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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-11-15 · Heft 46 (15.11.1881) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 46 (15.11.1881)
Date
1881-11-15
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Vierteljährig 3 Mart. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei ollen Postämtern» außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten I wende man sich an vr.L.PHrlippson in > Bonn direct, in allen übrigen an die i Berlagsdandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 45. Zllhrgung. Leipzig, den 15. November 1881. ^Nö. 46. Inhalt. Leitende Artikel: Die Wahlen zum deutschen Reichstag. II. — Die jüd. Bevölkerung im cisleithanischen Oesterreich. — Vom Religionsunterricht. V. (Fortsetzung.) — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Stolp, Nord- Hausen, Jena. — Oesterreich-Ungarn: Pest, Prag. — Belgien: Brüssel. — Frankreich: Paris. — Rußland: Moskau, Lemberg. — Tükei: Konstantinopel. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Vermischtes. 5«ttendc CUtrißcf. Bonn, den 9. November, j Die Wahlen zum deutschen Leichstage. II. Die Vorgänge in Deutschland haben gegenwärtig für j Judenthum und Juden eine zu große thatsächliche und! geschichtliche Bedeutung, als daß wir ihnen nicht unsere volle! und dauernde Aufmerksamkeit zuwenden müßten. Die > Wahlen haben diesmal das besondere Eigenthümliche, daß von den 397 Wahlen 99 Stichwahlen erforderlich sind. Bon den jüdischen Abgeordneten sind definitiv nur zwei gewählt, Ludwig Löwe in Berlin, Lasker in Meiningen. Unterlegen ist definitiv einer, Mendel in Niederbarnim. Dagegen sind 7 in der Stichwahl, 3 von ihnen bisherige Abgeordnete: Sonnemann, Bamberger, Freund, 3 neue: vr. Max Hirsch in Gera, Moses Oppenheimer in Elberfeld und vr. R4e in Hamburg; letzterer in Stichwahl gegen den bisherigen Abg. Wolfssohn. Das Resultat wird sich also erst nach den Stichwahlen ergeben. Die hauptsächliche Frage bleibt: wie wird sich nach den Wahlen die antisemitische Wühlerei verhalten? Selbstverständlich muß man hier zwischen den augenblicklichen und den späteren Folgen unterscheiden. Die vollständige Niederlage, die der Antisemitismus in ganz Deutschland, besonders aber an seinem Hauptheerde, in Berlin, erlitten hat, erbittert naturgemäß die Anhänger desselben, und ihre Führer nicht am wenigsten. Diese Erbitterung will sich Luft schaffen. Man kann fich daher über die wüsten Scenen nicht wundern, welche in Berlin in der Nacht nach den Wahlen stattgefunden haben und die sich gegenwärttg noch fortsetzen. Ohne in das traurige Detail einzugehen, haben wir doch pflichtgemäß hier Alles zu sammeln, was mit der Beantwortung der obigen Frage in Verbindung steht. Hier fällt nun zunächst auf, daß der Reichskanzler auf ein an ihn gerichtetes Telegramm des (antisemitsschen) „Vereins deutscher Sudenten" zu Leipzig nach Eingang der Berliner Wahlresnltate telegraphisch antwottete: „Ich danke verbindlichst für Ihr Telegramm und bin durch die Berliner Wahlen weder überrascht noch entmuthigt: chronische Krankheiten fordern Zeit und Geduld; ich freue mich aus Ihrem Telegramme zu ersehen, daß der Verein deutscher Studenten im festen Berttanen auf die Zukunft mit mir übereinstimmt. Bismarck." Was in diesen Worten enthalten ist, welche Gedanken und Absichten fich in ihnen aussprechen, wird der Leser sich leicht vorstellen. — Die durchgefallenen Führer veranstalteten Patteiversammlungen, in welchen sie fich „nach der Wahl" anssprachen. Die Erregung der Redner wie der Versammlung war selbstverständlich außerordentlich groß. Sie ettlätten sich für „geschlagen, aber noch lange nicht besiegt". Stöcker stellte sich sogar sehr zuftteden, da die Zahl der Stimmen für ihn so groß gewesen. Er werde daher „weiter kämpfen für die sittlich-religiöse!!) Neuerung, für soziale Reformen (???) und gegen die Uebermacht des Jndenthums". Er 4b

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