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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1883-02-06 · Heft 6 (6.2.1883) · p. Seite 94

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
47 (1883)
Issue
Heft 6 (6.2.1883)
Date
1883-02-06
Page
Seite 94 (sequence 14)
Language
German
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94 ganze Hauswesen, bereiten die Speisen, tragen Wasser, hacken zu erlegen, dafür kaust der Vater seiner Tochter die Kleider Holz u. s. w. — reiche wie arme; auch die Kleider sür die und allerlei andere Gegenstände. Ob er weiter seiner ganze Familie werden von den Frauen angefertigt. In weiblichen Handarbeiten sind sie sehr geschickt, sticken hübsche Tabaks- und Geldbeutel und allerlei weibliche Schmuckgegenständc. Die Frauen beschäftigen sich auch mit der Brotbereitung: Oefen giebt cs nur einige in jedem Dorfe; es sind große Gruben in der Erde mit Lehm und Kalk ausgeschmiert. Meist wrrd nur ein Mal wöchentlich vor dem Sabbath gebacken, sonst bei gewissen besonderen Anlässen, z. B. bei Besuch eines Gastfrcundes. Beim Ofen versammeln sich die Frauen gern um zu plaudern; eine jede bringt Holz zum Heizen und den fertigen Teig, aus welchem die Brote geformt werden, mit. Ter Reihe nach lassen die Frauen ihr Brot backen — unterdeß vertreiben sie sich die Zeit mit Schwatzen, Lachen und Erzählen. Unter den jungen Weibern giebt es einige, welche sich die Haare und die Augenbrauen färben; andere bemalen sich das Gesicht mit verschiedenfarbigen Figuren und Kreisen, so daß sie fast wie Wilde auSsehen. Die Haare flechten sie zu einem langen Zopf, welcher in einem langen seidenen Beutel steckt, und hinten am Nacken herunterhängt. Eine sehr unangenehme Eigenschaft der kaukasischen Jüdinnen ist ihre große Zanksucht; wegen der geringsten Kleinigkeit können sie mir einander in Streit gerathen, und machen dabei eineu schrecklichen Lärm; oft kommt es zu Thätlichkeiten. Verlobung und Hochzeit. Die Verlobung findet sehr früh statt, während die Verlobten noch Kinder sind. Gewöhnlich sind die Verlobten mit einander verwandt und wohnen in demselben Dorfe (Aull, selten finden Verlobungen zwischen den Einwohnern verschiedener Aule statt. Tie Verlobung wird von den Eltern durch ein Mahl gefeiert. Während die Verlobten noch .Kinder sind, sendet allwöchentlich die Braut dem Bräutigam allerlei Geschenke, Früchte, Speisen, allerlei Handarbeiten; dagegen schenkt der Bräutigam der Braut einige Silber¬ und Goldsachen. Der Bräutigam heißt ..urass--. die Braut ..arussa“. Wenn während dieser Zeit die Braut den Bräutigam oder einen seiner Verwandten sieht, so muß sie sich auf den Boden setzen und ihr Gesicht verhüllen; der Bräutigam, sobald er die Braut oder deren Verwandten erblickt, so scheut er sich zu sprechen. Findet in dieser Zeit eine fremde Hochzeit statt, zu der das junge Paar auch geladen ist. so opfert der Bräutigam den Musikanten Geld, damit sie gut spielen. Sie nennen das einen „Schabasch". Tie Braut tanzt dabei in der Mitte, die andere Jugend im Kreise um die Braut. Einen Monat vor der Kopulation kommt der Vater des Bräutigams mit zwei Zeugen in das Hans der Braut, um dort die Kaufsumme für die Braut Tochter eine Mitgift schenkt, hängt von seinem guten Willen ab. Den eigentlichen Ehekontrakt mit einzelnen genau stipulirten Bedingungen schließt der Rabbiner ab; der Kontrakt enthält allerlei Bestimmungeu über etwaige Scheidung u. s. w. Eine Woche vor der Hochzeit läßt der Bräutigam ver» schiedene Speisen an diejenigen Personen austheilen, welche noch in Trauer um einen im Laufe des Jahres Verstorbenen sich befinden. Das geschieht, damit jene Trauernden ihm die Erlanbniß zur Hochzeit geben sollen. Am Anfang dieser Woche wählt die Braut aus. dem Kreise ihrer Freundinnen zwei Mädchen, welche ihr behülflich sein sollen, die Hochzcitsgewänder zu nähen. Diese Mädchen, welche bis zur Hochzeit bei der Braut bleiben, heißen „Sogduschcn", d. h. Dienerinnen. Am Sonnabend Abend gehen sie zu allen Jungfrauen des ganzen Dorfes und bitten sic zur Braut zu kommen. Gewöhnlich findet die Kopulation am Mittwoch Abend, sehr selten am Donners-! tag und Freitag statt. Vom Sonntag bis zum Mittwoch! bleiben nun die Jungfrauen bei der Braut, sie nehmen dort ihre Mahlzeiten ein, singen und tanzen. Morgens und j Abends steigt die Braut mit ihren Jungfrauen auf das Dach ihres Hauses und hier werden tatarische Lieder gesungen. Tann macht die Braut mit ihren Jungfrauen unter Musikbegleitung Besuche bei ihren Verwandten, und ladet diese zur Hochzeit ein. In allen Häusern werden die Mädchen bewirthet und die Braut wird beschenkt. So gehen die drei Tage hin. (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Ein jüdischer Held ans dem ungarischen Freiheitskriege. In der jüngsten Debatte über die „Judenfrage" im ungarischen Abgeordnetenhausc rief ein antisemitischer Abgeordneter ans: „Ich möchte doch den Namen eines jüdischen Helden hören'." Ter ehemalige Regimentsarzt der Hunyady- Husaren, l>r. Ignaz Barna, nennt einen jüdischen Helden: den Honved-Korporal Emanucl Licht aus Nagy-Karoly, seinec- Zeichens ein Kappenmacher. Licht zeichnete sich besonders bei folgenden Affairen aus: I. als sich das in Weißkirchen verspätete und eingeschlossene 26. Honved-Bataillon und ein Zug Hunyady- Hnsaren bei Werschetz am 19. Januar 1849 durch 4000 bis 5900 Kaiserliche und Sereschaner durchhaute; 2. bei Jsaßeg am ll. April, wo vom 28. Bataillon 230 theils tobt, thcils verwundet auf dein Platze blieben und er immer in der

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