Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-20 · Heft 8 (20.2.1883) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 8 (20.2.1883)
Date
1883-02-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3227447-3227456--40587-3308988
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Allgemeine Zeitung des Zudenthums. Ein »npiirtcilschcs Organ fiir alles indische Jntcrcffc. > Diese Zeitunq erscheint wöchentlich. Preis vierteljährig2 Merk. Abonne- > ment in Deutschland (Postzeitungsliste! Nr. S2) und Oesterreich bei allen Posts Sintern, außerdem durch den Buchj Handel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. GxpeöiLion: Leipzig, Moßpkcrh 18. In redactionellcn Angelegenheiten! wende man sich an vr. L. Philippson in! Bonn direct, in allen übrigen an die | Berlagshandluog. Beilagen (Gebühr > 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 47. Jahrgang. Leipzig, den 20. Februar 1883. JVo. 8. Inhalt. Leitende Artikel: Religion oder Race? lieber eine Borlesung von Ernst Renan. I. — Zeitungsnachrichte»: Deutschland: Berlin, Tarmstadt, Heidelberg. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Preßburg. — Belgien: Brüssel. — Großbritannien: London. — Rußland: Petersburg. — Türkei: Bon der türkischen Küste.. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Reden des Finanzministers Graux und des Oberbürgermeisters Büls von Brüssel am Sarge des Senators I. R. Bischoffsheim. — Vermischtes. Bonn, 14. Februar. Religion oder Race? lieber eine Vorlesung von Ernst Renan. I. Da die Verfolgung aus Glaubenshaß in der ganzen civilisirten Welt als verwerflich, ja als verbrecherisch anerkannt wird, so haben die Antisemiten unsrer Zeit sich mit Händen und Füßen dagegen gesträubt, daß sie aus Religionshaß die Hetze gegen die Juden betrieben. Selbstverständlich ist diesen Versicherungen durchaus nicht zu trauen. Nicht umsonst sind es gerade evangelische Geistliche und Missionäre, die an der Spitze dieser Wühlereien stehen, und die Hetzkapläne der ultramantancn Presie, die ihnen vorgearbeitet und Heeresfolge geleistet haben; nicht umsonst häufen sie ihre Schmähungen auf das Judenthum als Religion, streuen die heftigsten Pamphlete gegen dasselbe aus, und brachten cs bis zur Wiederbelebung der mittelalterlichen Lügenfabeln; nicht umsonst wählten sie ihre ersten und wesentlichsten Motive aus der Behauptung, daß die Juden die Feinde des Christenthums seien und dieses auf die unerhörteste Weise beschimpften, wofür sie freilich nur so geringfügige Beispiele und Beweise herbeischaffen konnten, daß diese einigen Schneeflocken gegen gewaltige Lawinen gleichen» wenn man sie mit den Schmähungen vergleicht, welche täglich über das Judenthum ausgeschüttet werden; endlich ist cs nicht umsonst, daß der Antisemitismus Anklang vorzugsweise in den christlichen orthodoxen Kreisen gefunden hat. Alle diese Symptome erhärten deutlich, daß den antisemitischen Hetzereien ein gut Theil Glaubenshaß cinwohnt. Wie dem aber auch sei, die Antisemiten fanden es für opportun, den Glaubenshaß in der Tasche zu behalten, und die Maske des Racenhafscs vorzunehmen. Nach ihnen sind die Juden eine Europa fremde, abgeschlosiene Race, die sich dem staatlichen und nationalen Leben anzuschließen nicht befähigt sei, und deshalb vom staatlichen und nationalen Leben ausgeschlossen werden müsse. Sic gingen auf diese Machinationen ein weil sie dabei auf den in manchen Theilen Europas lebhaft geweckten National- und Racengeist rechneten. der ihnen die Wasien liefern sollte, deren sie sonst entbehrten. Denn in Wirklichkeit kann es keinem Unbefangenen verborgen sein, daß eine Entziehung staatsbürgerlicher und gesellickastlichcr I Rechte aus dem Motive der Raeenverschiedenhei: ebenso einem! heiligen Grundsatz des Rechtsstaates, nämlich der Gleich-! berechtigung aller Staatsangehörigen vor dem Gesetze, ins Gesicht schlägt, wie die Ausschließung um religiöser Momente! wegen. Diese Gleichberechtigung ist ein Prinzip, das mit; der Religionssrcihei' auf gleicher Linie steht, noch dazu da die Erfahrung er ugsam lehrt, daß aus die Verletzung der j Gleichberechtig: g auch die Kränkung der Religionsfreiheit nicht lange ans sich warten läßt. Ganz abgesehen von der historischen Thatsache, daß alle bestehenden europäischen Völker, von den Spaniern bis zu den Rüsten, aus einer Vermischung verschiedener Völkerstämme hervorgegangen sind, giebt 8

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.