Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1881)
- Date
- 1881-10-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung des Iudmlhums. Ein unparteiisches Organ siir alles Wische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. SS) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philipplon in Bonn. Expedition und Verlag: Baurngärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellen Angelegenheiten I wende man sich an vr. ü. Philippion in | Bonn direct, in allen übrigen an dre > Berlagshandluug. Beilagen (Gebühr I IS M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. I 4s. Jahrgang. Leipzig, den 4. October 1881. ^Nö. 40. Inhalt Leitende Artikel: Spanien und Deutschland. — Die Auswanderung. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Dresden, Breslau, Hamburg, Weißensee. — Oesterreich-Ungarn: Lemberg, Krakau. — Rußland: Petersburg, Kiew. — Rumänien: Bukarest — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Heinrich Heine als deutscher Patriot. — Um Jerusalem. £cit’c'i%c>c €lztiüe(. Bonn, 28. September. Spanien und Deutschland. In Wien tagte jüngst der deutsche «Schriftsteller-Verein". In seiner Sitzung vom 19. Sept. brachte der als Förderer der spanischen Literatur in Deutschland rühmlich bekannte vr. Johann Fastenrath aus Cöln einen Gruß Spaniens, wo er zuletzt bei Gelegenheit der Calderon - Feier verweilte, an Deutschland mit. Aber diesem Gruße war auch eine Mahnung hinzugefügt, eine Mahnung Emilio Castelar's, des berühmten Mitgliedes der spanischen Cortes, gegen die antisemitische Bewegung. Er hatte dieselbe in dem spanischen Journal «Eldia" veröffentlicht, und Fastenrath verlas sie in folgender Uebertragung: Castelar gegen die antisemitische Bewegung. «In der modernen Welt ist die Freiheit wie die Atmo* sphäre in der physischen Welt. Sich mit wahrem Glauben in einem solchen Lebensprincipe inspiriren, heißt eine mit Oxygen erfüllte reine Luft einathmen. Daher versiehe ich nicht, daß Nationen, die von altersher den liberalen Ideen angehangen haben, sie schließlich verlaßen und verrathen. Und da ich das nicht verstehe, so kann ich das Alles nicht verstehen, was Deutschland ohne irgend welche Vernunft in der Sache der so ganz unglaublichen antisemitischen Agitation thut. Man begreift Amerika nicht ohne seine Republik, Frankreich ohne seine Demokratie, England ohne sein Parlament, Italien ohne seine Kunst, Spanien ohne seinen Heldenmuth, aber noch weniger begreift man Deutschland ohne seine religiöse Freiheit! Wenn Ihr im allgemeinen Urtheil der Nationen ihm das Privlegium nehmt, das menschliche Gewiffen emancipirt und erlöst zu haben, welch' anderer höherer Ruhmestitel kann ihm verbleiben? Dieses arme Deutschland, das aus seinen Wäldern ausgezogen, die von so vielen Irrwischen durchkreuzt und in so viele dichte Schatten eingehüllt waren, um die persönliche Unabhängigkeit der germanischen Stämme zu den Gebietern des römischen Reiches zu tragen, um dem durch die Päpste repräsentirten theokratischen Staate den durch die Kaiser repräsentirten Laienstaat entgegenzusetzen, um mit der Reformation das göttliche Orakel zu wecken, das der Schöpfer in die menschliche Creatur gelegt hat, welche durch die Tradition gedrückt und durch die absolute Autorität eingeschränkt war, dies Deutschland kann nicht den ursprünglichen Principien der Freiheit der Seelen entsagen, ohne den ganzen Hauptgedanken aufzugeben, der sein Leben beseelt und ohne dem ruhmreichsten Dienst untreu zu werden, den es in der Geschichte erfüllt hat. Man kann sagen, daß im 18. Jahrhundert drei Völker glänzen, das demokratische Frankreich durch seine Revolution, das sächsische Amerika durch seine Republik und das protestantische Preußen durch seine Philosophie. Letzteres weist zwei Namen in jenem Jahrhundert aus, die allein genügen würden, es unsterblich zu machen: den Namen Friedrich s II. 40