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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-08-16 · Heft 33 (16.8.1881) · p. Seite 545

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 33 (16.8.1881)
Date
1881-08-16
Page
Seite 545 (sequence 11)
Language
German
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545 war, bis es sich herausstellte, daß die Urheber solcher Atten-' die Kosaken endlich auf die HanpträdelSführer und hieben täte in den oberen Zehntausend und speziell in jenen Kreisen mit Säbeln auf den Haufen ein. Das fruchtete und nach. der goldenen Jugend zu suchen sind, welche aus diese Weise den Civil-Gouverneur einschüchtern wollte, der den Muth hatte, die Straßen Madrids von den Spielhöllen zu reinigen, die sich daselbst cingenistet hatten; in einem Lande, wo die Stellenjägerei die widerlichsten Ausgeburten zu Tage fördert, wo die Korruption nicht blos in die Verwaltung, sondern auch in die Magistratur sich so eingefressen hat, daß selbst ehrliche nnd einsichtsvolle Staatsmänner nicht den Muth und nicht die Macht finden, um ein Heilverfahren einzuleiten; wo der weitaus größere Theil des Volkes noch heute in Armuth und Unwisienheit schmachtet, während die großen Reichthümer meist auf Defraudation, Schmuggel nnd Sklavenhandel zurückzuführcn sind. (Wir geben hier die Worte eines bewährten Publicisten wieder. Was sagen die Antisemiten dazu, da doch in Spanien seit 4 Jahrhunderten keine Juden mehr wohnen! Redaet.) Rußland. Petersburg, 2. August. Ueber die Judenverfolgung in Bnispol, einem Flecken des Gouvernements Soltawa, werden folgende Einzelheiten bekannt. Um Unordnungen in Bnispol rechtzeitig zu verhüten, wurden am 23. Juli auf Bitte der dottigen Juden 30 Mann Tonischer Kosaken mit einem Offizier, sowie ein höherer Landpolizist dorthin beordert. Am 24. Juli berief der letztere eine Gemeindeversammlung und beschwor sie, nichts Feindseliges gegen die Juden zu unternehmen. In dieser Versammlung, die sehr tumultuös verlief, verlangten die Bauern eine sofortige Ausweisung der Juden, weil diese ihre Existenz gefährdeten. Um 12 Uhr Mittags schaarte sich eine Masie Volks auf dem Marktplatze zusammen und zerstörte die dottigen jüdischen Läden. Dies galt als Signal für weitere Zerstörungen. Alle jüdischen Quartiere wurden bis auf den Grund niedergeriffen. Ter wüthende Pöbel warf sich auf die Poststation, wurde jedoch von den Kosaken und dem Posthaltcr zurückgedrängt: in dem Quartier der Kosaken wurde jedoch deren Eigenthum vernichtet. Seinen Gipfelpunkt erreichte der Tumult, als ein mit Sensen, Messern und Dreschflegeln und Knitteln bewaffneter Hanfe den Weinkeller eines jüdischen Kaufmanns überfallen hatte. Jeder trank so viel er wollte. „Wir haben die Juden gründlich ausgeplündert, jetzt ist es Zeit, sie todtzuschlagen." Das Angstgeschrei der Juden, deren Kinder und Weiber, erfüllte die Luft. Die Beschwörungen und Befehle der anwesenden Offiziere verhallten ungehört. Sie wurden mit Steinen beworfen und ein Gensdarmerie-Offizier fiel bewußtlos zu Boden, mehrere Kosaken erlitten heftige Contusionen. Tie Kofakenpeitschen halfen zu nichts, in die Lust gefeuerte Schüsse wurden mit Hohngelächter beantwortet. Ta schossen dem sie 2 Todte und 5 Schwcrverwundete zurückgelassen hatte, zerstreute sich endlich die aufrührerische Menge. Koretz (Bolhynien), 27. Juli. (Privatmitth.) Unsere Stadt wurde von einer Feuersbrunst während einiger Stunden gänzlich eingeäschert. 20 Menschenleben, 13 Bethäuser, alle gerettete Habe aus den Gaffen und Plätzen wurden ein Raub der Flammen. Jetzt sind Tausende unserer Glaubensbrüder brod- und obdachlos geblieben. Wie Schatten schleichen sie auf den Trümmern und Aschenhaufcu umher. Es ist ein unbeschreiblicher Jammer! So großes Elend kann nur die allgemeine Wohlthätigkeit mildern. Tarum bin ich fv frei. Sie im Namen so vieler Elenden zu bitten, von den Summen, die Sie für die unglücklichen russischen Glaubensgenossen gesammelt, ein Thcilchcn für die armen Abgebrannten zu bestimmen um rrcmrs: rrr—. Sie werden sich ein großes Verdienst um Biele erwerben, die selbst der Stätte des Trostes Israels, vor ihrem Gott ihr bitteres Leid auszuweinen, beraubt sind. L. Mbg. (Wir haben von dem Gelde, das augenblicklich noch in unsren Händen ist, sofort einen Theil an das Count»- zu Koretz, Herrn Wolf Weinslock, Präses, geschickt, und bitten dringend um weitere Spenden für die Abgebrannten.) Tie Redaktion. xHmerifa. RewrHork, 13. Juli. ^Privatmitth.) Die ..Rabbinii al l.itorary Association hielt am letzten Sonntag ihre zweite Jahresversammlung, welcher 17 Rabbiner beilvohntcu, unter dem Vorsitz des Herrn l)r. M. Lilienthal. Vor Allem erließ sie ein Telegramm au den Staatssekretair Blaine, um ihr schmerzliches Mitgefühl bei dem verbrecherischen Attentat aus den Präsidenten und ihre Wünsche für seine Herstellung auszu drücken. Herr Lilienthal berichtete dann über den glücklichen Fortgang des Vereins, der während des abgelaufeuen Jahres ISO Unterzeichner zählte. Auch die Finanzen desselben stehen gut, da 510 D. eingenommen, für den ersten Band der Hebrew Review 430 T. und anderweitig 4S T. ausgegeben wurden, so daß .">2 D. in Casse blieben. Tie Kosten deS zweiten Bandes sind bereits gedeckt. Am zweiten Tage las Dr. Felsenthal einen Vortrag „die Wissenschaft der Religion" in deutscher Sprache vor, in welchem er in sehr präziser Weise die jüdische Theologie mit anderen Theologien verglich. 1>i. Milziener theilte mit, daß daS Eomite für die Ehegesetze, welches die Aufgabe hatte, den jüdischen Codex mit den Staatsgcsetzen zu vergleichen, seine sehr schwierige Arbeit noch nicht hat vollenden können und für das nächste Jahr einen Bericht verspricht. I>r. Mencr sprach iebenfalls deutsch» über die alten Riten bei Beerdigungen und L. Adler über Rcdeskwidsm. 30*

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