Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1883)
- Date
- 1883-01-30
- Page
- Seite 78 (sequence 14)
- Language
- German
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78 Ihn rafft der Gluthtvind auf. und er fährt dahin Und er stürmt ihn fort von seiner Stelle, Und schleudert auf ihn erbarmungslos, Bor seiner Gewalt flieht, flicht er." Versichert doch auch der ruhige, gcmeffene Spruchrcdner: „Wie Sturm dahinfährt, ist der Frevler nicht mehr, doch der Gerechte ist eine ewige Beste." (10, 25.) — Den Sturm als Strafgericht Gottes schildert auch Jesajas (29, 0.): Vom Ewigen der Heerscharen wird geahndet, in Donner, Erdbeben und großem Getös und Sturm und Wetter und fressender Flamme des Feuers" (vgl. Amos 1, 14.). „Denn siehe, der Ewige kommt im Feuer und wie der Sturm seine Wagen auszulassen in Gluth seinen Zorn und sein Dräuen in Feuerflammcn. (66, 15.) Sehr anschaulich schildert Jeremias den Sturm als Strafgericht (4, 11 ff.): In selbiger Zeit wird zu diesem Volke und Jerusalem gesprochen: „Ein heißer Wind von den nackten Höhen in der Wüste hin nach der Tochter meines Volkes, nicht zum Worfeln und nicht zum Säubern! Ein voller Wind von dort kommt zu mir, nun will auch ich Gericht über sie sprechen. Siehe, gleich Wolken steigt er herauf, gleich dem Sturm? sind seine Wagen, schneller als Aare seine Roffe: „Wehe uns, denn wir werden verwüstet!" — Der Prophet Nahum lehrt deshalb (1, 3.): „Langmüthig ist der Ewige, doch groß an Kraft und läßt nichts ungestraft; der Ewige, in Sturm und Wetter ist Sein Weg, und Seiner Füße Staub Gewölk;" und der Psalmist ruft dem Herrn zu: „Verfolge sie (die Feinde) mit Deinem Wetter und mit Deinem Sturme schrecke sie." (83, 16.) Es ist deshalb ein öfters gebrauchtes Gleichniß „wie Spreu vor dem Winde" fliehen: so die Nationen Jes. 11, 13, die Fürsten „wie Stoppel trägt sie der Sturmwind dahin' (Jes. 40, 24.), die Feinde: „Du worfelst sie, der Wind trägt sie dahin, der Sturmwind zerstreut sie (41, 16.). Das Unglück, wenn es den Menschen überfällt, wird mit dem Wirbelwinde verglichen (Spr. 1, 27.) .Die Wirkungen des Sturmes werden mehrfach geschildert: „der Sturm zermalmet" (Hiob 9, 17.); „siche, da kam ein Sturmwind über die Wüste her und stieß auf die vier Ecken des Hauses, daß es auf die Leute fiel und sie starben" (1, 19.); „bricht ein Sturmwind herein, siehe, die Mauer fällt ein" (Ez. 13, 11.13.) vor dem Wehen des Sturmes gefrieren die Waffer: „Aus Gottes Kammern kommt Sturm, aus den Schläuchen Frost, vor Gottes Hauch wird Eis, die weiten Wasser fest." (37,9.) Der Mensch eilt deshalb beim Nahen des Sturmes nach einem schützendem Orte: „Ich enteile zum Schutzort mir vor dem reißenden Wind, vor dem Sturme (Ps. 55, 9.). — Einen Sturm auf dem Meere schildert Jonah 1, 4.: „Da erregte der Ewige einen großen Wind auf das Meer, und es ward ein großer Sturm auf dem Meere, und das Schiff dachte zu scheitern," und unter dem Rasen des Windes „ward das Meer immer stürmischer" (11.), „und die Leute ruderten, um ans Land zurückzukommen, aber vermochten es nicht, denn das Meer ward immer stürmischer um sie (13.); endlich stand das Meer ab von seinem Wüthen" (15). Hervorgehoben wird der „Sturmwind von Mitternacht" (Ez. 1, 4.), sowie aus Süden: „Wie Stürme im Süden herbrausen, kömmt's aus der Wüste, aus furchtbarem Lande (Jes. 21,1.). — Elias wird im Sturmwinde gen Himmel emporgehoben (2 Kön. 2, 1. 11.). — Das bekannte Wort „Wind säen sie und Sturm erndten sie," findet sich Hosea 8, 7. — lind so schließen wir diesen Absatz über den Sturm mit dem schönen und tiefsinnigen Gesichte Elias' (1 Kön. 19, 11. 12.): „Und siehe, der Ewige zog vorüber, und ein großer, starker Wind, Berge zerreißend und Felsen zerschmetternd vor dem Ewigen; nicht im Winde war der Ewige. Und nach dem Erdbeben Feuer; nicht im Feuer war der Ewige. Und nach dem Feuer ein sanftes Säuseln." (Schluß folgt.) Vermischtes. Kuriosum aus Rumänien. Das rumänische Abgeordnetenhaus hat soeben — ein seltener Fall — das Bürgerrecht einem gewissen Tertulian Tobias gewährt. Bekanntlich hat das rumänische Gesetz, zu logischer und konsequenter Ausführung der Bestimmungen des Berliner Congreß, die Bestimmung getroffen, daß zu der Naturalisation jedes Juden die Zustimmung beider Kammern gehören. Jetzt hat es sich herausgestellt, daß dieser Tertulian Tobias bereits vor 16 Jahren in Galacz verstorben ist! Jndeß können die Rumänen über eine solche Kleinigkeit schnell wegkommen, denn im Rumänischen werden die Worte „naturalisirt" und „beerdigt", durch denselben Ausdruck wiedergegeben : impLinüritenit. Pensionat und höhere Töchterschule von Frau J>r. Leverson. Hannover, Thiergnrtenstraße 3 n. 4. Näheres durcb Prospecte. jl4628j Ansnayme non Zöglingen zn jeder Zeit. Anzeigen._ Höhere Töchterschule und Pensionat. I Beste Referenzen. Mäßige Bedingungen. Eintritt kann zu jeder Zeit erfolgen. I Geschwister Sobernheim, Bingen a. Rh. [F. nass] I