Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1881)
- Date
- 1881-11-15
- Page
- Seite 765 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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765 ihre Vertreter die Herren Professor Westfal und Geheimrath; Anerkennung aussprachen. 3tt gleicher Weise feierte die Dr. Langenbeck, welche der früheren segensreichen und lehr-j Hufland'sche Gesellschaft den Ehrentag ihre» Mitgliedes, reichen Wirksamkeit des Jubilars in warmen W orten ihre j Aeuil Vermischtes. Alexander von Humboldt und die Juden. Es ist nicht nöthig, die überaus freundliche Stellung des großen Naturforschers und Polyhistors zu den Juden zu kennzeichnen. Er hat sie niemals verleugnet und nicht allein mit Worten, sondern auch mit Thaten bekräftigt. Es ist dies genugsam aus seinen Biographien bekannt und dokumentirt. Er hat niemals aufgehört, sich zu den Grundsätzen von 1780 ') zu bekennen, und so trat er stets, wo es sich machte, für die Gleichstellung der Juden ein. Immerhin aber darf man auch nicht den geringsten Zug eines solchen Mannes verloren gehen laßen. Der rühmlichst bekannte Geograph Julius Löwenberg, der ja auch einen großen Theil der umfänglichen Biographie Humboldt's versaßt hat, veröffentlicht jetzt in der Sonntagsbeilage der „Voss. Z." Briefe Humboldt's an Fran v. Wolzogen. Wir finden da in einem Briefe „Berlin, 12. Sept. 1836 folgender Passus: „Ich bin jetzt bei dem Allen traurigen Gemüths über den Lauf der öffentlichen Dinge. Härten gegen die Bekenner des mosaischen Glaubens, unbegreifliche Strenge der Justizhöfe gegen verwirrte junge Leute . . . mildern wird der König freilich, aber die Eindrücke bleiben dieselben dem, der für den Abend seines Lebens eine andere Weltordnung träumte." Wir haben hier eine Bemerkung intimster Art vor uns, also einen unmittelbaren Erguß des großherzigen Mannes. Unter den „Härten" sind wohl damalige Kundgebungen reaktionärster Art zu verl) Wir wiesen dies nach in: „Alexander v. Humboldt's politische Ansichten" (Magdeburg, Falckenbcrg iSi;o . " C e t o n. stehen, z. B. das Perbot „christlicher Vornamen", die Unterdrückung mäßigster reformistischer Gottesdienste, Conffrmation und dgl. und die strenge Handhabung der absondernden und absonderlichen 22 Judengesetze in Preußen. Es war dies unter Friedrich Wilhelm III,; gemildert und geändert ward es erst unter Friedrich Wilhelm IV. Was würde Humboldt erst von der Berliner Gegenwart gesagt haben! Eine antisemitische Schnurre. Auf welche Weise die Antisemiten in Berlin gegen die Juden zu hetzen suchten, zeigt auch solgende Schnurre. Seit mehreren Tagen konnte mau einen Mann Unter den Linden beobachten, dessen Habitus sofort einen polnischen Juden erkennen ließ. Ter Auszug, in welchem man dieses Subject die zahlreichen Passanten Unter den Linden auf sich aufmerksam machen ließ, war ein so empörender, daß Biele sich mit Abscheu von diesem Menschen abwenden mußten. Man gab dem qu. Subject einen alten schmutzigen und zerriffenen langen Rock, ein Paar alte zerrissene Stiefel, einen Sack und eine vor Schmutz strotzende Kanne über die Schultern hängend, damit Alles, was nur den Eindruck des Häßlichen, Abstoßenden machen konnte, so recht in die Augen springend war. Vorgestern Nachmittag wurde die besagte Gestalt Unter den Linden, da sie in stark angeheitertem Zustande die Passanten in besonderem Grade aus sich lenkte, verhaftet und auf der Polizeiwache entpuppte sich die Person als „gesundes Berliner Kind", von den Antisemiten zu diesem Zwecke gemiethct. Anzeigen. Ty<| opyo werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- HlOCl d bC folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Exped. von R. Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Cöln etc. zu adressiren. Ein g. j. Mädchen (Predigerstochter) sucht Stelle als Bonne. Beste Zeugn. u. Ref. Gcfl. Adr. Al. L. 18 Berlin, Postamt Kaiserhof, postlagernd. [K. I6s:u] Gesucht eine erfahrene Person, welcher der Hausherr, Wittwer mit sechs Kindern von 2—18 Jahrsn, der fast immer auf Reise, die Führung der Haushaltung und Küche anver- Irauen kann. (iü6'<6! Gebrüder Maas & Co. in Trier. j Die in unserer Gemeinde vacante bantor- und Religionslehrerstelle, mit welcher ein festes Gehalt von 1800 M. jährlich (außer den Nebeneiukünften) verbunden ist, soll vom l. April 1882, geeigneten Falls auch früher, besetzt werden. Qualificirte Bewerber (deutscher Herkunft), welche ihre Ausbildung in einem Lehrerseminar erhalten haben, und die auch im Stande sind, einen deutschen Bor-; trag zu halten, wollen sich sogleich, unter Einsendung ihrer Zeugnisse, an den , Unterzeichneten wenden. [68U0J! Marienwerder, den 1. November 1881. I Die Repräsentanten der Synagogen Gemeinde. S. G. Met/er, Vorsitzender.