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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-09-20 · Heft 38 (20.9.1881) · p. Seite 633

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 38 (20.9.1881)
Date
1881-09-20
Page
Seite 633 (sequence 13)
Language
German
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633 beschränken, während in ihnen das Streben nach der Wahrheit, nach der Lösung der höchsten Fragen des Menschen- ' geistes ein vorwiegendes Element bildete? Alle höheren Ziele! der Menschennatur haben wir vielmehr im höchsten Alterthum ursprünglich aufzusuchen und nun den weiten Weg des Ringens nach Entwickelung und Vollendung durch alle Zeiten zu erkunden. Bei solchem Schematismus konnte es nicht ausbleiben, daß die Schilderung des Völkerlebens nur sehr einseitig ausfiel. Man vergleiche was der Verfasier über den Mosaismus und das Christenthum sagt, da er seiner Betrachtungsweise gemäß die eigentliche „Lehre", das Dogma ganz unbeachtet läßt. Hier führt den Juden die Sucht nach Unparteilichkeit weit über die Gerechtigkeit und die historische Wahrheit hinaus. Wir erkennen an, daß der Berfafier manch' glückliches Apercu vorträgt; im Ganzen jedoch ist seine Darstellung, die französisch leicht und anziehend ist, oberflächlich und begnügt sich mit dem Allbekannten. Seine Kenntniß der Philosophie der Geschichte blieb bei Hegel stehen; von den höchst bedeutenden neueren Leistungen, z. B. von Buckle, Lecky und den deutschen Kulturhistorikern nahm er keine Notiz. Trotz diesen Ausstellungen ist das Werk unter den modernen Erscheinungen der französischen Literatur sehr wohlthätig und so vielen Negationen gegenüber eine willkommene Realität. — „Die Wanderschaft Jakob's und Jsrael's." Predigt von vr. Moritz Singer, Rabbiner zu Bereut. II. Aufl. (Zum Besten der Armen ohne Unterschied des religiösen Bekenntnifies. Danzig, Selbstverlag 1881.) In sinnreicher und gemüthvoller Weise vergleicht der Redner die Wanderungen Jakobs und die des jüdischen Stammes, (der jedoch 15 Jahr- Hunderte in seinem Lande seßhaft war!) und kommt zuletzt auf die antisemitischen Wühlereien, denen er mit Begeisterung den deutsch-nationalen Sinn der Juden entgegenstellt. Die Sprache ist frisch und lebhaft, und verfehlt des Eindrucks nicht, wenn auch die Form des Ganzen mehr einem Vorträge als einer Predigt sich anpaßt. Jeuilleion. Vermischtes. Curiosum aus der Schule. i Wie es in den Köpfen mancher Herren Schulmeister, auch j Seminar-Direktoren aussieht, davon zeugt folgender Fall, den i die Berl. „Bolksz." aus Posen berichtet. An dem dortigen Seminar für Lehrerinnen ertheilt der Herr Divisionsprediger Meinke Unterricht in der deutschen Sprache und Literatur. Bor Eintritt der Pfingstferien stellte dieser Herr den Zög-| lingen der ersten Clafie folgendes Thema zur Bearbeitung in einem Aufsatze als Ferienarbeit: „Nathan der Weise im , gleichnamigen Lessing'schen Drama ein — Christ." Die be-! zeichnete Clafie wird von 26 Schülerinnen besucht, unter denen zwei Jüdinnen sind. Der Verwandte einer Schülerin zeigte diesen Vorgang einem Mitgliede des Provinzialschulcollegiums an, und die Folge davon war, daß der Anftaltsdirector beim Wiederbeginn des Clafienunterrichts an die Zöglinge die Frage richtete, ob sie den qu. Aufsatz fertig geschrieben hätten; und als ein sehr namhafter Theil schwieg, so erklärte der Director, daß das Thema auch dahin be^ arbeitet werden könnte: „Ist Nathan der Weise im gleich namigen Lessing'schen Drama ein Jude oder ein Christ?" Ein antisemitischer Nachtwächter. Die „Tribüne" erzählt, natürlich aus Berlin, daß ein Nachtwächter durch das Lesen antisemitischer Schriften geisteskrank geworden sei. Die Krankheit habe sich in der Nacht zum Freitag dadurch documentirt, daß der Wächter die Pafianten auf der Straße anhielt und sie aufforderte, mit ihm nach dem Universum zu kommen, denn da tractire Herr Stöcker alle Anwesenden als Gäste. Sodann habe er in seinem Revier die jüdischen Bewohner aus dem Schlafe gei weckt und sie ersucht, sofort nach Palästina zu reisen. Anzeigen. Ty» CAVO O werden mit 20 Pf. für die dreigespaltene Petitzeile berechnet und müssen für die nächst- JL11 Oül iXt tv folgende Wochennummer bis spätestens Donnerstag eingehen. Dieselben sind ausschliesslich an die Annoncen-Exped. von R. Mosse in Leipzig oder deren Filialen in Berlin, Breslau, Cöln etc. zu adressiren. Pensionat und höhere Töchterschule von Frau Dr. Leverson. Hannover, Thiergartenstr. 4. Aufnahme von Zöglingen;n jeder Zeit. Näheres durch Prospekte. (12271) Ein jüdischer Kandidat der Theologie wird für 3 Knaben im Alter von 10, 11 und 12 Jahren gesucht, der neben der Beaufsichtigung der Schularbeiten auch NeligiouSuuterricht ertheilen kann. Schriftliche Meldungen mit Angabe der Gehaltsanfvrüche bei freier Station erbittet [B. 13743> Jacob Le t y j r., Wougrowiß. junges geb. Mädchen, welches d. Haush. gründl. versteht, sucht unter besch. Anspr. Stellung z. Stütze d. Hausfrau. Off. erben an Frau J. Katsetustein, Hannover, Rosenstr. 4 I. [140W E. geb. f. Mädchen s. Stell, z. Stütze d. Hausfrau. Beste Ref. Gcfäll. Ac>r. Berlin. Postamt Kaiserh. postl. --ub. E. X. [B. 139.'h.|

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