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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-07-19 · Heft 29 (19.7.1881) · p. Seite 482

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 29 (19.7.1881)
Date
1881-07-19
Page
Seite 482 (sequence 12)
Language
German
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482 zugeschrieben find — und solcher giebt es eine große Menge — unterliegen der Ausweisung. — Aus Minsk wird telegraphirt, daß dort ein ungeheurer Brand ausgebrochen, der schon 500 Häuser verzehrt hat, und noch nicht gelöscht ist. Memel, 30. Juni. (Privatmitth.) Tiesbetrübten Herzens bitten wir Sie, helfen Sie uns die Unglücklichsten der Unglücklichen nach Kräften unterstützen. Große Summen sind bereits den verfolgten uud beraubten südrussischen Israeliten zugeflofien, wir selbst haben bereits eine nicht unbeträchtliche Summe dorthin gesandt, da kommt plötzlich Schreckensnachricht auf Schreckensnachricht, Nothruf auf Nothruf von Städten, theilweise nur wenige Meilen von der Grenze gelegen, welche von ruchloser Hand angezündet und niedergebrannt wurden, daß wir zunächst diesen Unglücklichen alle unsere Fürsorge zuwenden mußten. Ueber die schrecklichen Brände in Augustowo und Neustadt Schirwindt haben auch die deutschen Zeitungen Bericht erstattet. Die Stadt Chwodan war zur Hälfte verschont gehalten : die Synagoge und Schule zu Güns behufs ihrer Erhaltung 22,000 fl., der israelitische Waisenverein in Wien 10,000 fl., das Bersorgungshaus in Günz (zum Zweck der Stiftung von zwei neuen Plätzen) 5000 fl., das Rabbinerseminar in Pest 2000 fl. Ebenso wurden 10,000 fl. ausgesetzt, deren Interessen alljährlich am Sterbetage des Barons an arme Israeliten in Lackenbach, und 2500 fl., deren Zinsen an vier eben solche Arme in Mattersdorf vertheilt werden sollen u. s. w. — Bezeichnend für den Wohlthätigkeitssinn des Freiherrn, sowie seine Religiosität, ist § 46 des Testaments, der da lautet: „Nachdem ich jederzeit ein eifriger und unerschütterlicher Bekenner unseres von Gott eingesetzten Glaubens war und nachdem mir dieser Glaube nicht nur in jeder Lage meines Lebens Trost und Beistand gegeben hat, sondern auch in meiner allgemeinen Nächstenliebe sich so sehr bekräftigte, daß er mir ein offene» Herz für jeden Nothleidenden, welchem Glauben derselbe auch angehören mochte, gnädig verliehen hat, so empfehle ich meinen Erben, daß sie, meinem Beispiele folgend, niemals einen Unterschied in der Religion blieben, da wurde sie zum zweiten Male angezündet und bei Jenen machen sollen, welche sich um Hilfe an sie wenden." brannte nieder bis auf zwei armselige Hütten. In Slonim, woselbst 1500 Häuser niedergebrannt sind, — In diesen Tagen wurde Feldmarschall-Lieutenant Alfred Ritter von Kraus zum Statthalterei-Leiter in Prag er- Podfelwi, Nowogrudek ist die Noth so groß, daß trotz derj nannt. Nach dem „N. W. T.", ist dieser im Jahre 1822 größten Anstrengungen Biele dem Hunger und Elend erliegen werden. Achtzehn größere und kleinere Städte, sämmtlich in als Sohn israelitischer Eltern in der Nähe Prags geboren. Nachdem er seine rechtswiffenschaftlichen Studien absolvirt unseren Unterstützungskreis gehörend, welche von den nach j hatte, faßte er den Entschluß, in das Auditoriat einzutreten. Südrußland geschickten Geldern nichts erhalten, gehören zu! Der junge Jurist meldete sich bei der Persönlichkeit, welche über Gesuche dieser Art zu entscheiden hatte. Der kleine unansehnliche, junge Mann, welcher Jude war, wurde von dem. diesen schwer heimgesuchten Städten. Wir bitten mit aller Innigkeit und Dringlichkeit, uns Ihre Sammlungen ganz oder theilweise zukommen zu lassen, damit wir nach Ermessen auch! alten Militär-Juristen scharf gemustert und mit den Worten die abgebrannten Städte unterstützen können. Wir hier, in der! angesprochen: „Sie sind Jude — nach dem Reglement kön- Nähe der Unglücksstätten, können am besten ermefien, welcher! nen nur Christen in's Auditoriat ausgenommen werden Antheil an den Spenden einem jeden Unterstützungskreis gebührt.!. . . .nehmen Sie Ihr Gesuch nur wieder mit." Kraus ver- Jn treuer Bruderliebe ließ das Bureau und nach einigen Tagen kam er mit dem- Das ständige Hilfscomite f. d. Nothstände rup. Israeliten, vr. Rülf. M. Lurie. A. Wittenberg. selben Gesuche wieder. „Sic sind ja schon abgewiesen," herrschte den jungen Mann der Auditor an — „weil Sie Als abgebrannt sind bisher gemeldet die Städte: Witebsk^Jude sind".... „Ja wohl," lautete die Antwort des Dr. (23,000 E.), Bobruisk (23,000 E.), Slonim (20,000 E.), I Kraus — „aber ich bin kein Jude mehr".... und dem Ge- Mohilew (25,000 E.), Wolkowisk, Nowogrudek, Luptz, Sctel,! suche und dem Diplome lag auch jetzt der Taufschein bei. — Garadischz, Neustadt-Schirwindt, Augustowo, Poniwies, Kra-j Aus Czernowitz kommt die Nachricht, daß der berüchtigte kanowo, Chwodan, Podselwi, Radzk und mehrere kleinere Ortschaften. Auch Augustowo ist, zum zweitenmale angezündet, gänzlich niedergebrannt. Sadagvraer Wunderrabbi A. I. Friedmaun seine bisherige Residenz verläßt und zur Stätte seiner Wunderthaten die galizische Stadt Zalisczyki erwählte. Als Grund wird die ------ Thatsache angegeben, daß in Sadagora und Umgebung seit Bonn, 10. Juli. (Notizen.) Aus Pest wird geder letzten Zeit die Zahl der Gläubigen und damit das Ge° schrieben: Am 29. v. M. verschied hier Rabbiner Samuel schüft des Wundermachens stark abgenommen habe. Nicht Rosenberg, derselbe war mehrere Jahre Rabbiner in Schütwenig trug zu diesem plötzlichen Entschlüsse des Wundertenhofen, Hermannestics und auch einige Zeit an einer der rabbi, seine Residenz zu wechseln, der Diebstahl einer Thora Prager Synagogen angestellt. — Aus dem Testamente des aus dem Tempel des Wunderrabbi bei, welche dieser Tage Freiherrn Philipp von Schei heben wir hervor: Es erin einer Kothlache zerschnitten aufgefunden wurde.

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