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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-03-20 · Heft 12 (20.3.1883) · p. Seite 194

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 12 (20.3.1883)
Date
1883-03-20
Page
Seite 194 (sequence 14)
Language
German
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194 gleiches Recht vor dem Gesetze haben müßten. Da man l nun dies ins Wer? zu setzen begonnen, fing man auch an, für I die Emanzipation der Juden zu schwärmen und schämte sich! der namenlosen Leiden, die unsre Väter so viele Jahrhunderte j hindurch über dieses Geschlecht gebracht. Aber siehe da, kaum ist diesem Gesetz der bürgerlichen Gleichstellung Genüge geworden, so dreht sich schon wieder der Wind. Was verlangte und erwartete man von den Juden? Daß sie ihren Trödel ausgeben und alle Pfade des gesellschaftlichen Lebens betreten müßten. Nun, sie haben dies gethan, sie haben es mit einer bewunderungswürdigen Schnelligkeit und Geistestüchtigkeit gethan. Natürlich wurden sie keine Tagelöhner und Ackerknechte; denn das hatte man ihnen ja zu werden niemals gestattet. In Amsterdam, Salonichi, Rußland und Polen giebt es der jüdischen Tagelöhner und Lastträger, Steinklopser und Handwerker im Uebermaß, weil man sie dort auch hiervon seit Jahrhunderten nicht ausschloß. Eindrängen, verdrängen — thun wir dies nicht Alle, so weit unsre Mittel j reichen einem natürlichen Gesetze folgend? Wenn wir jetzt in New-Jork ein Importgeschäft etabliren, so werden uns alle diejenigen als Eindringlinge ansehen, welche dies Geschäft schon längst betreiben, und wir werden alle Kräfte anstrengen, einen so breiten Raum wie möglich auf dem kaufj «mimischen Markte zu erwerben, und nicht danach fragen, ob wir rechts oder links einen Anderen mit den Ellenbogen in die Rippen stoßen." Krämer hatte seine Unzufriedenheit mit dem, was er hören mußte, durch Geberden und Kopfschütteln kundgegeben; aber sein Vetter legte ihm die Hand auf den Arm und fuhr fort: „Nur noch einige Worte, und, wenn du nicht willst, komme ich niemals wieder auf diesen Gegenstand zurück. Wenn du glaubtest, in der neuen Welt keine Juden anzutreffen, so hast du dich eben geirrt, wie du noch in vielen Dingen dich drüben enttäuscht finden wirst. Sie nehmen dort gerade so geachtete Stellungen ein, wie in Europa, auch in gesellschaftlicher Beziehung. Und nun wiffe, daß der Amerikaner für jede Aeußerung eines gesellschaftlichen Borurtheils äußerst empfindlich ist, und wo er auf das eine Vorurtheil stößt, setzt er auch viele andere voraus und reagirt entschieden dagegen. Wir Deutsche haben bei den übrigen Völkern in geistiger wie in kriegerischer Weise uns zum Gegenstand der Bewunderung gemacht, aber um so empfind- J licher sind sie gegen jede Selbstüberhebung der Deutschen, j und schreiben ihnen gern Unarten und Borurtheile zu. Nimm dich also in Acht, denn wen der Amerikaner einmal zu mißachten begonnen, den läßt er es in derbster Weise fühlen. Was nun deine Idiosynkrasie betrifft, sei sicher, Vetter, die verliert man im Gewühle des Lebens. Ich bin in San Francisco, in Constantinopel, in Bombay und Shangay gewesen, ich habe Chinesen, Japaner, Inder, Araber und selbst Rothhäute kennen gelernt; die waren mir alle nicht sympathisch, die sind uns viel fremdartiger als die Juden, die sich unserer Bildung angeschmiegt und sie sich im vollen Maße angeeignet haben. Ich lernte mit jenen Allen freundlichst verkehren, und zuletzt überwand der Begriff und das Gefühl des Menschenthums alle Racen- und Culturunterschiede. Besitzt doch jedes Volk etwas für sich, was es vor den Anderen auszeichnet." In diesem Augenblicke läutete es zum ersten Male zur; Tafel. Man mußte etwas Toilette machen. So gingen Beide in ihre Cabinen. (Fortsetzung folgt.) Anzeigen. Ty> f a werden mit 20 Ff. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- ■11 Iwd €\> tt/ folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Exped. von R. Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Cöln etc. zu adressiren. Rabbinats-Vakanz. Die derzeit vakante Großherzogl. S. Weimarische Landrabbinatsstelle soll möglichst bald wieder besetzt werden. Die Besoldung beträgt zur Zeit 2S50 Mark außer einem jährlichen Aversum von 300 Mark für Diäten und Transportkosten. Qualificirte Bewerber wollen ihre Meldungen nebst Zeugnissen baldigst an den Unterzeichneten einsenden Stadtleugsfelv, 4. März 1883. s405l] Der israelitische KaltuS-Vorstaud H. Schloss I. Ein geprüfter Lehrer, ledig, tüchtiger r;u2. der auch in Franz, u. Engl, unterrichtet u. relig. Vorträge halten kann, sucht Stellung. Beste Referenzen. Gest. Offerten unter R. 2096 an Rudolf Mosse, Colo, [K. 4021] Handels-Institut und Pensionat I. Ranges in Brüssel (Belgien), gegründet im Jahre 1863, 168—170 Chaussee d’Etterbeck, dem Park Leopold gegenüber, geleitet von Prof. L. Kahn. [2573] Israelit. Pensionat von I. Spier in Bocholt. Knaben, welche die hiesige Höhere Schule besuchen sollen, erhallen bei guter geistiger und körperlicher Pflege Nachhülfe in allen Schulfächern. Die Schüler können nach einjährigem Besuch der Sekunda das Zeugniß der Berechtigung zum einjährigen Dienst erlangen. [3461] Jfr. fefir-- n. ErMlings-IMinl zu Pfungstadt bei Darmstadt. Beginn des Sommersemesters am 1. Mai d. I. Prospektus und jede gewünschte Auskunft ertheilt. (4203] Dr. Joel, Direktor. Durch den Tod der Ehefrau wird für eine größere Wirtschaft eine tüchtige Wirlhm gesucht, die sowohl der Küche als auch dem ganzen Hauswesen vorzustehen im Stande ist. Bewährte Damen in den 40er Jahren wollen sich melden bei Ellas Jacoby in BrauaSberg i. Ostpr. 1.4044]

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