Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1881)
- Date
- 1881-09-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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'§jlü‘gemeine Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. Diese Zeitung erscheint wSchruUich. Preis Vierteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Rr. SS) und Oesterreich bei allen Postämtern, außerdem durch den Buchhandel. | In redactionellen Angelegenheiten I wende man sich an vr. L. Philippjon in | Bonn direct, in allen übrigen an die > Lerlagshandlung. Beilagen (Gebühr I lS M.) sind gleichfalls an letztere einzusenden. | 45. 2*HrgUUg. Leipzig, den 27. September 188l. ^ö. 39. Inhalt. Leitende Artikel: Was haben wir gegenwärtig zu thun? II. — „Wir wollen hören und lhun!" Zu den Festen. — Vom Religionsunterricht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hannover, Berlin, Kaiserslautern, Trarbach, Stolp, Aus Hinter- Pommern, Stuttgart. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Lemberg. — Rußland: Petersburg, Memel. — Rumänien: Bukarest. — Türkei: Koustantinopel. — Bonn: Notizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Die Juden im Innern von Tunis. JucitevvDe dzti-ßef’.! Bonn, 21. September. I Was haben wir gegenwärtig zu thun? n. Die Nothwendigkeit, daß die deutschen Juden aus dem bisherigen passiven Verhalten zu energischem Widerstande gegen die immer offener hervortretenden und bereits wohl organifirten Angriffe ihrer Gegner übergehen, stellt sich immer deutlicher heraus. Was bisher in Deutschland gegen uns geschehen, schien von Einzelnen auszugehen, und der Kampf gegen sie deshalb Einzelnen überlaffen zu sein. Jetzt aber treten unsere Gegner als geschloffene Parteien und mit ganz bestimmten Plänen auf. Bisher waren es Bolksaufwiegelungen, Wühlereien, die zu Pöbelexceffen führen mußten; jetzt aber will man im Reichstage selbst Sitze erobern und legislatorische Anträge stellen. Hiergegen muß die Gesammtheit alle möglichen gesetzlichen Mittel aufwenden. Darum muß ohne Zögern auch von unserer Seite an eine Art von Organisation gegangen werden. Es versteht sich, daß alle anderweitigen politischen und sozialen Zwecke vollständig ausgeschlossen bleiben, und nur das eine Ziel verfolgt wird, uns unsere verfaffungsmäßigen Rechte, unsere von der Verfassung und dem Bundesgesetz gewährleistete Stellung als Deutsche und als Preußen unangetastet zu erhalten. Zu diesem Zwecke haben wir im ersten Artikel der obige» Rubrik Nr. 37 aufgefordert, daß die Hauptgemeinden jedes Landes und jeder Provinz in Deutschland eine Versammlung der Delegirten der Gemeinden des Landes oder der Provinz berufen, um die nöthigen Schritte zu berathen und ein Count« für jedes Land oder jede Provinz zu wählen, das die Ausführung dieser Schritte in die Hand nehme. Wir haben einen Separatabzug dieses Artikels nebst einem schriftlichen Anträge an die Hauptgemeinden jedes Landes oder jeder Provinz gesandt sowie ein Exemplar jenes Separatabzuges an einige größere Gemeinden. Denn wenn der Vorstand dieser oder jener Hauptgemeinde nicht beabsichtigt, eine solche Versammlung zu berufen, so steht es in vollem Rechte jeder Gemeinde zu, die Angelegenheit ihrerseits in die Hand zu nehmen. Wir erwarten daher, daß die gedachten Vorstände recht bald sich dazu entschließen werden. Es kann ja jeder Tag oas Bedürfuiß bringen, einen wirksamen Schritt zu thun. Deshalbhaben wir auf die Nachricht von dem am 18. d. in Dresden abzuhaltenden Antisemiten-Congreß und dem von diesem zu erlassenden Wahlprogramm unsere Aufforderung an die Hauptgemeinden erneuert. Mögen sie thatkräftig vorgeben! „Wir wollen hören und lhun!" Zu den Festen. Als Israel am Fuße des Horeb stand und die Zehnworte vernommen, da sprach das Volk zu Moses: „Rede 39