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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-12-27 · Heft 52 (27.12.1881) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 52 (27.12.1881)
Date
1881-12-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Em impartrnsches Organ für alles Wische Interesse. Diese Heitnnc, erscheint wöchentlich. Preis Brerteljäbrig » Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste \ Rr. SS) und Oesterreich bei allen Postämtern. nutzcrdem durch den Buchhandel. | Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. j In redactioncllcn Angeleczenbeiten wende man sich an Dr. 2. Philippson in i Bonn direct, in allen übrigen an die I Bcrlagsbandlung. Beilagen (Gebühr lL M.i sind gleicksaüs an letztere einzuscnden. 45. Jahrgang. Leipzig, den 27. December 1881. JVo. 52. Inhalt. Leitende Artikel: Zum Schlüsse des endenden und zum Beginne des neuen Jahrgangs. I. — Die Sitzungen des deutschen Reichstages am 15. Dez. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Dresden, Fürth. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Clausenburg, Brody. — Frankreich: Paris. — Griechenland: Athen. — Rußland: Petersburg. — Rumänien: Rom. - Neu-Holland: Sioriey. — Reu-Seeland: Auckland. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Die Juden in Tunis. (Fortsetzung) — Vermischtes: Ein Gewissenssall. — Eine Unwahrheit Mohamed's. Mit dem Januar 1882 beginnt die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" ihren 46. Jahrgang. Wir ersuchen um baldigste Erneuerung des Abonnements, damit kein Verzug in der Zusendung erfolge. Daumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. ScitctiDc ÖUiiü<C. Bonn, den 21. Dezember. ZUM Schluffe des eu-euden und zum beginne des «euen Jahrgangs. „Unsere Lebenstage, ihrer find siebzig Jahre, und bei großer Kraft achtzig Jahre, und ihr Sturm ist Müh' und Unheil, denn schnell eilt's und wir fliegen dahin" (Psalm 90, 10). Aber schon der 12. Vers lautet: „Zu zählen unsere Tage, also lehre uns, daß wir ein weises Herz erlangen", und Vers 14: „Am Morgen sättige Deiner Gnade uns, daß wir jubeln und uns freuen alle unsere Tage. Erfreue so viel Tage uns, so Du uns drängtest, so viele Jahre wir Unglück sahen," und der Psalm schließt: „Es sei die Lieblichkeit des Ewigen unsres Gottes über uns und das Werk unsrer Hände festige an uns, und das Werk unsrer Hände, festige es!" So unterscheidet sich der Pessimismus dieses Psalms, der an Gedanken und Sprache so viele Aehnlichkeiten mit der Thora aufweist (vgl. unfern Commentar zu diesem Psalm B. III. S. 239 ff.), von andern Psalmen, in welchen aus dem pessimistischen Gedankengange ein sentimentales Bangen und Sehnen erfließt, und von Kohelet. wo aus der pessimistischen Anschauung ein Aufgcben aller menschlichen Thätigkeit resulrirt. Die biitern Empstndungen über die Vergänglichkeit und Kürze des menschlichen Lebens, über den „Sturm", der uns hin- und herschleudert, über die Mühsale und das Unheil, die wir zu ertragen, werden eingedämmt durch die Besonnenheit, mit welcher wir den Fortgang unsres Lebens ordnen, durch die weise, d. i. erleuchtete Auffassung der Ereignisse, gehen in die Freude über, mit welcher wir jede Gunst des Geschickes durchkosten mögen, und werden verdrängt durch ein festes Schaffen und Wirken, durch Aufrichtung dauerhafter Werke. Ties ist in der That die eigentlich althebräische, biblische Aufsaffuug des menschlichen Lebens: die innigste Gottesverehrung, das deniüthige Bewußtsein der menschlichen Schwäche vor der Majestät und Unendlichkeit Gottes, das Alles beherrschende Gefühl der Gnade und Barmherzigkeit Gottes, die Freude an den Lichtseiten des menschlichen Lebens, das namhafte Thun und Arbeiten in Ausdauer und unter dem göttlichen Segen. Am Tage, nachdem diese Nummer unsrer Zeitung ausgegeben worden (am 28.), vollendet Schreiber dieses sein siebzigstes Lebensjahr, und, angelangt an dieser Staffel, gesteht er offen, daß als das Resultat seiner Erfahrungen sich ihm die eben gezeichneten Anschauungen des 90. Psalms ergeben haben. Ein vielbewegtes und arbeitsvolles Leben liegt hinter ihm.

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