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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-20 · Heft 8 (20.2.1883) · p. Seite 125

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 8 (20.2.1883)
Date
1883-02-20
Page
Seite 125 (sequence 13)
Language
German
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125 den öffentlichen Angelegenheiten, bald den Privatintereffen — aber so zahlreichen und so lvichtigen, daß sie säst öffentliche Interessen wurden — zugleich mit der Hülse durch die Capitalien, die er erworben hatte, die noch wirksamere Unterstützung seines durchdringenden und sicheren Urtheils. Man muß die Erinnerungen von mehr als 40 Jahren wieder er- .wecken, um die ersten Spuren seines heilsamen Eingreifens in den Tagen der Krisis wiederzufinden. Im Jahre 1841 verdankte man es seinem Beistände, daß ein großes finanzielles Etablissement, dessen Sturz den Ersparnissen und dem Credit ungeheuere Verluste gebracht hätte, siegreich den Sturm überwand, in dem es dem Untergange ausgesetzt gewesen war. Einige Jahre später, während einer starken Finanzkrise, stellte er, voll Vertrauens in den Credit Belgiens, der Regierung 10 Millionen zur Verfügung. Im Jahre 184>, inmitten der Aengste, in welche die revolutionäre Seuche, welche allen Staaten Europas drohte, den Handel und die Industrie versetzt hatte, gründete er in Brüssel die Union du Credit, deren dauernde günstige Entwickelung er, den schwierigen Zeiten zum Trotz, voraussah. Bald erhob sich sein Einfluß höher, und seine Mittheilungen, durch seltene Fähigkeiten, welche die Erfahrung noch vermehrt hatte, eingegeben, erleuchteten oft die Leiter unserer großen finanziellen Institute. Es giebt von diesen so zu sagen keins, dem er fremd gewesen wäre. Aber stets muß man feinen Namen auf den ersten Seiten ihrer Annalen suchen, in dem Bericht von den Schwierigkeiten und Arbeiten der ersten Zeiten. Er war Direktor der Banque Nationale, zu deren Gründung er beigetragen hatte, er präsidirte dem Verwaltungsrath der Baisse d'exargne, er war einer der Gründer der Societe du Credit communal. Ter Eifer für das allgemeine Gedeihen beseelte ihn bis zum letzten Tage seines Lebens. Es ist erst wenige Monate her, als er schon mit dem Uebel zu kämpfen hatte, das ihn dahin raffen sollte, da rang er mit Müdigkeit und Schwäche, welche ihn befielen, um mir in langen Unterredungen die Frucht seines Nachdenkens und feiner Studien betreffs der Gründung von Seeundärbahnen mitzutheilen, welche eine der letzten wichtigen Beschäftigungen seines Lebens war. Er besaß einen sicheren und uneigennützigen Rath; aber was wahrhaft groß in dem Charakter Bischoffsheims war, das war seine Bescheidenheit. Sie veredelte alle seine Handlungen. Man findet seine Ideen, seine Arbeit in einer großen Zahl von nützlichen Werken und er hat selbst nirgends seinen Namen darauf geschrieben. Niemals hat ihn Jemand sich der Dienste, die er geleistet, rühmen hören. Diese konnten jedoch nicht verkannt werden. Die Institutionen, bei deren Gründung er mitgewirkt, ließen sie zu Tage kommen. Zur gewöhnlichen Naturalisation im Jahre 1841 zugelaffen, erlangte er 1*51» die große Naturalisation und seit 1862 erkoren ihn die Wähler des Arrondissements von Brüssel als Vertreter dieses Arrondissements im Senat. Sein Mandat wurde erneuert während mehr als 20 Jahre. Wir fanden in ihm einen freundlichen und sehr fleißigen Collegen in unseren Debatten. Er nahm nicht oft das Wort, aber hörte stets mit gespannter Aufmerksamkeit und wußte seine Ansicht in einige knappe und schlagende Worte, im richtigen Augenblicke gesprochen, zufannnenzufaffen. Wenn er sprach, that er es mit der Autorität, welche man immer in unseren Versammlungen denjenigen zugesteht, welche eine tiefe Kenntniß der Gegenstände besitzen, welche sie behandeln. Wenn er den politischen Debatten fern blieb, war dennoch Niemand fester als er in seinen Ansichten, noch ergebener seinen Grundsätzen, deren Verwirklichung in seinen Augen die erste Bedingung des öffentlichen Wohles war. Er gab stets erneute Proben seiner Hingebung. Es giebt kein nützliches und liberales Werk, dem er nicht seine Hülfe und seinen Beistand gewährte. Es war niemals vergebens, daß man sich an ihn wandte im Namen des Unterrichts oder der Wohlthätigkeit. — Wenn ich, das Gebiet der öffentlichen Angelegenheiten verlassend, den Privatmann zu schildern hätte, so würde ich Ihnen sagen, wie wohlwollend und diensteifrig er für alle war, von desto leichterem Zugang, je niedriger der Bittsteller war. Ich würde Ihnen sprechen von seiner Lebensweise und seinen Gewohnheiten, welche in dem Maße einfacher zu werden schienen, als der Reichthum wuchs, der bei so vielen Andern die Eitelkeit nährt, und für ihn nur ein Sporn zur Bescheidenheit schien. Zur selben Zeit, als Bischoffsheim eine unermüdliche und offenkundige Unterstützung so vielen öffentlichen Werken lieh, wie vielem Unglück hat er da im Stillen beigestanden! Wie viel Wohlthaten im Geheimen ausgetheilt, nur offenbart durch einen Ruf der Wohlthätigkeit und des Edelmuthes, der nicht täuscht! Aber wenn ich, um das Andenken des Freundes zu ehren, den wir verloren haben, Begeisterung aus den Empfindungen schöpfe, welche diejenigen erfahren, deren Elend durch seine hülfreiche Hand gelindert worden ist, so erfülle ich noch eine höhere Aufgabe, indem ich das Gedächtniß wachrufe an seine Treue und seine Hingebung an die Sache, welche er ergriffen, und ich erfülle eine öffentliche Pflicht, indem ich der großen Dienste gedenke, welche er dem Staate geleistet hat. Im Jahre 1847 schrieb der derzeitige Finanzminister an Bischoffsheim: „Ich lasse Ihnen gern die Gerechtigkeit wideri fahren, daß jedesmal, wenn es sich um finanzielle Fragen handelte, die Regierung Sie stets bereit gefunden hat, ihr mit Ihrer Erfahrung zur Seite zu stehen. Es wird ein Tag kommen, wo der Finanzminister, wer es auch sei, sich bewogen fühlen wird, davon bin ich überzeugt, diese Dienste anzuerkennen." Es liegt mir ob, meine Herren, dieses Versprechen zu halten, indem ich an sie erinnere in diesem schmerzlichen und feierlichen Augenblicke, wo wir unserem Collegen ein ewiges Lebewohl sagen."

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