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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-07-12 · Heft 28 (12.7.1881) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 28 (12.7.1881)
Date
1881-07-12
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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"Allgemeine Zeitung des Iudenlhums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Preis Merteljährig 3 Mark. Abonne ment in Deutschland (Postzeitungsliste Rr. SS) und Oesterreich bei allen Postämtern» außerdem durch den Buchhandel. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Berlag: Bauingärtner'-. Buchhandlung in Leipzig. In redaktionellen Angelegenheiten I wende man sich au Philippson in Bonn direct, in allen übrigen au die! Berlagsliandlneg. Beilagen Iiiebühr 12 B>.> sind gleichfalls an letztere ein zusenden. 45. Zahrgaug. Leipzig» den 12. Juli 1681. J\r». 28. Iobalt. Leitende Artikel: Der Prozeß zwischen dem Christenthume und dem Judenthume. III. — Tie Judenfrage im Lande der Obotriten. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Bielefeld» Würzburg, Aus Württemberg. — Oesterreich-Ungarn: Wien, Pest, Czernowitz, Pilsen, Prag. — Frankreich: Paris.. — Rußland: Aus Rußland» Moskau, Petersburg. — Serbien: Belgrad. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Mathias Jakob Schleiden. £cil\mcV titlet. Bonn, 6. Juli. Der Prozeß zwischen dem Chrißeulhnme und dem Judenthume. ui. Den gedanklichen Mittelpunkt des ganzen Prozesses bildet die Behauptung christlicherseits, daß das Christenthum die „Erfüllung" des Mosaismus und der Prophetie sei, und daß deshalb das Judenthnm aufgegeben werden müsse und es seitens der Juden nur Ungläubigkeit und Verstocktheit sei, wenn sie dieser höheren und höchsten Offenbarung die Wahrheit absprechen und sich ihr nicht ergeben wollen. Wenn man unter dieser „Erfüllung" nur verstanden hätte, daß durch das Christenthum der vom Mosaismus und den Propheten gelehrte Monotheismus, welcher, wie besonders die Propheten verkündet hatten, einst die ganze; Menschheit umfaßen sollte, über einen beträchtlichen Theil! der Menschheit verbreitet worden und das Heidenthum und den Götzendienst verdrängte, so konnte man damit überein-; stimmen. Allerdings hätte man dann zugestehen müssen, daß der Islam denselben Beruf gehabt und mit gleichem Rechte in diesem Sinne eine Erfüllung genannt werden müßte. Einfichtlich ist es, daß diese Bedeutung des Wortes dennoch einen Einfluß auf die Ueberzeugung der Juden nicht im Entferntesten üben konnte. Denn die Verbreitung einer Religion ist an sich nur ein äußerliches Moment und liefert keinen Beweis für deren innere Wahrheit. Auch war es eben eine providentielle Anordnung, die dem Mosaismus zu Grunde lag, daß die Juden als solche nicht dahin ausgerüstet sein sollten, um durch die Anwendung weltlicher Mittel die Völker sich zu unterwerfen und das Judenthum die ewigen religiösen Wahrheiten in der in ihm vorhandenen nationalen Hülle rein und unverletzt für die Geschlechter der Menschheit bewahren, deshalb der heidnischen Anschauungsweise sich in keiner Weise nähern, accommodiren und sie nicht theilweise in sich ausnehmen sollte. So war cs die Ansicht der Juden stets, daß sie zwar durch ihre Existenz, durch ihre beharrliche Treue im Mosaismus und durch ihre geistigen Produktionen vor den Völkern den reinen und unverletzten Monotheismus aufrecht zu halten und zu bezeugen hätten, nicht aber durch Proselytismus und politische Herrschaft das Judenthum zu verbreiten. Sie begriffen auch, daß diese ihre Mission gerade durch ihre Zerstreuung unter die Völker erfüllt werde. Die weite Verbreitung der beiden aus dem Judenthume entsprungenen Religionen konnte deshalb aus die Juden kein bestimmendes Moment werden. Aber diese äußerliche Bedeutung hatte das Wort auch gar nicht bei den Lehrern und Bekenncrn des Christenthums. Vielmehr verstanden sie darunter, daß zwar der Mosaismus, die Propheten und Hagiographen die Grundlage bildeten, daß aber das Christenthum eine zweite und höhere Offenbarung Gottes sei, welche jene ergänzte, zur eigentlichen Wahrheit erhob und damit erfüllte, was Moses, die Pro- 28

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