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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1881-06-28 · Heft 26 (28.6.1881) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
45 (1881)
Issue
Heft 26 (28.6.1881)
Date
1881-06-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Allgemeine ) Zeitung des Zudenthmns. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse.! Diese Zeitung erscheint wöchentlich. , Preis Vierteljährig 3 Mark. Abonne- | ment in Deutschland (Postzeitungsliste Pr. 82) und Oesterreich bei allen Post- , Luttern, außerdem durch den Buch- \ Handel. Herausgegeben von Nabdiner I)r. Ludwig Philippson in Bonn. Expedition und Verlag: Baumgärlner's Buchhandlung in Leipzig. ' In redactionellen Angelegenheiten I j wende man sich an I)r. L. Philippson i» j l Bonn direct, in allen übrigen an die '! Verlagsdandlung. Beilagen (Gebühr I i läffl.i sind gleichfalls an letztere ein- 1 i zusenden. | 45. Aahrgüng. Leipzig, den 28. Juni 1881. JVö. 26. Inhalt Leitende Artikel: Der Prozeß zwischen dem Christenthume und dem Judenthume. I. — Der Rumänische Handelsvertrag im deutschen Reichstage. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Berlin, Breslau, Mainz, Pr. Friedland, Prenzlan, Meiningen, Würzburg. — Oesterreich-Uugarn: Wien. — Bonn: Notizen. — Feuilleton: Correspondenz: Correspondenz des israel. Elemenwr- Lehrer-Bereias für Westfalen und Rheinprovinz. — Bilder aus dem jüdischen Familienleben. II. I -£ctteitc)c CUtißcf*. Bonn, 22. Juni. Der Prozeß zwischen dem LhriKenthume und dem Zodenlhume. i. Wir erhalten folgende Zuschrift: Paris, 9. Jnni. Ich komme soeben von der Besichtigung eines hier ausgestellten Gemäldes, das mir das bedeutendste, großartigste zu sein scheint, welches die neueste Zeit hervorgebracht hat, Muncascy's «Jesus vor Pilatus". Die vollendete Farbengebung, die an die größten Meister erinnernde Gruppirung der vielen Gestalten, welche die Hauptfiguren umgeben, ver binden sich hier mit einer sehr merkwürdigen und interessanten Austastung des inhaltsvollen Gegenstandes, die in allen Stucken von den Vorgängern des Meisters abweicht. Pilatus fitzt auf einer Erhöhung, um das Urtheil zu fällen: seine Haltung und seine Gesichtszüge geben zu erkennen, daß er noch unentschiedenen Sinnes ist. Auf den Stufen der Estrade steht ein wunderbar schöner Greis voll Adels und Ausdrucks in edelster Erregung, der Jesus anklagt. 11m den Sitz des Römers drängt sich eine Schaar Priester und Schriftgelehrte. und diese find von zahlreichen Bolksfiguren umgeben. Man kann nicht verkennen, daß der Künstler in der Haltung. der gemesseneren der Priester, und der brutaleren der Bolksmasie, die Erregung eines ganzen Volkes ausdrückeu wollte, welches sich in seiner Religion durch das Auftreten eines Sektirers angetastet und in seinem Heiligsten verletzt fühlt. In der Mitte steht Jesus, die Hauptfigur, in der stolzen Haltung des selbstbewußten Stifters einer neuen religiösen Anschauung, der die Umgebung verachtet und nur mit gewisser Aengstlichkeit in dem Gesichte des Römers die Entscheidung lesen möchte. Gerade hierin ist Muncascy von allen seinen Vorgängern abgewichen: der Ausdruck des Gött lichen und des Sentimentalen, welchen die früheren Künstler anstrebten, ist hier in dem Antlitz und der Haltung Jesn nicht zu finden, sondern vielmehr der Ernst und der Stolz eines selbstüberzeugten Stifters einer religiösen Sekte, der des weiteren Ausganges harrt. — Soweit unser Correspondent, dem wir selbstverständlich die Vertretung für sein Urtheil überlasten müsten; doch stimmen damit die Besprechungen in den Tagesblättern ziemlich überein. Mit dieser Austastung steht allerdings Muncascy ganz auf dem Boden der neueren Zeit, welche gegen die Berichte des Neuen Testaments sich kritisch ver-; hält und den Prozeß Jesu einer vielfachen Revision unter- ' zogen hat. Es versieht sich von selbst, daß der Künstler sich nicht auf den Standpunkt versetzen konnte, den wir in unserer bekannten Broschüre*) als den kritisch einzig richtigen er- 1) «Haben wirklich die Juden Jesum gekreuzigt?" (Berlin, , Gerichel, 186«."; Die jüngste Hebersetzung dieser Schrift in's Jta-! lienische von Dr. M. Ehrenreich (Torino. Loescher 1881) hat, wie! Briefe und Zeitblätter, die uns vorliegen, erweisen, vielfache Aner- 26 -•4 's B

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