Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 45 (1881)
- Issue
- Heft 28 (12.7.1881)
- Date
- 1881-07-12
- Page
- Seite 467 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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467 setz bald erflöge, wert sonst einmal der Wind wieder anders seiner HeimathSgemernde mit einem Kostenbeträge von 20,00" wehen könnteGulden erbauen Ebenso üble er in Wien bei jedem Anlasse -- — - öffentlich und im Stillen Mildthätigkeit mit reicher Hand. Bonn, 3. Juli. (Notizen.) In Jllava (Ungarn) Der Verstorbene war der erste ungarische Jude, der — am beging die dortige israel. Gemeinde am 21 d. M. die feier liche Einweihung ihres neuen Tempels, zu dessen Baukosten der Graf Königsegg-Aulendorf und mehrere christliche Bürger namhafte Beiträge geliefert haben. In Prag verschied vorige Woche Rabbi Samuel Freund, der bekannte Talmudist und Sonderling, im hohen Alter. - Aus Wien, 26 Juni schreibt man: Heute verschied in Baden, im Alter von *3 Jahren, Baron Philipp Scheu, Freiherr von Koromta. bekannt durch seinen regen Wohlthätigkeitssinn. Ihm verdankt in feiner Baterstadt Güns zu Ungarn das Erzherzog Albrecht BerforgungShaus für arme Gebrechliche ohne Unterschied der Religion sein Entstehener widmete dem Institute im Jahre 1650, außer dem vollkommenen auSgestatteteu Hause, ein bedeutendes Stiftungskapilal und einen jährlichen Beitrag für seine Lebensdauer. Auch eine Synagoge ließ er I e u i i Mathias Jakob Schleiden. (Nekro log.» Wir halten uns verpflichtet, dem, für Wahrhert und Recht io überaus verdienten Manne auch an dieser Stelle ein ausführliches Wort der Erinnerung zu widmen und bedienen uns hierzu eine» Artikes der „Nationalzeitunz". Aus Frankfurt a. M. kommt uns die Trauerkunde, daß daselbst gestern Mathias Jakob Schleiden, gleich bewahrt als Botaniker, Schriftsteller und als Mensch im 76. Jabre seines inhaltsvollen Leben» gestorben ist. Schleiden ist am 5. April 1604 zu Hamburg geboren; von 1624—27 sludirie er Jurisprudenz in Heidelberg, dann Mediein und Oiatur- Wissenschaften in Göttingen und Berlin. Aui Grund einer Reihe von ihm veröffentlichter pslanzen-physiologifcher und phytotomischer Abhandlungen wurde er im Jahre 163'.' zum Profeffor in Jena ernannt. Bon da fiedelte er 1662 nach Dresden über, um 1663 einem Rufe als Professor der Pflanzenchemie und Anthropologie nach Dorpat zu folgen, eine Stellung, welche er nur ein Jahr behielt. Dann zog er sich in'S Privatleben zurück, ganz feinen schriftstellerischen Arbeiten lebend. Wenn man Schleiden'S Werth an den von ihm entdeckten Thatsachen messen wollte, so würde man ihn kaum über dem Niveau der gewöhnlichen, besseren Botaniker sinden: eine Reihe recht guter Monographien, zahlreiche Berichtigungen alter Jrrthümer und dergl. würden sich auszählen lassen; die wichtigsten von ihm aufgestellten Theorien aber, um welche viele Jahre hindurch eine lebhafte Polemik unter den Botanikern entbrannte, sind jetzt längst widerlegt. 3. Marz 165’.) — in den österreichischen Adelsstand mit dem Prädikat Koromla und der Bezeichnung „Edler von" erhoben wurde, welche eine Anerkennung für seine huiuanitäreu Leistungen bildete. Da seine Ehe kinderlos geblieben war. erbat er die Ueberlragung seiner Standeserhöhung auf seinen 'Oicffen Friedrich, welche ihm auch gewährt wurde. Im Jahre 1661 erhielt er den Drden der Eisernen Krone dritter Klasse und wurde in den Ritterstand erhoben, welcher seinem Ansuchen zufolge auf seinen Neffen Karl übertragen wurde. Im Jahre 1670 wurde ihm der Lrden der Eisernen Krone zweiter Klasse und der Freiberrnstand verliehen. Mehr noch zierte ihn der Ruf, den er sich durch seine stets bereite HerzenSgüte für Hilfesuchende erworben. Seinem Planten ist ein ehrendes An denken gesichert. leton. Seine Bedeutung Hegt wo ander». Ter Zustand der botanischen Literatur vor 1610 war ein höchst unerquicklicher. Es fehlte eine Zusammenfassung all deffen, was sich von werthvollen Kenntnissen in der gesummten Botanik angesammelt hatte, noch mehr eine kritische systematische Behandlung das Ganzen. Der alte Schematismus der Linneschen Schule herrschte. Ta fand sich zur rechten Zeit der rechte Mann, der c» verstand, die träge Behaglichkeit aus ihrem Halbfchlafe aufzurütteln, den Zeitgenossen allüberall zu zeigen, daß es so nicht weitergehen dürfe. Es war Schleiden. Nicht durch da», was er als Forscher leistete, sagt Julius Sachs in seiner klassischen „Geschichte der Botanik vom 16. Jahrhundert bis 1660", sondern durch das, was er von der Wissenschaft forderte, durch das Ziel, tvelches er hinstellte und in seiner Großartigkeit gegenüber dem kleinlichen Wesen der Lehrbücher allein gelten ließ, erwarb er sich ein großes Verdienst. Er ebnete denen, welche wirklich Großes leisten konnten und wollten, den Weg, er schuf svzfuagen erst ein wissenschaftlich botanische» Publikum, welches im Stande war, wissenschaftches Verdienst von dilettantenhafter Spielerei zu unterscheiden. Der Unterschied zwischen Schleiden» „Lehrbuch der gefammten Botanik" (1642, 4. Ausl. 1661) und allen vorhergehenden Lehrbüchern ist wie Tag und Nacht; jener gedankenlosen Trägheit gegenüber hier eine sprudelnde Fülle von Leben und Gedanken, die vor allem auf die Jugend umsomehr wirken mußte, als auf jeder Seite dieses merkwürdigen Buche» neben wirklich wissenSwerthen Thatsachen interessante Reslerionen, lebhafte, meist grobe Polemik, Lob und Tadel