Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1883)
- Date
- 1883-04-10
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
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Außerordentliche Meilcrge zu II r. 15 der Mgem. Zeitung des Iudenthmns.) Die Ztaöbinerwaht in Hannover. Hannover, 3. April 1880. 'Jiadibcm die Gronemann'fche Partei bis zum Ucberdruß ihre Ansichten nnd Absichten zum Ausdruck gebracht, darf auch wohl mal ein unbefangener Beobachter, der jener Partei nicht angehört, zu Worte kommen. Das Hauptschlagwort der Groncmann'schen Partei ist: I>r. Gronemann ist mit 350 von 36!» abgegebenen Stimmen gewählt, er ist also fast einstimmig gewählt, er ist der wahre, der einzige Volks-Candidat :c. Es ist wahr, Dr. Gronemann har 35o Stimmen erhalten. Aber warum, und wie? Vorder Präsentations-Wahl gab cs hier 3 Haupt-Candidatcn dreier Parteien, Dr. Ehrenfeld, Dr. Prager, Dr. Wedcll. Br. Gronemann war also kein Haupt-, sondern nur ticebencandidat! Wer dies leugnet — lugt! Daß so wenige geeignete Persönlichkeiten für die Reben-Candidaturen zu Gebote standen, ist das Verdienst der Rabbinerwahl-Commisfiou, die Tank ihrer inneren Zerspaltung überhaupt nicht mehr als 0 Candidatcn zur Probepredigt berief, und zwar die .Herren l)r. Gronemann, Dr. Wedcll, Dr. Appel, Dr. Loeb, Dr. Ehren - feld, Dr. Prager (Dr. Gutmann predigte hier öfters als eommiffarisch bestellter Landrabbiner, nicht als Candidar). Tiefe Zerspaltung wird noch übertroffen von der Einigkeit des Vorstandes. Derselbe besteht aus 5 Personen. Jede derselben hatte einen anderen Rabbiner im Auge: Dr. Cohn — Dr. Gronemann, Kausfmann -- Dr. Prager, Dr. Benfey — Dr. Wedcll, Meycrhof — Dr. Guttmann, Molling — Dr. Ehrenfeld!'.! Es kann somit jeder Unbefangene ermessen, daß 3 Parteien, die aus »> Candidatcn je 3 zu wählen haben, nothwcndig in der Wahl eines übereinstimmen mußten. Dieser eine war natürlich kein Haupt-Candidat, denn jede der 3 Parteien hütete sich der anderen Avancen zu bieten, sondern ein Reben-Candidat, Herr Dr. Gronemann. Es ist bekannt, daß der eine Haupt-Candidat, Herr Dr. Ehrenfeld, durchfiel, weil er nicht genügend unterstützt wurde, weniger bekannt aber notorisch feststehend ist, daß der andere Haupt-Candidat, Herr Dr. Prager, lediglich durch das Verdienst seiner allzu rührigen Freunde um die feiner ehrcnwerthen Persönlichkeit wohl zu gönnende Auszeichnung gekommen, und thatsächlich kam somit als einziger Haupt-Candidar, von den 3 ausgestellten, .Herr Dr. Wedell durch. Daß er weniger Stimmen erhielt als Herr Dr. Gronemann, kann somit Ricmaiiden Wunder nehmen, denn Herr Dr. Wedell ist nicht wie Herr Dr. Gronemann wegen einer durch die Commission veranlaßten Zwangslage, rheils zufällig, thcils nothgedrnngen, als Rebcneandidat von allen 3 Parteien gewählt, sondern ist als einziger Haupt- Candidat zu der Ehre der Präsentation gelangt! Tie Ehrenseld'sche und Prager'sche Partei macht nun ans der Roth eine Tugend und läßt ihren Reben -Candidaten avaneiren, nur um gegen den „Familien - Rabbiner" den Dr. Gronemann durchzubringen. Tie Wahl des Dr. Gronemann ist also nicht Selbstzweck, sondern lediglich ein Versuch der gegnerischen Parteien, die erlittene schwere Riederlage ausznmerzen nnd ihrem Grolle gegen die Familie Meper 'Ausdruck zu geben. Wie lediglich Rcid, Mißgunst und ähnliche unschöne Empfindungen die Triebfedern dieser Wahl sind, kann man ans dem fast geflügelten Worte der anständigen Leute entnehmen, die unverhohlen äußern: „Sie gönnen'-:- der Familie nicht!" Und wenn doch nur ein einziger Mensch den Beweis dafür angetrcten hätte, daß es den Gemeinden der Stadt nnd Provinz Hannover zum Schaden gereichte, daß der bisherige Landrabbiner der Familie Meper angehörte! Dr. Wedcll hat 203 Stimmen erhalten — also ist er nur „Familienrabbiner!" Also besteht die Familie Meper nns 203 stimmfähigen Mitgliedern? Unberufen! Ter vorurthcilslofe Leser wird über eine solche sich selbst durch ihre Unwahrheit richtende Behauptung lächeln, aber verächtlich lächeln! Calumniare amlactor! Mit Mühe und Roth werden dann gleich unter jener Bezeichnung die stimmfähigen Mitglieder der Familie Meper namentlich aufgezählt, cs find — 1(>, außerdem 4 wissentlich falsch, Kleinigkeiten laufen zuweilen mit unter — also sind von 203 Stimmen 167 Stimmen, die nicht der Familie angehören. 187 freie, unbescholtene Mitglieder der Gemeinde haben sich für Dr. Wedell erklärt, während die beiden anderen Haupt-Candidaten nur 14!» resp. 142 Stimmen erhielten, und doch ist Dr. Wedell nur „Familienrabbiner". *) Für alle „anßcrerdeinlichen Beilagen" trägl die Redaknon nur die Berannvorrlicpkeit vor dem »»esepe. Redatncm.