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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-09-20 · Heft 38 (20.9.1881) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 38 (20.9.1881)
Date
1881-09-20
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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einerne Zeitung des Iudenthums. Ein unparteiisches Organ für alles Wische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: Baumgärtner's Buchhandlung in Leipzig. In redactionellcn Angelegenheiten wende man fich an vr. L. Philippson in Bonn direct, in allen übrigen an die Berlaashandlung. Beilagen (Gebühr 12 M.) find gleichfalls an letztere einzusenden. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Brerteljährig 3 Mark. Abonnement in Deutschland (Postzeitungsliste Nr. 92) und Oesterreich bei allen Postämtern. außerdem durch den Buchhandel. 4s. Jahrgang. Leipzig, den 20. September 1881. No. 38. Inhalt. Leitende Artikel: Die Prüfung. Zu den bevorstehenden Festtagen. II. — Die jüdischen Zustände in Rußland. — Die Exceffe in Schivelbein. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bonn, Berlin, Stolp, Hamburg. Bremen, Meiningen. — Oesterreich- Ungarn: Wien. — Frankreich: Paris. — Rußland: Warschau, Aus Brody. — Bonn: Nolizen, Literarische Notizen. — Feuilleton: Vermischtes: Curiosum aus der Schule. — Ein antisemitischer Nachtwächter. S.cii'c'vxdc €Xzti£cf. Bonn, 14. September. Die Prüfung.! Zu den bevorstehenden Festen.! n. So viel auch der alte Religionshaß und der Concurrenzneid, die aus ihrem Schlummer gegen uns geweckt worden,! so viel auch gewisse politische Motive und Absichten an der peinlichen Lage Schuld sind, in welcher die Juden in einigen Ländern gegenwärtig sich befinden: so wird eine ernste und s aufrichtige Prüfung doch nicht verkennen, daß wir selbst zu derselben beigetragen haben. Im Mittelalter war das, was uns so oft zum Verderben gereichte, auch nicht selten das! Mittel unserer Rettung, der Besitz des Geldes. Durch dieses wurden oft bedrohliche Gefahren abgewendet, und es machte uns den Fürsten und Städten unentbehrlich. Mit der Emanzipation war die soziale Stellung der Juden noch lange nicht gehoben; Mißachtung und Zurücksetzung fanden die Juden noch innerhalb aller Schichten des Volkes. Ein natürliches, wenn auch bedauernswerthes Ergebniß dieser Lage war es, daß die an und für sich zur Sparsamkeit geneigten Juden'überall nach dem Scheine der Wohlhabenheit, ja des Reichthums haschten, weil sie dadurch Ansehen und Geltung zu gewinnen glaubten. So ist es gekommen, daß Aufwand und Prunksucht bei den Juden, namentlich bei dem weiblichen Theile derselben, Platz griffen, und bis in die ärmeren Theile derselben die Sucht nach äußerem Scheine sich verbreitete. Von volkswirthschaftlichem Standpunkte hat ja der Luxus seine Bortheile, denn beim allgemeinen Mangel daran würden Gewerbe und Kunst in großen Nachtheil kommen. Aber wenn in einer ganzen Klaffe, die noch dazu mit schelen Augen betrachtet wird, der Aufwand nach außen sich besonders bemerklich macht, durch Pracht der Einrichtung, der Kleider u. dergl., durch allzugroße Theilnahme an den öffentlichen Vergnügungen an's Licht tritt, so ist die natürliche Folge, daß man diesen Theil der Bevölkerung für viel wohlhabender hält, als er in Wirklichkeit ist und daß man ihn mit Neid und Mißgunst betrachtet. Man frägt nach den Quellen dieses Besitzes, und ist nur zu sehr geneigt, sie nicht dem Fleiße, der Redlichkeit, der Geschäftstüchtigkeit und dem Mangel an Verschwendung durch andere Leidenschaften zuzuschreiben, sondern man wird sie in der Ausbeutung und in unredlichem Gebühren finden oder doch dem leichtgläubigen Volke als darin vorhanden vorsprechen können. Daß eine große Zahl von Juden hierin gesündigt, und dadurch ihren Gegnern es leicht gemacht hat, sie zu verleumden und die unteren Schichten gegen sie aufzuhetzen, ist einsichtig. Es ist dies auch erkannt worden, und schon jetzt befleißigen sich viele Juden einer größeren Zurückhaltung in ihrer äußeren Erscheinung und in ihrem Gebühren nach Außen. Nicht minder war es eine Folge der neuen Situation, daß sich ein Theil der jüdischen Jugend der Strömung der Zeit überließ und in ihr möglichst hervorzutreten suchte. Einentheils löste sie 38

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