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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-07-05 · Heft 27 (5.7.1881) · p. Seite 450

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 27 (5.7.1881)
Date
1881-07-05
Page
Seite 450 (sequence 16)
Language
German
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450 „Alle?" rief Abi und löste sich von Löb Bär, „Alle, sagst Du Vater? habe ich nicht gesprochen: Da, wo meine Dina weilt, ist ein Tempel der Unschuld! Ich Hab' es gewußt, rein wie sic ging, ist sie zurückgekehrt. Der gute Engel, der sie beschützte, ist die Unschuld ihres Gemüthes." Dina sank an ihres Geliebten Herz und die alte Harmonie zog wieder in ihre Seelen: „Sieh nur Abi", flüsterte sie und hob die seidenen Löckchen von der Stirn, „die kleine Schramme ist geheilt, da, und auch hier im Herzen! Jetzt weiß ich, daß Du geprüft für alle Ewigkeit mir vertraust." —I Gras Bülow entfernte sich leise und ungesehen aus diesem j glücklichen Familienkreis. — > Löb Bär wurde Commissionsrath, ohne daß seine schönej Tochter denselben Preis gezahlt, wie die hübsche blonde Schwester des Christian Schulz. Beitel lieferte das Tuck für die Armee und verdiente so viel dabei, daß er seinem Sohne ein hübsches Haus miethen und einrichten konnte. Und Abi operirte die fromme Greisin und rettete ihr das Licht der Augen. Als seine Hochzeit stattsand, war sein Ruhm begründet, und die Patienten strömten ihm zn. Am Abend des Bermählungstages trat die Oberhosmeisterin Bülow am Arm ihres Sohnes in die düstere „Bärengrube", welche sich heute' in Lichtglanz badete. Sie wollte die schöne Braut sehen und ihre Gabe für das junge Ehepaar selbst in die Hand ihres Erretters aus dunkler Fracht legen. Der Adjutant seiner Hoheit, Gras Bülow, überbrachte des Regenten herzliche Glückwünsche. Die vornehme Gräsin küßte das holde Blumengesicht der jungen Frau und sprach zu ihrem Sohne: „Wahrlich, dieses Mädchen ist des höchsten Glückes werth! — Verleihe Dir Gott einst ein ebenso schönes, edles Wesen zur Gattin!" - Vermischtes. Der Goldmensch. Tie ungarischen Blätter berichteten seinerzeit, daß ein Pacser Israelit, Namens David Rosner, in Pacs und Umgebung Goldgruben entdeckt habe. Ueber die Persönlichkeit des Entdeckers lesen wir in einem Feuilleton des „Budapesti Hirlap" folgende interessante Daten: Ein Kind armer Eltern, wurde Rosner in irgend einem „Cheder" (jüdische Schule) des Borsodcr Comitats in die Mysterien des Talmuds eingeweiht. Sein Wissensdurst trieb ihn bald in die Fremde und er suchte den berühmtesten Talmudisten des Landes, den Pacser Rabbiner, aus. Hier lebte er ausschließlich seinen Studien; der Unterhalt bereitete ihm keine große Sorge, da er jeden Tag in einem anderen Hause die Kost umsonst erhielt. Mit achtzehn Jahren bereits heirathete er. Um seine Familie erhalten zu können, ward er „Sopher" (Schreiber), das heißt, er schrieb zu confessionellen Zwecken „Thoras", zehn Gebote u. s. w. auf Pergament. Da dies aber ein sehr langwieriges, mühsames Geschäft ist, sann Rosner auf einen anderen Erwerb. Er ging nach Pest, trat in eine Grabsteinhandlung ein und lernte die Kunst des Eingravirens der Buchstaben in Stein. Einige Wochen später prangte in der großen Gasse von Pacs eine neue Firmatafel mit der Aufschrift: „David Rosner's Grabsleinhandlung". Das Geschäft ging gut, aber Rosner haßte die Monotonie, er wollte einige Abwechslung in sein Leben bringen. Er sah, daß die Aemter, die Gerichte, die Advokaten allerlei Druck-! sorten aus der Hauptstadt kommen lassen und er dachte sich, | warum sollte er nicht auch solche verfertigen. Nach Verlauf! einiger Wochen stand bereits in seinem Zimmer eine Hand-! presse und ein Setzerkasten und ein Setzer unterrichtete den! Meister und seine zwei Lehrlinge in der Kunst des Setzens.! Bald konnte Rosner den Setzer entbehren und heute hat Pacs i auch eine Druckerei. Diese vielfachen Handwerke hatten denn auch ihre Folgen. Rosner kaufte sich einen Grund und baute auf demselben ein Haus. Und hier geschah, was ihn zum Goldmenschen und Pacs zum ungarischen Californien machte. Man grub einen Brunnen. Rosner sah zu, wie die Schaufler den Sand ausgruben und es fiel ihm auf, daß der Sand glitzerte. Er betrachtete ihn lange und kam auf den Gedanken, daß das Glitzernde Gold sein könnte. Er theilte seine Idee einigen Leuten mit, die ihn jedoch — cs ist dies das Loos aller Entdecker — auslachten. Dies machte ihn aber nicht schwankend. Er erfuhr, daß es Institute giebt, wo der Sand auf Goldgehalt geprüft wird, doch müsse man Acht geben, daß Andere Einem nicht in der Ausbeutung der Entdeckung zuvorkommen. Tie angeborene Schlauheit verließ unseren Rosner auch diesmal nicht. Er sandte zuerst gewöhnlichen Sand nach Budapest, Wien und Locben und ließ ihn auf Gold untersucken. Selbstverständlich erhielt er zur Antwort, daß in dem Sande keine Spur von Gold sei. Dann sandte er den Sand, in welchem er Gold vermuthete — und siehe da! seine Vermuthung ward bestätigt, der Sand enthielt Gold. Null hieß cs, ein genügend großes Terrain erwerben. Er kauste daher seinen Nachbarn die Gärten ab, auf die Gefahr hin, von ihnen für verrückt gehalten zu werden. Hierauf lief er zur Berghauptmannschaft und verschaffte sich das Schurfrecht. Der Berghauptmann, Herr Ringl, wurde auf die Sache aufmerksam und er reiste mit seinem Sohne nach Pacs, wo er sich von der Richtigkeit der Rosner'schen Entdeckung überzeugte und sofort geologische Untersuchungen vornahm. Diese führten zu dem Ergebnisie, daß in dem eine halbe Stunde von Pacs entfernten Duna-Kömlöd gleichfalls

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