Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1883)
- Date
- 1883-02-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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"Uffgemein e Zeitung des Iudenlhums. Ein nnparleiischks Organ für alles jüdische Interesse. > Diese Leitung erscheint wöchentlich. > Preis vierteljährig S Mer!. Abonne- I ment in Deutschland (Postzeitungsliste! Nr. S2) und Oesterreich bei ollen Post- I ämtern, autzerdenr durch den Buch- > Handel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Kzepeöitiorr: Leipzig, Woßplcrh 18. In redactioneüen Angelegenheiten wende man sich an vr.L. Phrlippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlaashandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 47. Zuhrgung. Leipzig, den 6. Februar 1883. JVo. 6. Iohalt. Leitende Artikel: Jüngste Vorchsäge. — Aus dem ungarischen Abgeordnetenhause. I. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitnngsnachrichten: Deutschland: Berlin, Chemnitz. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Preßburg, Äecskemet. — Frankreich: Pari-.— Rußland: Petersburg. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Die kaukasischen Juden. (Fortsetzung.) — Vermischtes: Ein jüdischer Held aus dem ungarischen Freiheitskriege. €Xztiüe(. Bonn, 31. Januar. Jüngste Vorschläge. Biele unserer Glaubensgenossen fühlen sich seit längerer Zeit in eine unbehagliche Stimmung versetzt. Daß der Antisemitismus nun seit mehr als drei Jahren seine traurige Rolle spielt, daß er. wenn scheinbar in dem einen Lande zur Ruhe gekommen, in einem anderen seine Brutstätte aufschlägt und selbst in solchen Ländern Boden zu gewinnen sucht, wo er von vornherein wenig Aussicht hat, wie z. B. in Frankreich und Belgien; ja, daß er, selbst wo er ziemlich von der Bühne der Oeffentlichkeit abgetreten, doch immer wieder durchzubrechen trachtet, wie z. B. gegenwärtig durch das Borgehen des Pred. Hapke in Berlin, dies Alles beunruhigt sie nicht wenig und zeigt ihnen auch die Zukunft in düsterem Lichte. Allerdings lehrt uns die Geschichte, daß man sich immer täusche, sobald man sich durch die Meinung einer unbedingten Herrschaft liberaler Gesinnungen und Prinzipien in Sicherheit wiegen läßt. Seit den anderthalb Jahrhunderten, in welchen die modernen Ideen von Staat und Gesellschaft sich zur Geltung zu bringen suchen, hat sich stets ein Wechsel der Aktion und Reaktion vollzogen, und es läßt sich sogar nicht verkennen, daß die Zeiträume, in welchen der Fortschritt die Obherrschaft erlangt hatte, stets viel kürzer bemesien waren, als die Dauer der reaktionären Bewegungen. Selbst in unserem engeren Baterlande folgte auf das Regiment Fried nch des Großen das Wöllner'sche Regime, auf die Stein- Hardenberg'sche Reformzeit und die Freiheitskriege die Congresse zu Verona, Aachen und Karlsbad, auf die Bewegungen der Jahre 1847 bis 1850 die Reaktion der Raumer und Mühler. Jndeß geht darum die menschliche Gesellschaft nicht rückwärts, kehrt zu den früheren Standpunkten niemals zurück und trägt die Hauptelemente des erlangten Fortschrittes auch in die Zeiten der Reaktion hinüber. Was dann auch an den gewonnenen dauerhaften Institutionen gemäkelt und gerüttelt wird, sie zu erschüttern, niederzuwerfen, ganz und gar zu verfälschen vermag keine reakttonäre Gewalt. Ja, die Erfahrung lehrt, daß gerade die bedeutenden Erfolge, welche die Reaktton erlangt, die Veranlassung geben zu einem raschen und kräftigen Umschwung. Dies war der Gedanke, der uns vom Beginne der antisemitischen Bewegung an vor jeder Ueberraschung schützte, uns tröstete und aufrecht erhielt; es ist der Gedanke, den wir allen zaghaften oder allzu erregten Gemüthern einflößen möchten. Eine andere Frage ist aber: was hätten die Juden jener brutalen Wühlerei gegenüber wohl thun sollen, oder was hätten sie noch jetzt be-! sonders in den Ländern zu thun, in welchen jene gegenwärtig ihre Hauptthätigkeit entfaltet? Die Geschichte der verslosienen Jahre erweist, daß die Juden noch immer ihre Hauptstärke in dem passiven Widerstande finden. Die meisten beschränken sich auf die Rolle des Straußes, der den Kopf in den Sand steckt und an die Anwesenheit des Jägers nicht glaubt. Sie halten für das Beste, stillzuschweigen und still auszuhalten, bis eine besiere Zeit wiederkäme. Sie i meinen, daß das Vertuschen und Verdecken das Klügste wäre, e