Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 47 (1883)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1883)
- Date
- 1883-01-16
- Page
- Seite 43 (sequence 11)
- Language
- German
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43 Ausschuß des Oedenburger Komitats verhandelte in seiner Rzeffow, (Galizien) Ende Deeember. Die Geschworenen letzthin unter Vorsitz des Obergespans Paul Esterhazy abge- | haben — so schwach auch die Beweise erscheinen — Stochhaltenen Sitzung auch die Angelegenheit der dort stattgefundenen linski und Moses Ritter und dessen Frau für schuldig, die antisemitischen Ausschreitungen. Der Schauplatz der Bebeiden Töchter für unschuldig erklärt. Die Berurtheilten haben wegungen war besonders der Kapuvarcr Bezirk und zwar kamen in 36 Gemeinden Unruhen vor. Es verstrich beinahe kein Tag im verflossenen Monat, ohne daß nicht hier oder dort Ausschreitungen stattgefundcn hätten. Besonders traten in der Gemeinde Himod bei Gelegenheit der Untersuchung derartige Unruhen, Zusammenrottungen und Widersetzlichkeiten gegen die behördlichen Anordnungen auf, daß aus Bitte des Stuhlrichters von Seite des Vizegespans Militär reguirirt werden mußte, mit dessen Hilfe die Voruntersuchung beendet und neun der Haupträdelssührer dem Gerichte eingeliesert werden konnten. Der Vizegcspan betrachtet die antisemitische Bewegung nicht als die Folge von Aufreizungen wider die Juden, sondern als Ausfluß des Uebermuthes der Jugend dieses Bezirks, welcher durch die Völlerei und durch das Absingen antisemitischer Volkslieder genährt wurde. Der Vizegespan erwartet die Unterdrückung dieser Bewegungen nicht so sehr von den angeordneten Sichcrheitsvorkehrungen oder der eventuell in Anspruch;u nehmenden Brachialgewalt, als vielmehr von der raschen und strengen Ahndung von Seite der strafenden Gerechtigkeit. Im Laufe der Verhandlung hörte man auch die Ansicht, daß der Rauch der ganzen Sache viel größer ist als die Flammen, weil die Unruhen entweder von betrunkenen Leuten oder übermüthigen Vagabunden infeeuirt sind, während sich der intelligentere Theil der Bewohner fern hält. Pest, 5. Januar, ü. U. (Privatmitkh.) Tic Stimmung ist hier eine sehr trübe. Die ungarische Masse zeigt sich der Kultur noch ferner stehend, als man geglaubt, und sie leiht deshalb der antisemitischen Wühlerei ihr Ohr. Diese nimmt eine immer größere Breite ein, als immer mehr Personen ihren Bortheil darin finden. Tie magyarischen Blätter fahren fort, in der Tißa-Eßlarer Assairc zu schüren, obschon sic wissen, wie sehr sie Ungarn vor der ganzen civilisirten Welt damit blamircn. Diese traurige Affaire rückt nicht von der Stelle. Die unglücklichen Gefangenen bleiben gefangen; Moritz Scharf bleibt bei dem Gesängnißwärter und wird von christlichen Lehrern unterrichtet — wer denkt hierbei nicht an den Mortarafall! Brody, 31. December. Heute wurden die letzten 3!> jüdisch-russischen Flüchtlinge nach Amerika abgcschickt, und damit ist nach fünfzehnmonatlicher Thätigkeit vom hiesigen konnte die Hilfsaktion beendet. Ohne jeglichen Zwischenfall und ohne Inanspruchnahme der Regierung ist die schwere Ausgabe der Expedition und Repatriirung von über 1:>,M>0 Flüchtlingen glücklich gelöst; das Hilsskomite hat sich deshalb heute ausgelöst. sofort die Nullitätsbeschwerde angemeldet. Frankreich. Paris, im Dezember. Ein Herr Mario Seialom, der lange Zeit in Egypten und in Italien gewohnt, richtet einen Aufruf an die Glaubensgenossen in Frankreich und Italien, in welchem er die Aufmerksamkeit aus den Umstand lenkt, daß die Jesuiten in Egypten durch Errichtung von Schulen eine lebhafte Propaganda treiben, die namentlich die Kinder der armen jüdischen Bevölkerung im Auge hat. Tie jüdischen Eltern fühlen auch dort das Bedürfniß, für ihre Kinder Unterricht zu -erhalten, da der Umschwung der Verhältnisse das Verharren in der früheren Unwissenheit nicht zuläßt, ohne für immer zu Armuth und Elend zu verurtheilen. Da aber jüdische Schulen nicht existiren, sie auch die Gefahren nicht zu beurtheilen verstehen, senden sie ihre Jugend bereitwillig iu die Jesuitenschulen, wo systematisch aus deren Bekehrung gewirkt wird. Er fordert daher die begüterten Glaubens, genossen iu Frankreich und Italien auf, diesen Uebelständen in angemessener Weise entgegenzutreten. Wir glauben, daß dieser Appell doch zunächst an die Alliance israelite universelle zu adrcssiren sei, deren eigentlichster Zweck doch die Errichtung von Schulen in den orientalischen Ländern ist, und, wie wir glauben, in Alexandrien und Cairo bereits der Ansang gemacht hat. Großbritannien. London. Ein bedeutendes Handlungshaus für Eonscrveu in London, die H. G. John Mois und Sohn, unternehmen die Herstellung en gvos von koscheren Conserven; es hat sich in Einvernehmen gestellt mit der Agentur Cook, so bekannt bei den Touristen der ganzen Welt, damit Depots dieses Produktes in Italien, Egypten, Norwegen (?), Spanien (?) x. errichtet werden. Es scheint, daß mehrere englische transatlantische Schissseompagnien ebenfalls die Absicht haben, sick mit solchem Fleische zu verproviantiren, damit jeder Reisende, der es verlangt, es haben kann. Rumänien. Bukarest, 4. Januar. Der Minister dcS Innern erläßt eine Verordnung, um von fremden Eltern in Rumänien geborene junge Leute, welche in die Rekrutirungsliften nicht ausgenommen sind, zur Erfüllung der rumänischen Militärpflicht beizustellen. (Bekanntlich heißen im modernen Rumänischen „von fremden Eltern in Rumänien geborene junge Leute", die in Rumänien geborenen Juden. Gew'ß ist diese