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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-11-08 · Heft 45 (8.11.1881) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 45 (8.11.1881)
Date
1881-11-08
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine Zeitung -es Iudenlhums. Ein nnpartciischcs Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Vierteljährig »Marl. Abonne- > ment in Deutschland (Postzeitungsliste! Vr. S2) und Oesterreich bei allen Post- > ämtern, außerdem durch den Buchj Handel. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philipplon in Bonn. Expedition und Verlag: Bamngärlncr's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten I wende man sich an vr.L. Philippson in s Bonn direct, in allen übrigen an die , Berlagshandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 45. ZlthrgLNg. Leipzig, den 8. November 1881. ^ö. 4s. lokslt. Leitende Artikel: Die Wahlen zum deutschen Reichstag. I. — Die Auswanderung. II. — Vom Religionsunterricht. V. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: D eutschland: Berlin, Leipzig, Essen, Friedeberg, Hildesheim, Ltolp, Mergentheim. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Lemberg. — Rumänien: Bukarest.— Bonn: Notizen. — Feuilleton: Bon Jericho zum Tabor. Scit'c'txDc Olrlclret. Bonn, den 2. November. Die Wahlen zum deutschen Reichstage. I. Was haben uns die Wahlen vom 27. October gebracht? Unsere Leser wissen, daß wir diese Frage an dieser Stelle nicht aus politischen Gründen aufwerfen und nicht nach der politischen Seite beantworten. Wir haben uns hier nur mit dem speziellen Momente zu beschäftigen, dem unser Blatt gewidmet ist, und bedauern es allzusehr, daß unsere Glaubensgenossenschaft von ihren Gegnern in das politische Getreibe hineingezogen worden. Und da können wir denn mit großerI Befriedigung die obige Frage dahin beantworten, daß der eigentliche Antisemitismus von den Wählern des deutschen Volkes ein glänzendes Dementi erhalten! hat. Es wird sich dies aus dem Folgenden ergeben. Sehen wir uns zuerst nach den bisherigen Abgeordneten jüdischer Religion um, denn gegen diese richtete sich „mit unendlichen! Mühen und ungeheuren Kosten", wie selbst die „Germania"; sagt, der wahrhaft fanatische Eifer der Antisemiten. Conservativen und der orthodoxen Protestanten ganz besonders. War doch noch am Wahltage das Straßenpflaster Berlins mit Flugblättern: „Wählet keinen Juden!" bedeckt und an zahllosen Häusern las man die Plakate mit der gleichen Aufforderung. Nun, Ludwig Löwe (Berlin) ist wieder gewählt; Lasker (Meiningen) ist wieder gewählt; Freund, Sonnemanu und Bamberger kommen in die Stichwahl — nicht gegen Conservative, sondern — gegen Socialdemokraten. In eigenthümlicher Weise standen sich in Hamburg zwei Juden gegenüber: der bisherige national-liberale Wolssohn und der fortschrittliche Ree (Tirector einer jüdischen Gemeindeschule): Beide kommen gegeneinander in die Stichwahl. Somit ist bis jetzt nur Einer unterlegen: Di-, Mendel im Niederbarnimschen Kreise. Dagegen sind Dr. Max Hirsch in Gera und der! Socialdemokrat Moses Oppenheimer (der mehrere tüchtige Bro-! schüren gegen die Antisemiten, namentlich Stöcker, geschrieben! hat) in Elbcrseld-Barmen in die Stichwahl gekommen; nur ist! der Socialdemokrat Kaiser nicht wieder gewählt. Man sieht also, daß alle die antisemitischen und conservativen Hetzereien keinen Erfolg in dieser Beziehung gehabt haben. Denn wir brauchen den Leser nicht erst darauf aufmerksam zu machen, daß die diesmaligen Wahlen durch die Zersplitterung der Parteien eine ungewöhnlich große Zahl von Stichwahlen mit sich brachten, so daß sich das Resultat im Ganzen noch gar nicht feststellen läßt. Genug, daß die Stichwahlen für die oben angeführten jüdischen Abgeordneten nicht gegen die Antisemiten, sondern gegen die Socialdemokraten stattfindcn. — Sehen wir nun nach dem weiteren Verlause, so haben bis jetzt die eigentlichen Antisemiten keinen einzigen Sitz erobert. In ihrem Hauptsitze, in Berlin, sind von Liebermann-Sonnenberg gegen Ludwig Löwe, Stöcker gegen Virchow, Julius Schulze gegen v. Saucken-Tarputschen, Eremer gegen Eugen Richter, Obermeister Meyer gegen Klotz, Pros. Wagner (der jedoch sich nicht für den Antisemitismus erklärt hatte) gegen Träger 4»

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