Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1881)
- Date
- 1881-11-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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. "Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Vierteljährig:! Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Rr. SS) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: Baurngärlner's Buchhandlung in Leipzig. > In redactioncllen Angelegeuheitcn l wende man sich an vr. L. Philippson in s Bonn virecl, in allen übrigen an die , Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr > 12®.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. | 45. Jahrgang. Leipzig, den 22. November 1881. ^c». 47. Indali. Leitende Artikel: Die Wahlen zum deutschen Reichstag. III. — Ein ungarisches Uriheil. — Das Juventhum und der Prediger Pischo». I. — Vom Religionsunterricht. V. (Fortsetzung.) — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Breslau, Könitz, Danzig, Mannheim, Jnowrazlaw, Stolp, Gera, Aus dem Grotzh. Baden. — Oestcrreich-Ungarn: Pest, Krakau. — Großbritannien: London. — Italien: Turin. — Rußland: Brody, Podwoloczyska. — Amerika: New-Orleans. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Der Journalist Julius Hirsch. — Die Reise des österreichischen Kronprinzen nach Jerusalem. — Vermischtes. icit'cuc'c ölttkcl. I Bonn, den 16. November.! Die Wahlen zum deulschen Deichstage. III. j Bis zu dem heutigen Tage (dem 10. Nov.) sind 5 Abgeordnete jüdischer Religion definitiv gewählt: Ludwig Löwe! (Berlin), Laster (Meiningen), Bamberger (Alzey) und Sonne-! mann (Frankfurt, a. M.), also sämmtlich in ihren alten Sitzen und Rve in Hamburg. Dagegen find 4 unterlegen: Mendel (Niederbarnim) und zwar in der ersten Wahl, der Sozialdemokrat Oppenheimer (Elberfeld), der FortschrittsmannJustizrathFreund (Breslau) und Wolfson (Hamburg) in der Stichwahl. Oppenheimer wich einem Fortschrittsmann mit der immerhin achtenswerthen Stimmenzahl von 12000 gegen 13000. Betreffs des vr. Freund ist zu verzeichnen, daß auch im anderen Breslauer Wahlbezirk der Fortschrittsmann Beblo unterlag, beide gegen Sozialdemokraten, und daß Freund 7887 Stimmen gegen 8350 hatte, während Beblo nur 0798 gegen 8757 seines sozialdemokratischen Rivalen erhielt. Man ersieht hieraus, daß man die Niederlage des Dr. Freund keiner besonderen antisemitischen Strömung zuschreibcn kann; vielmehr ist fie ebenso wie die Beblo's dadurch bewirkt worden, daß die Conservativen für die Sozialdemokraten stimmten. Daß diese sog. Conservativen sich hiermit selbst ein Zeugniß ihrer politischen Gesinnung und ihres Charakters ausgestellt haben, brauchen wir nicht hervorzuheben. Wir begreifen, daß ein Conservativer für einen Ultramontanen stimmen kann, für einen Sozialdemokraten aber nur, wenn jener sich selbst aufgiebt. Das wichtigste Tages ereigniß bleibt für uns die Antwort, welche der Reichskanzler dem Herrn Behrend gab, mit der Erlaubniß, sie zu veröffentlichen, und die wir in vor. Nr. mitgetheilt haben. Sie desavouirte die Antisemiten und ihre Agitationen und giebt die Bürgschaft, daß der Reichskanzler eine Beschränkung der versaffungsmäßigen Rechte weder beabsichtige' noch zugeben werde. Wir fügen hieran noch eine Meldung der „Magdeb. Ztg.", nach welcher Fürst Bismarck wiederholt sich gegen das agitatorische Treiben des Berliner Hofpredigers geäußert haben soll. Es soll dies namentlich im letzten Frühjahr nach einem für die Bundesrathsmitglieder gegebenen Diner in ganz unzweideutiger Weise geschehen sein. — Unsererseits hat die letzte Versicherung, daß gegen unsere verfassungsmäßige Stellung nichts geschehen solle, den Hauptwerth. Denn was die antisemitische Agitation betrifft, so ist sie bis jetzt so ungestört geblieben und hat so wenig auch nach den Wahlen aufgej hört, daß die Erklärung des Reichskanzlers in dieser Sache so lange irrelevant erscheint, als keine Thatsache auf sie folgt. Im Gegentheil läßt sich anführen, daß in der Versammlung des antisemitischen „deutschen Bolksvereins" vom 5. Nov. vr. Bernhard Förster als Hauptaufgabe dieses Vereins bezeichnete, das Judenthum noch schärfer zu bekämpfen als bisher, daß er dann ein Telegramm an den Reichs- 47