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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-20 · Heft 8 (20.2.1883) · p. Seite 126

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 8 (20.2.1883)
Date
1883-02-20
Page
Seite 126 (sequence 14)
Language
German
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126 Herr Charles Büls, Bürgermeister von Brüssel, sprach von Brüssel, welche ich ebenfalls hier vertrete in der Eigenfolgende Worte im Namen der Gemeindeverwaltung: „Wenn schaft des Vorsitzenden des Berwaltungsraths, verliert in nach einer langen Laufbahn, ganz gewidmet der Arbeit, Bischoffsheim ein thätigcs Mitglied und einen edelmüthigen der Ausübung aller häuslichen und bürgerlichen Tugen- Beschützer, der seit 14 Jahren ihr in wirksamer Weise die den, ein guter Mensch, wie Bischoffsheim, dies Leben hohe Achtung bezeugt hat, in welcher er den höheren Unterverläßt, werden die Schmerzen der Trennung, deren ver-j richt hielt, und die Wichtigkeit, die er ihrer Entwicklung bcihängnißvolleu Augenblick man hinauszuschieben wünscht, durch! maß, durch die Gründung von Stipendien und die Errichtung die Befriedigung, welche ein schönes Leben hervorruft, gemil-! eines arabischen Lehrstuhls. Er hätte noch mehr gethan, dert. Man könnte in der That keins finden, das bester gewenn er noch gelebt hätte, denn die, welche sein Vertrauen führt, das thätiger oder das mehr nützlichen Werken gewidmet genosten, wisten, daß das Alter nicht seinen Eifer für das gewesen wäre, als dasjenige des Mannes, dessen sterblicher! Gute hat erkalten lassen, und daß sein Geist, allen Fort- Hülle wir heute die Ehren erweisen. Jung in unser Landi schritten offen, ohne Unterlaß auf die Ausführung irgend gekommen, wußte sich Bischoffsheim durch seine Thätigkeit! einer neuen Wohlthat dachte. Aber dem Geschick gemäß cr- und seine hohe Geschäftskenntniß ein ungewöhnliches Ver-> reichen selbst die schönsten Existenzen das Ende, das ihnen mögen zu erwerben: aber niemals hat ihn der Neid getroffen, I die Natur bestimmt; diese erlischt inmitten cinmüthiger Lobdenn sein Edelmuth entwaffnete im Voraus die Neider. Alles - Preisungen, die sich aus dem Schooße der dankbaren Bürger- Elend, alle Leiden waren sicher, in ihm einen verschwiegenen! schaft erheben, inmitten der Thränen und der Klagen der Beschützer, ein mitfühlendes Herz, eine einsichtsvolle Stütze! durch diesen guten und edelmüthigen Mann unterstützten zu finden. Er glaubte nicht genug gethau zu haben, wenn! Unglücklichen unter uns. Lebewohl, Bischoffsheim, lcbewohl sein großmüthiges Almosen einen Unglücklichen aus einer verj im Namen deiner Collegen, lebewohl im Namen der Stadt, zweifelten Lage gezogen hatte; er wollte vor allem im Men-j die du mit deinen Wohlthaten überhäuftest!" scheu die Selbstachtung aufrecht erhalten, und ihm eine Hand,! -- zugleich hülfreich und fest, reichen, die ihn hindern sollte, in! VeruN^chltS. den Abgrund der Erniedrigung zu stürzen. Es war sein! Ein Kuriosum aus Ungarn, iefes Vertrauen in die Macht des menschlichen Willens, in Aus Hermannstadt schreibt man dem P. L.: .,Wähdie Herrschaft, welche dieser über die Gewalt der Verhältrcnd eines strengen Winters der dreißiger Jahre fanden niste ausüben kann, welches ihn stets eine so wirksame, so einige Leute aus Reußen (damals Hermannstädter Stuhl) in großmüthige Hülfe leihen ließ allen Werken der Bildung, der Nähe des Dorfes einen erfrorenen Mann. Pfarrer Gunesch, allen den Werken, die Zum Ziele haben, den Menschen zu ein leutseliger Mann, ließ den Erfrorenen auf dem evanwaffnen gegen die Eingebungen der Noth, gegen die Vergelischen Friedhofe begraben. Nach einiger Zeit stellte es sich suchungen des Elends. Brüstel verdankte ihm die Gründung heraus, daß der Begrabene ein Jude war. Nun äußerten der beiden Gewerbeschulen für Mädchen, der beiden Normal-- | die Bauern laut ihre Unzufriedenheit darüber, daß ihr Pfarrer schulen, der ecole modele, der Gesellschaft zur Ermunterung; einen Juden auf ihrem Friedhofe hatte bestatten lasten. Nach des weiblichen Unterrichts; die 1i§ue de l’ens eignem ent, die längeren Berathungen drängten die Kirchenväter und Gehöheren Unterrichtscurse für Damen, der denier des ecoles, schworenen dazu, vom Pfarrer die Entfernung des Juden das Bekleidungswerk, das Werk der Ernährung in den vom Friedhof zu verlangen; diese kamen zum Pfarrer und Schulen, die Gesellschaft zur Unterstützung verschämter Armen der älteste Kirchenvater sprach: „Wohlehrwürdiger Herr Pfarrer, und hundert andere, die ich übergehe, sahen ihn sich freidie Gemeinde möchte recht schön bitten, den erfrorenen Juden gebig an ihren nützlichen und wohlthätigen Unternehmungen! in unserem Friedhofe auszugraben, denn er glaubt ja nicht bctheiligen. Deshalb ist auch die ganze Stadt von tiefem j an das Evangelium und an die Auferstehung", — worauf Bedauern erfüllt, das mein Wort in diesem Augenblick zu-; der Pfarrer, in Erinnerung an den Ausspruch des Großen sammenfasten soll; — aber was soll ich sagen im Namen , Fritz anläßlich eines analogen Falles in Berlin, erwiderte: meiner Collegen vom Gemeinderath, in dem er seit 1848! „Ihr guten Leute, gerade darum, weil der Jude nicht glaubt gesesten hat'? Im Lause dieser langen Mitarbeit in öffent-! an das Evangelium und an die Auferstehung, will ich Euch lichen Angelegenheiten haben wir den geraden, praktischen, scharf-- rathen, lasset den Juden zufrieden, denn am jüngsten Tage, sinnigen Geist des betrauerten Bischoffsheim schätzen gelernt;! wenn der Erzengel Gabriel in die Posaune bläst, stehen wir sein Wort, stets gelegen in die Discussion eintretend, wurde angehört mit der Achtung, welche die Klarheit, die Erfahrung, der praktische Sinn einslößen, die Früchte einer erleuchteten Intelligenz und eines graden Gewissens. Die freie Universität auf und lasten den Juden auf dem Friedhof liegen." Die Reußener gaben sich mit dem erhaltenen Rath zufrieden, und so wurde diese „Judcnfrage" ohne weitere Folgen auf friedlichem Wege gelöst.

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