Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1883)
- Date
- 1883-03-06
- Page
- Seite 162 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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162 Jerusalem, ein Wirthshaus, welches ein deutscher Jude hält. J Der Blick in das Thal Ajalon (wo Josua die große Schlacht j siegreich geschlagen und seine bekannte Bitte um Stillstand der Sonne ausgesprochen haben soll), ergreift ihn tief. Er sagt: „Die wundervolle Naivität des alten heroischen Mythus ergreift mich im Anblick der braunen, schweigenden Thalgelände, deffen Scene sie vielleicht sind, und wie hätte ich auch in den kühnsten Träumen der Kindheit jemals gehofft, mich einst hier zu finden, im Thale Ajalon. Ich athme hier zum ersten mal den Geist der hebräischen Poesie. Ihre kunstlosen Gestalten sind aus der Urwelt der Helden und Hirten hergenommen, von einer klaren, immer gleichen Lichtstrahlung des frommen Gefühls umgeben, und aufgestellt in derselben einfach großen Scenerie des Morgenlandes, wo die Wüste das Meer ersetzt. Sie verlieren nichts neben der Ilias und Odyffee, neben Aeschylus und Sophokles. Als die Renaissance die Ideale der Griechen in das Formenreich der Kunst zurückführte, schöpfte sie auch zu derselben Zeit wieder aus dem ewig frischen Born der hebräischen Poesie, aber deren seelenvolle Erscheinungen find nicht Gegenstände der Plastik, sondern der Malerei, und Rafael wie Michel Angelo haben die Stoffe ihrer schönsten Werke aus den Mythen (?) der Bibel entliehen." — Der Reisende kommt Jerusalem näher. „Wir fahren aufwärts in einer Thalrinne. Wenn wir diese Bergstanke erstiegen haben, werden wir die Mauern Zions sehen, doch nichts kündigt die Nähe der heiligsten Stadt der Menschheit an, nicht Gärten, noch Billen, noch irgendein von ihr aus- > strahlendes Leben. Ein Fuhrwerk kommt herab; Juden sitzen in ihm, fremde aus dem Abendlande. Sie haben an der Klagemauer gebetet. — Manchmal öffnet sich ein Blick in ein düsteres Seitenthal; in einem solchen wird ein castellartiges , Kloster mit einer Kuppel sichtbar, es ist das Kreuzkloster der Griechen. Wir sind am Rande der Hochebene; ich suche in tiefer Erregung Jerusalem und sehe es nicht. Eine grabesstille Bergwüstc, bleich und endlos, überstreut mit riesigen I Felsblöcken, den verlassenen Sitzen der Sibyllen und Propheten; Thalrinnen und Klüfte, starr und fahl, als hätte die Natur! hier das Mcdusenhaupt gesehen; eine schauerliche Walstatt,! als wäre hier Zion fammt dem Volk Israel gesteinigt worden.^ — Wir haben schon früher von den Klagen der Reisen-! den berichtet, daß durch die Anlage eines russischen Quartiers! vor dem Thore Jerusalems der Anblick der Stadt völlig verdeckt worden. Daffelbe berichtet Gregorovius: „Wir fahren ' stumm und schwermüthig über die Bergfläche hin. Hohe i Gebäude mit Kuppeln tauchen vor uns auf, die russische An j siedelung vor dem Jaffathore. Ich bin vor die h. Stadt! gekommen, ehe ich das weiß. Nur die altersgrauen, hohen,! bezinnten Mauern vor mir mit drei riesigen stumpfen Thürmen, welche die Davidsburg sein müffen, überzeugen mich, daß ich das große Ziel, Jerusalem, erreicht habe." Anzeigen. Ty« 4p werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- LI, I OCX CU Uv? folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die AnnoncenOSxped. von R. Hosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Cöln etc. zu adressiren. Hebräische Unterrichts anstatt 0"n pn"n zu Breslau. In dieser Anstalt werden die Kinder in Religion u. Geschichte u. vorzüglich noch in niso:, N~Dn nv:tPD, vvin .TiüDm mtrn nxnps on cpt,ti rutprs fen unterrichtet. Aufnahmezeit Ostern und Michaelis, während der Ferien des vevorstehenden Schul- Semesters. Kinder unbemittelter Ellern haben den Unterricht, die Schulbücher □'hbd, wie die Schreibmaterialien unentgeltlich. Rabb. vr. P. Neustadt, Dirigent, Friedr. Wilhelmstr. 11 II. Höhere Töchterschule und Pensionat. Beste Referenzen. Mäßige Bedingungen. Eintritt kann zu jeder Zeit erfolgen. Geschwister Toberuheim, Biugeu a. Rh. [p* Handels-Institut und Pensionat I. Ranges in Brüssel (Belgien), gegründet im Jahre 1863, 168—170 Chaussee d’Etterbeck, dem Park Leopold gegenüber, geleitet von Prof. L. Kahn. [257g] Lehrlings-Stelle vacant. I Lehrlingsstelle-Gesuch. Für einen lungrn Mann mit guter Handschrift ist in meinem an Sonn- und Feiertagen geschloffen Geschäfte eine Stelle vacant. Selbstgeschriebene Offerten an [3136] S. Meyer HI in Euskirchen, Tuch und Ranufaetur. Für meinen Sohn (Israelit), der Ostern das Gymnasium mit der Berechtigung zum einj. Militärdienst verläßt, suche ich eine Lehrstelle in einem Export-, Bank- oder Speditionsgeschäft. Gefall. Adressen sub H. 300 beförd. Kudolf Kosse, Dessau. [B. 3077] Bei A. Goldschmidt, Buchhandlung, Hamburg erschien soeben: Esther. Ein theilweise ganz verkehrtes, urkomisch-naives Purimspiel in 4 Aufzügen. Mit den einfachsten Mitteln (ohne Bühne) darzustellen, mit größtem Erfolge bereits aufgeführt. Franco gegen Einsvg. von 80 Pf. in Freimarken. [3122]