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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-07-12 · Heft 28 (12.7.1881) · p. Seite 461

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 28 (12.7.1881)
Date
1881-07-12
Page
Seite 461 (sequence 7)
Language
German
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461 schon selbst so an's Tageslicht gefördert, daß eine weitere Resultate der Kant'schen Theorie vielfach bestreiten, aber das Zeichnung unnöthig ist. Dr. Paulus Cassel hielt es doch Verdienst freierer Methode und schärferer Einsicht in die Berfür nothwendig, sich gegen Wagner auszusprechen: „Der Ju-! schiedenheit des Denkens, Glaubens und Empfindens bleibt dengott und Richard Wagner. Eine Antwort an die Bayj dem Werke Kant's für immer. Daher kam es auch, daß nach reuther Blätter." (Berlin, Wohlgemuth. 1881.) Die Broden mannifaltigen Phasen, welche die deutsche Philosophie schüre besitzt alle die Eigenschaften, die an den jüngsten; seitdem durchgemacht, so daß sie schon mit der Selbstzersetzung Schriften des Herrn Cassel bemerkbar sind: Biel Belesenheit, ^bedroht war, man jetzt wieder zu der Kant'schen Kritik manches treffliche und geistreiche Wort, aber das Ganze un-! zurückgekehrt ist, um auf ihrer Grundlage das Neugewonnene klar und verworren. — In diesen Tagen sind es hundert 1 zu revidiren. Um so näher liegt es auch uns, auf die neue Jahre geworden, daß Immanuel Kant seine epochemachende Ausgabe von Kants „ Kritik der reinen Vernunft" aufmerksam „K'ritik der reinen Vernunft" herausgab. Mit ihr trat die zu machen, welche I. H. von Kirchmann herausgegeben deutsche Philosophie einen neuen, ungeahnten Weg an, in- und mit einer Lebensbeschreibung und Erläuterung versehen dem durch diese Schrift ein neues Licht über die menschliche hat, und die bereits selbst in einer 5. Auflage soeben erschie- Erkenntniß, ihr Wesen, ihre Quellen und ihre Grenzen vernen ist (Leipzig, Koschuy 1881). Wir haben übrigens die breitet wurde. Ihr aber verdanken wir auch, daß die fesseln j Absicht, sobald wieder eine ruhigere Zeit eingetreten, über das einer engherzigen und kleinlichen Orthodoxie gesprengt wur- Verhältniß der Kant'schen Philosophie zum Judeuthume eine den, und eine freiere Geistesthätigkeit sich auch auf dem reausführliche Besprechung zu geben, ligiösen Gebiete geltend machte. Sicherlich kann man die! %>c\Xi 111 d fj Deutschland. Bielefeld, 28. Juni. (Privatmitth.) Um den „ Verein israel. Elementarlehrer für Westfalen und die Rheinprovinz" haben sich s. Z. die Oberpräsidien beider Provinzen wesentliches Verdienst erworben, indem sie sich nicht nur bei dem Entwürfe, der Berathung und Verbefferung der Statuten der „Unterstützungscaffe" in wohlwollendster Weise betheiligten, sondern auch auf Beranlasiung des Vorstandes durch ihre Organe wiederholt die Vorstände der Synagogen-Gemeinden zur Förderung des segensreichen Instituts aufforderten und die Lehrer zur Erwerbung der Mitgliedschaft anregten. Der Unterzeichnete hat daher Veranlassung genommen, den beiden Herren Oberpräsidenten unter nochmaliger dankender Anerkennung der oben bezeichneten wohlwollenden Förderung unserer Sache die „Denkschrift" über das 25jährige Bestehen des Vereins und den Jahresbericht pro 1880 zu übersenden. Bon dem Herrn Oberpräsidcntcn der Provinz Westfalen ist mir darauf folgendes Schreiben zugegangen: Münster, den 23. Juni 1881. Ew. Wohlgeboren danke ich ergebenst für die mit dem gefälligen Schreiben vom 21. d. M. übersandten, die Wirksamkeit des Vereins israelitischer Elcmentarlehrer betreffenden Druckschriften, von deren Inhalte ich mit Interesse Kenntniß genommen habe. — Als einen außerordentlichen Beitrag für das Jahr 1881 füge ich die Summe von 150 Mark bei und ersuche um Empfangsanzeige. gez. Kühlwetter. Ich halte mich verpflichtet, den erfreulichen Vorgang hiermit zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. S. Blumenau. — Von der preußisch-russischen Grenze (Eydtkuhnen) wird unter dem 22. Juni der „Rig. Ztg." geschrieben: Täglich passiren die Grenze viele jüdische Familien, um nach England und Amerika auszuwandern. Allabendlich sind auch die aus Rußland kommenden Personenzüge mit auswandernven Juden besetzt. Die russische Regierung scheint diesen Leuten keine Schwierigkeiten zu bereiten, da sämmtlichc Familien mit Auslandspäffen versehen sind, welche in früheren Zeiten nur selten verabfolgt wurden. Ter Dienst der Grenzkommissarien und der assistirenden Gensdarmen ist in Folge der Judenauswanderung ein erheblich schwererer. Viele Juden nämlich versuchen ohne Paß den Uebertritt nach Preußen, um dann vom preußischen Boden aus mit der Eisenbahn weiter zu fahren. Sehr häufig werden auch die Personenzüge noch vor der Abfahrt einer Paßrevision unterworfen und alle Ausländer zurückgewiesen, welche sich nicht im Besitz eines Reisepasses befinden. Da giebt es dann oft herzzerreißende Scenen, namentlich wenn bereits Billets nach Berlin gelöst sind und dieselben jetzt ihre Giltigkeit verlieren, sofern der Billetinhaber sich nicht im Besitze eines Reisepasses befindet. An der gesammtcn Grenze ist übrigens nichts von Judenhetzcu zu spüren, und man versteht gar nicht, wie solche im Innern des russischen Reiches haben in Scene gesetzt werden können. Der gemeine Russe ist hier als tolerant , bekannt, da er seine Mütze vor jedem Gotteshause und auch vor der Synagoge zieht.

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