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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-03-06 · Heft 10 (6.3.1883) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 10 (6.3.1883)
Date
1883-03-06
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Cm unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig S Mer!. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste j Nr. SS) und Oesterreich bei allen Postämtern. außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. GXpeöitiorr: Leipzig, Woßpkcrh 18. In redactionellen Angelegenheiten wende man sich an vr.L. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlaashandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 47. Jahrgang. Leipzig, den 6. März 1883. No. 10. Inhalt. Leitende Artikel: Der jüdische Stamm. I. — Ein Geständniß der Conservativen im preußischen Abgeordnetenhause. — Petersburger Briefe. Unsere Gegenwart und Zukunft. II. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Köln, Biersen, Aus Meckleu bürg, Hechingen. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest. — Belgien: Brüssel. — Großbritannien: London. — Rußland: Petersburg. — Türkei. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Einige Reisenotizen aus dem heiligen Lande von Ferdinand Gregorovius. dt fit;cf. Bonn, 28. Februar. Der jüdische Stamm. i. Jener Anschauung, deren exaltirter Lobredner Disraeli gewesen, von der Reinheit und Unvermischtheit des jüdischen Stammes, ist, wie wir in 9fr. 8 und K gesehen, Ernst Renan mit der entgegengesetzten Behauptung gegenübergetreten, daß nämlich so viele fremde Elemente in den jüdischen Stamm ausgenommen seien, daß bei ihm von Race und Raceeigenthümlichkeiten gar nicht die Rede sein könne. Er hat dies auf geschichtlichem Wege zu erhärten gesucht; aber es zeigte sich alsbald, daß Renan zur Unterstützung seiner These theils nicht wenige Thatsachen, deren Bedeutung nach dieser Richtung sehr einzuschränken sei, theils Hypothesen zu Hilfe ruft,! welche dem Zweifel noch sehr unterliegen. Es ist daher eine j sorgfältige geschichtliche Untersuchung unvermeidlich. Beieincr solchen darf natürlich eine Rücksicht weder auf bic; etwaigen Vorzüge, welche aus dieser Stammesreinheit nach• Disraeli's Träumereien erfließen sollen, noch auf die Fehler und Nachtheile, welche die Antisemiten daraus folgern, genommen werden, sondern die einfache, objektive Wahrheit muß das Ziel sein. Es ist nun nicht unsre Absicht, und es würde uns auch nicht der Raum dazu freistehen, diese Untersuchung hier vollständig anzustellen. Vielinehr komm: es uns darauf an, vorerst diejenigen Zeiten und Länder festzustellen, auf welche sich die Untersuchung besonders erstrecken müsse. Zunächst haben wir von der neueren Zeit rückwärts die ganze Periode abzuschneiden, seitdem die christliche Kirche und der Islam herrschend geworden. Denn die erstere wie der letztere ließ einen Uebertritt zum Judenthume nicht zu und verbot die gemischten Ehen. Sowie in einem Lande die christliche Kirche allgewaltig wurde, was allerdings in den verschiedenen europäischen Ländern in verschiedenen Zeiten eintrat, wurden Proselyten des Judenthnms äußerst selten und mit Feuer und Schwert verfolgt. Gleiches war in den! islamitischen Ländern der Fall. Innerhalb dieses ganzen! Zeitraums blieb also der jüdische Stamm gänzlich unver! mischt, und dies beträgt in manchen Ländern bis zu 15', in anderen bis zu 12 oder 10 Jahrhunderten. Wenn so mit dem Ende, wie stand es mit dem Anfang? Die biblische Periode reicht doch von ca. 15)00 — 15>o vor d. gew. Zeitr., d. h. bis zur Maccabäerzeit, so daß auch sie über 13 Jahrhunderte umfaßt. Renan hat diesen langen Zeitraum fast gar nicht beachtet, und doch haben wir hier die Fundamentirung der ganzen Erscheinung zu suchen. Gehen wir deshalb näher auf sie ein. Was auch die moderne Kritik über die Abfassungszeit der biblischen Schriften verhandelt: Eines tritt dem unbefangenen Beobachter stets j entgegen, nämlich die allmülige, naturgemäß fortschreitende Entwickelung der Dinge und Erscheinungen, die sich gerade j auf Grund der überkommenen Ordnung der biblischen Bücher; erkennbar macht. Der Fortschritt vom Einfachen zum Mannigfaltigeren und Entwickelteren bezeugt stets die Wahrhaftigkeit io

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