Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1881)
- Date
- 1881-10-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ML t gemeine Zeitung des Iudenlhums. Ein nn-artciischcs Organ für alles jüdische Interesse.! Diese Zeitung erscheint wöchentlich.!! Preis Vierteljährig 3 Mark. Abonnej i ment in Deutschland (Postzeitungsliste i Nr. 92) und Oesterreich bei allen Post- I ämtern» außerdem durch den Buchhandel. , Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: Baumtzärtner's Buchhandlung in Leipzig. | In redactionellen Angelegenheiten > wende man sich an Ilr.L. Philippson in > Bonn direct, in allen übrigen an die i | BerlagSbandlu-g. Beilagen ((Gebühr l2M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. 4s. Jahrgang. Leipzig, den 25. Oktober 1881. JVo. 43. Inhalt. Leitende Artikel: Eine Stimme aus Amerika. — Die jüdische Bevölkerung in Preußen. — Vom Religionsunterricht. 111. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Düsseldors, Stolp. Danzig. — Oesterreich Ungarn: Wien, Pest, Lemberg, Aus Ungarn, Bielitz. — Rußland: Petersburg. — Rumänien: Bukarest. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Ein Prozeß aus dem Jahrc 1871. — Vermischtes: Aus Jerusalem. .Settc'viDc €lzti&e€. „Mit dem Fürsten Bismarck ist nicht zu spielen. Ter Mann, der mit Napoleon und seinen eigenen Ministern, wenn sie nicht in sein Programm sich fügen, fertig ward, erträgt auch nicht die Hetze, welche die liberale Presse gegen ihn in Scene setzt. Er vergilt sie mit einer Judenhetze". „Diese mag blos temporär sein, bis eine conservative Majorität für das Parlament erwählt ist. Allein die Regierungen sind genöthigt, im Jnteresie der gesellschaftlichen Ordnung, wie aus purer Selbswertheidigung dem Socialismus, Communismus und Nihilismus entgegen zn treten, und wöhnlicher, als daß selbst diejenigen, welche ihm nahestehen,! conservativ zu werden. Ich brauche dies Ihnen, dem ge- Fehler und Ursachen seines Mißgeschicks an ihm aufsuchen.: wiegten und erfahrenen Journalisten, nicht anseinanderzu- Dies geschieht jetzt auch den deutschen Juden und zwar bei! setzen. Wir Juden, die ja immer zuerst als Opfer auserihren Glaubensgenoffen in den Bereinigten Staaten. Diese, sehen werden, sollten das wohl berücksichtigen, und in einer letzteren sind aber nicht gewohnt, ihre Ansichten zu verbergen,! Zeit, in der „Europa auf einem Vulkan tanzt", folgende und anderseits ist es vorauszusehen, daß man in der Zu- > zwei Grundsätze befolgen: kunft, wenn man die, die Juden betreffenden Vorgänge in 1) jeden Angriff auf die christliche Kirche und Religion Bonn, 19. October. Eine Stimme aus Amerika. Sobald Jemand in's Unglück geräth, so ist nichts ge- Deutschland in Betracht zieht, in ähnlicher Weise die Ursachen in Fehlern aufsuchen wird, welche die Juden begangen. Deshalb scheint es uns erforderlich, den Borwurf unverweilt zur Sprache zu bringen, den man in den Vereinigten Staaten uns macht. Ein Schreiben von sehr bewährter Hand will uns über die Ansichten unserer Brüder in Amerika Aufschluß geben, schildert zunächst die Entrüstung über diesen Antisemitismus und fährt dann fort: „Allein man fängt auch an, sich zu fragen: Haben unsere deutschen Glaubensbrüder nicht selbst theilweise Schuld an dieser Agitation? Und man sagt sich folgendes: vermeiden und uns nur mit unseren eigenen religiösen An gelegenheiten beschäftigen; 2) in den Kammern, wie in der Presse, sollten wir jeden Kampf mit den Principien der Regierung vermeiden. Lasker's herausfordernde Angriffe haben den mächtigen Fürsten gereizt. Tie Kritiken in den liberalen Zeitungen erbittern ihn, und die traurigen Folgen liegen aus der Hand. Unser Volk, wie seine ganze Geschichte beweist, hat keinen staatsmännischen Blick; jedes Blatt zeugt von begangenen Fehlern; und Erfahrung sollte uns lehren, sie nicht zu wiederholen." 43