungen bleiben ja im Leben niemals aus, — diese unqualisicirbaren Angriffe mit Stillschweigen zu übergehen. Was wir von vr. Wedell erwarten, hat seine Partei verwirklicht. Tenn wie der Wahlaufruf und alle Druckschriften der Wedellschen Partei würdig und gemessen gehalten sind, so hat diese Partei von Anfang an jeden persönlichen Angriff, jede persönliche Verdächtigung, jede persönliche Insinuation peinlich vermieden, vr. Wedell's Partei kann um so eher den Kampf in Ruhe und Würde wie bisher fortsetzen, als die vorzüglichen Eigenschaften ihres Candidaten durch die hervorragendsten Männer auf dem Gebiete jüdischen und humanen Wissens schriftlich in den volltönendsten Worten gepriesen sind. Biel- : leicht wagt es die Gronemann'sche Partei, Männer wie vr. Fcilchenfeld, Prof. vr. Freudenthal, Landrabbiner Tiktin, die Vorsteher und Repräsentanten der Düsseldorfer Gemeinde, in : der vr. Wedell c. 8 Jahre segensreich gewirkt, die Realschuldirectoren Geist und Boettcher, auch zu besudeln! Vielleicht sind diese Männer keine Autoritäten! Vielleicht sind ihre Zeugnisse auch durch die Familie Meyer erkauft! j Jeder ehrliche Wähler schaare sich um das Panier der Gradheit und der Wahrheit, denn schließlich müyen diese doch zum Siege gelangen!