Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1883)
- Date
- 1883-01-30
- Page
- Seite 77 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3227447-3227453--40548-3308946- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1 ber Münchener Synagoge. Unter diesem Titel veröffentlicht einigen. Bon Dr. Franz Lachner, königl. bayr. Generalder Sohn des Componisten ein in 5 Heften erscheinendes Musikdirektor, Prof. Rheinberger, königl. bayr. Hof-Capell- Werk, das geeignet ist den Bedürfnissen der Jetztzeit auf liturmeister, Prof. vr. E. Hanslik, kais. königl. Regierungsrath gischem Gebiete in vollkommenster Weise zu entsprechen. Es und Obercantor Singer in Wien günstigst beurtheilt, kann enthält Chöre, die mit dem strengsten Satze, Lieblichkeit, dieses willkommene, zeitgemäße Werk allen israel. Gemeinden melodische Stimmführung, durchaus angemessenen Ausdruck wärmstens empfohlen werden. Zu beziehen durch den Herverbinden — denen eine höchst gelungene Orgelbegleitung ausgeber Franz Josef Löwenstamm in Wien, Nibelungenbeigegeben ist, die sich aber auch ohne dieselbe zum wirkungsgasse 3, ferner durch die Musikalienhandlungen C. A. Andr« vollen Vortrage eignen. Dankenswerthe Würdigung wurde in Frankfurt a. M., Falter & Sohn in München, den Recitativen gewidmet, die ebenfalls mit Orgelbegleitung Cantor Popper, versehen, moderne Wendungen mit traditionellen Weisen ver- 4 I? euitl Der Winnach -er Dibel. Der Sturm fährt über das Meer und das Land. Er durchwühlt die Wogen des Oceans, thürmt sic auf wie Berge und stürzt sie jählings wie in tiefen Abgrund. Er faßt das Schiff, das über die Wellen fährt, zerbricht den Mast, zerschlägt das Steuer, und schleudert das Wrack an die Klippe, daß es zertrümmert. Dann rast er über das Land dahin, bricht die Kronen und Stämme tausendjähriger Eichen, weitastiger Buchen und hochaufsteigendcr Tannen, hebt die Dächer ab und stürzt die wankende Mauer um. Da der Sturm in allen Zeiten und Zonen seine gewaltige Wirkung übt, ist es selbstverständlich, daß wir ihm nicht selten in den Büchern der h. Schrift begegnen. Er fand hier mehrere synonyme Ausdrücke: -Pn: rv.*i, o^-p, mj?c, -per, (p©j Jes. 30, 30 ist zweifelhaft.) Wenn nun der Sturm nach der modernen Anschauung eben nur eine atmosphärische Erscheinung ist, ein Produkt zusammenwirkender Faktoren! aus zeitweiliger und örtlicher Beschaffenheit der Luft — so faßt die biblische Anschauung ihn als beseelt von dem be- , stimmten Willen Gottes zur Ausführung dieses Willens aus. Sie erkennt ihn nicht allein als eine blos naturgesetzliche Erscheinung, sondern auch von Gott zu moralischen Zwecken bestimmt. Sie sagt: „Sturmwind, der sein Wort vollführt" (Ps. 148,8); aber, indem sie ihm dieses besondere Beiwort giebt, zählt sie ihn doch der Sonne, dem Monde, den „Sternen des Lichtes", dem Himmel und dem Gewässer, den Fluthen, Blitz und Hagel, Schnee und Nebel zu, die alle sich vereinigen sollen zum Lobe des Herrn, der sie geschaffen und ihnen „ein Gesetz gab, das keiner überschreitet." (B. 3, ff.) Die echte biblische Anschauung ist also, daß der Schöpfer alle Naturerscheinungen durch ewige Gesetze geordnet hat, daß er jedoch durch sic und vermittelst ihrer die höchsten moralischen Zwecke verfolgt, die Ausgleichung des Sittlichen, die Gerechtigkeit, die sittliche Weltordnung. Ein recht anschauliches Bild giebt uns deshalb Ps. 107, 23 ff.: eton. „Die zur See auf Schiffe stiegen. Auf großen Wassern das Werk betrieben Sie gewahrten des Ewigen Werke Und Seine Wunder auf der Tiefe. Er sprach, und ließ den Sturmwind erstehen. Der seine Wellen emportrieb; Sie schwollen zum Himmel, sie sanken zum Abgrund: Ihre Seele zerrann in der Noth, Sie schwindelten, taumelten. Trunkenem gleich. Und all' ihre Weisheit war zu Ende. Da schrieen sie zum Ewigen in ihrer Noth: Aus ihren Bedrängnissen bracht' er sie. Er schwichtigt den Sturm zum Säuseln, Ihre Wellen schweigen. Sie freuen sich, daß sie ruhig geworden, Und er führt sie zum ersehnten Ziele. Danken müssen sie dem Ewigen Seine Gnade Und Seine Wunder für die Menschenkinder." Wenn nun der Sturm für die Menschen oft mit verderblichen Folgen verbunden ist, so erkennt die Schrift hierin den Vollzug des göttlichen Strafgerichtes an den Frevlern. Hierfür sind der Stellen außerordentlich viele. Jeremias ruft aus: „Siehe, des Ewigen Sturm, Grimm geht aus, ein wirbelnder Sturm, auf die Häupter der Frevler wirbelt er nieder." (23, 19 und wiederholt 30, 23.) „Siehe, Unheil geht aus von Nation zu Nation und großer Sturm erwacht von den äußersten Enden der Erde." (25, 32.) Darum betet der Psalmist: die Feinde des Herrn, die Frevler „verfolge sie mit Deinem Wetter und mit Deinem Sturme schrecke sie (83, 16.) Allerdings will Hiob aus der Erfahrung die Bestrafung der Sünder und Frevler nicht erkennen; er frägt (21, 18.): „Sind sie Stoppeln vor dem Winde gleich, gleich der Spreu, der Sturm entführt sie?" Schon 127, 20 wird versichert: j „Ihn (den Frevler) erreichen wir Fluthen Schrecken. Des Nachts entführt ihn Sturm;