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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-27 · Heft 9 (27.2.1883) · p. Seite 130

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 9 (27.2.1883)
Date
1883-02-27
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 Und standen die Israeliten mit ihrem Monotheismus unter Race, Niemand hat mehr beigetragen sie zu verbreiten, als den anderen semitischen Stämmen nicht ganz isolirt da? Renan. Hatte er seiner Idee einige Beschränkungen vorbe- Hatte der Islam nicht erst mit dem Schwerte und in verhalten, seine Schüler und Nachahmer achteten diese nicht. hältnißmäßig später Zeit die arabischen und anderen semitischen Stämme zu überwinden? Welche Aehnlichkeit kann zwischen einem deutschen Juden und einem Beduinen auf- Seiidem hat sich die Ansicht des berühmten Schriftstellers geändert. Die Geschichte hat ihm gezeigt, daß nach einander eingetretene und stufenmäßige Ursachen da wirksam waren. gefunden werden? Dies das Jrrthümliche, aber nicht minder! wo er eine unmittelbare Schöpfung zu erkennen geglaubt das Gefährliche jener Anschauung, welche den Begriffen und Gefühlen der Humanität feindlich entgegentritt und wieder einmal den Vorstellungen von der Ueberordnung der einen und der Unterordnung der anderen Race den Eingang ervffnete, und etwa wie bei Aristoteles die Herrschaft des einen und die Sklaverei des anderen Theiles der Menschheit beschönigte. Was wir voraus befürchtet, traf denn auch, speziell für uns Juden, ein. Der Name Semit wurde dem Publikum geläufig, die Trennung in Racen auch dem Ignoranten vertraut, und die Geburt des Antiseminsmus eine leichte. — In dem vorliegenden Bortrage Renan's kehrt dieser seiner früheren Anschauung vollständig den Rücken. Er will beweisen, daß die Juden gar keine Race ausmachen, weil sie im Laufe der Geschichte eine Menge anderer Volkselemente in sich ausgenommen. Nun ist es doch jedem Geschichtskundigen bekannt, daß es gar kein Volk giebt, welches nicht vielfach sich mit anderen Völkerschaften vermischt hat, keine Nation, die nicht eine Menge solcher fremden Elemente in sich aufgesogen hat — wo bleiben also die Racen? ihre eingeborene Verschiedenheit, ihre unveränderlichen Geisteseigenschaften? .... Freilich spricht Renan selbst diese seine Umkehr nicht aus, er drückt seinen Widerruf nicht mit bestimmten Worten aus; dennoch müssen wir seinen Freimuth lobend anerkennen, da er doch wissen mußte, daß die Umwandlung seiner Ansichten vielen Hörern alsbald klar werden mußte. Daß wir in diesem Urtheile nicht etwa einseitig zu Werke gehen und nur finden, was uns wünschenswerth scheint, erweist sich aus der Einleitung, welche die ..Revue politique et litteraire" dem Texte der Vorlesung voranschickt. Es heißt da: „Der ausgezeichnete Akademiker hat folgende Idee entwickelt: Man müsse sich hatte. Er ist es daher, welcher uns gegenwärtig sagt, mit welcher Zurückhaltung die Namen einer semitischen und einer indo-europäischen Race zugelassen werden dürfe. Renan zeigt jetzt, daß was man Race nennt, das Resultat einer Reihe von Thatsachen ist, an welchen der Wille des Menschen einen großen Antheil hat. Entgegengesetzt Anderen stellt Renan jetzt die Menschheit höher, als er es in seinen ersten Schriften gethan." Der Berf. dieser Einleitung wirft dann noch einen Blick auf Deutschland, wo das Wort „Semit" zu einem Losungswort geworden, und Profefforen ihre Schüler zum Semitenhaß auffordern. In der That wird es Renan nicht so leicht gelingen, das Gespenst des Semitismus wieder zu verbannen, wie er es einzuführen vermochte in die lebendige Welt! Darum ruft schon der Talmud (P. Ab.) aus: „Seid vorsichtig mit Euren Worten, Ihr Weisen, damit Eure Schüler nicht Wasser des Verderbens aus ihnen schöpfen, und alle Eure Worte glühende Äohlen sind!"- Zu unserem ersten Artikel hatten wir die ausführlichen Auszüge vor uns, welche der „Tempsfc und die „Independance beigefc gebracht hatten. Jetzt erhielten wir den vollständigen Text in der „Revue politique et litteraire“ und gestatten uns daher, für den Theil der Vorlesung, den wir bis jetzt behandelten, noch einige Nachträge. — Renan hebt mit Recht als eine erfolgreiche Zeit des Uebertritts zum Judenthume die vor der Verbreitung des Christenthums, also 150 vor dem Entstehen desselben bis ungefähr 200 nach demselben hervor. Wenn er hieraus ein bedeutendes Argument für seine These zieht, so können wir dies dennoch nur in beschränktem Maße gelten lassen. Einerseits ist hierbei auf die gelegentlichen Aeußerungen einiger römischen und hüten, in der Geschichte die Race mit der Sprache zu ver-! späteren griechischen Schriftsteller, namentlich auf den Satibinden, und dürfe auf Rechnung einer ethnischen Verschieden-■ riker Juvenal, nicht allzu viel Gewicht zu legen. Wir heit nicht setzen, was das Produkt geschichtlicher Ursachen ge-■ wissen es aus der Erfahrung der Gegenwart, welche Aeußewesen sein kann, wie der Religion, der Lebensweise, des so-\ rungen des Unwillens schon eine verhältnißmäßig geringe zialen Geschickes." „Während wir die Auseinandersetzung! Zahl Bekehrungen zum Judenthume bei den Gegnern erweckt, dieser These auhörten, ging unsere Erinnerung zu den ersten' und wie sie darin eine Gefahr für die herrschende Religion Werken Renans zurück, und wir maßen den Weg, den sein erblicken. Andererseits gesteht Renan selbst zu, daß die größte Gedanke feit 2ö Jahren gemacht. Früher herrschte die Idee Zahl derer, welche sich dem Judenthume zuneigten, nur die allder Race in seinen Schriften vor: durch die Verschiedenheitj gemeine Gotteslehre und einige Satzungen, wie die Heiligung der Racen erkläre sich das Werk der Civilisation. Er räumte des Sabbaths, annahmen, sich aber nicht beschneiden ließen, dem Instinktiven eine große Rolle ein. Die semitische Race also in die eigentliche jüdische Religionsgemeinde nicht einhatte einen speziellen Instinkt, den Monotheismus. Tie Betraten, und daß alle diese später zum Ehristenthume Übergriffe von der indo-europäischen und von der semitischen gingen, so daß hier nur eine Vorbereitung zu dem letzteren

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